Bei Dorina kommt Leben in die Bude. Sie tritt unter den Treppen und Stegen hervor, die den Garderobentrakt eines Theaters andeuten. Sie scheucht das knappe Dutzend Musiker an die Arbeit, die sich die Semperoper in Dresden vom Händel-Festspielorchester Halle ausgeborgt hat und die unter Leitung des am Cembalo mitwirkenden Felice Venanzoni den animierenden Impuls aufgreifen. Die mit einem gewissen Geschäftsinstinkt in Liebe entbrennende und hinsichtlich der Effekte ihrer nächsten Selbstinszenierung schwankende Sopranistin räumt auf – das heißt: Sie kickt allen Pröll und Müll unter die Liege, die in aufreizendem Rot der kommenden Dinge harrt.
Dorina kann sich so liebreizend wie als Furie geben – losgelassen zu Beginn eines Jahrhunderts, das die Stars eines sich internationalisierenden Musikbetriebs hervorbrachte. Zwar kämpft sie so ernsthaft sie wie eine Löwin für ihren Erfolg, ist aber bereits eine Parodie auf den eben erst sich herausbildenden Künstlerinnentypus: ein Prachtexemplar übrigens, das (sich) verspricht, "mit der Schönheit Beute zu machen". Gala El Hadidi gestaltet die Parade-Partie als persönliche Gala und bemüht die Rolle der Cleopátra für ihr Vorsingen. Die ägyptische Sopranistin findet im schlank-agilen Pavol Kubán einen Duo-Partner, der ihrer dampfenden Weiblichkeit mit seiner provozierend zur Schau gestellten begehrlichen Männlichkeit und als distinguierter Bariton fürwahr nichts schuldig bleibt.
Als 1724 im Teatro San Bartolomeo in Neapel Pietro Metastasios und Domenico Sarros "Didone abbandonata" zur Uraufführung kam, die in damals neue Musik gehüllte Liebestragödie der karthagischen Königin Dido, wurde ihr mit "L’impresario delle Canarie" eine heitere Einlage zugesellt: Eben jenes Intermezzo von der standes- und selbstbewussten Sopranistin, die in Hochstimmung gerät, weil der Intendant eines gerade auf den Kanarischen Inseln in Bau befindlichen Opernhauses seinen Besuch ankündigt und wahr macht. Auch einen Vertrag stellt Signor Nibbio in Aussicht und sucht am Ende alles klar zu machen, indem er mit großkanarischem Sprung zu ihr auf die weiche Liege hüpft.
In Dresden wurde diese leichtgewichtige Zwei-Personen-Kurzoper nun nochmals kontrapunktiert – mit einer tief ernsthaften Einlage. Die 1963 in Rom geborene Lucia Ronchetti zerbrach sich den Kopf darüber, was im Kopf des jungen Librettisten Metastasio vorgegangen sein mag, kompilierte aus dessen Briefen einen Dialog zwischen dem Dichter und einem Gedankenquartett. So fächern sich Kernpunkte der Poetik des frühen 18. Jahrhunderts und ein luzider A-cappella-Satz auf.
Von Anfang an hatte ein Gipskopf in Dorinas Garderobe gewartet – der des großen Librettisten des 18. Jahrhunderts. Axel Köhler lässt die vier zum Teil widerstrebenden Gedanken um den von Roland Schubert gesungenen Poeten kreisen, lauern, schleichen, tanzen, lachen und sich über die "heutigen Sängerinnen" ereifern, deren Vorbilder Grillen und Grashüpfer, nicht aber die heroischen Figuren der Vergangenheit, deren Leiden und Leidenschaften seien. Die guten Geister der Geschichte sorgen für eine informative und von apartem Klang gewürzte Theaterepisode.
