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Psychologie des Völkermords
Horster: Das Böse gehorcht einer Ordnung

Massenhaftes Morden - ob nun bei den Nazis oder IS-Kämpfern - sei oftmals hauptsächlich von der jeweils zugrunde liegenden Ideologie angetrieben, sagte der Sozialphilosoph Detlef Horster im DLF. "Es ist nicht die Lust am Morden. Es ist schlichtweg eine Pflichterfüllung, die auch gegen die eigenen Widerstände erfolgt."

Detlef Horster im Gespräch mit Michael Köhler |
    Der Mensch sei zu Gutem wie auch zu Bösem fähig