An der Semperoper wurde eine untadelige kleine Arbeit präsentiert. Etwas, bei dem sich Alt und Neu durch feinsinnige Bezugnahme und Kontrast verbinden (dergleichen ist aus der Architektur geläufig). Das Problem ist eigentlich nur, dass die Dimensionierung das Neue weit herunterpegelt. Das Opernunternehmen in der sächsischen Hauptstadt kann darauf verweisen, endlich wieder etwas Neues kreiert zu haben, holt bei dieser Gelegenheit aber überwiegend die Konsensfähigkeit spätbarocker Musik ein und zwängt das Neue zwischen die hurtige Umtriebigkeit der süditalienischen Tonkunst von 1724.
Dorina kann sich so liebreizend wie als Furie geben – losgelassen zu Beginn eines Jahrhunderts, das die Stars eines sich internationalisierenden Musikbetriebs hervorbrachte. Zwar kämpft sie so ernsthaft sie wie eine Löwin für ihren Erfolg, ist aber bereits eine Parodie auf den eben erst sich herausbildenden Künstlerinnentypus: ein Prachtexemplar übrigens, das (sich) verspricht, "mit der Schönheit Beute zu machen". Gala El Hadidi gestaltet die Parade-Partie als persönliche Gala und bemüht die Rolle der Cleopátra für ihr Vorsingen. Die ägyptische Sopranistin findet im schlank-agilen Pavol Kubán einen Duo-Partner, der ihrer dampfenden Weiblichkeit mit seiner provozierend zur Schau gestellten begehrlichen Männlichkeit und als distinguierter Bariton fürwahr nichts schuldig bleibt.
Als 1724 im Teatro San Bartolomeo in Neapel Pietro Metastasios und Domenico Sarros "Didone abbandonata" zur Uraufführung kam, die in damals neue Musik gehüllte Liebestragödie der karthagischen Königin Dido, wurde ihr mit "L’impresario delle Canarie" eine heitere Einlage zugesellt: Eben jenes Intermezzo von der standes- und selbstbewussten Sopranistin, die in Hochstimmung gerät, weil der Intendant eines gerade auf den Kanarischen Inseln in Bau befindlichen Opernhauses seinen Besuch ankündigt und wahr macht. Auch einen Vertrag stellt Signor Nibbio in Aussicht und sucht am Ende alles klar zu machen, indem er mit großkanarischem Sprung zu ihr auf die weiche Liege hüpft.
In Dresden wurde diese leichtgewichtige Zwei-Personen-Kurzoper nun nochmals kontrapunktiert – mit einer tief ernsthaften Einlage. Die 1963 in Rom geborene Lucia Ronchetti zerbrach sich den Kopf darüber, was im Kopf des jungen Librettisten Metastasio vorgegangen sein mag, kompilierte aus dessen Briefen einen Dialog zwischen dem Dichter und einem Gedankenquartett. So fächern sich Kernpunkte der Poetik des frühen 18. Jahrhunderts und ein luzider A-cappella-Satz auf.
Von Anfang an hatte ein Gipskopf in Dorinas Garderobe gewartet – der des großen Librettisten des 18. Jahrhunderts. Axel Köhler lässt die vier zum Teil widerstrebenden Gedanken um den von Roland Schubert gesungenen Poeten kreisen, lauern, schleichen, tanzen, lachen und sich über die "heutigen Sängerinnen" ereifern, deren Vorbilder Grillen und Grashüpfer, nicht aber die heroischen Figuren der Vergangenheit, deren Leiden und Leidenschaften seien. Die guten Geister der Geschichte sorgen für eine informative und von apartem Klang gewürzte Theaterepisode.
An der Semperoper wurde eine untadelige kleine Arbeit präsentiert. Etwas, bei dem sich Alt und Neu durch feinsinnige Bezugnahme und Kontrast verbinden (dergleichen ist aus der Architektur geläufig). Das Problem ist eigentlich nur, dass die Dimensionierung das Neue weit herunterpegelt. Das Opernunternehmen in der sächsischen Hauptstadt kann darauf verweisen, endlich wieder etwas Neues kreiert zu haben, holt bei dieser Gelegenheit aber überwiegend die Konsensfähigkeit spätbarocker Musik ein und zwängt das Neue zwischen die hurtige Umtriebigkeit der süditalienischen Tonkunst von 1724.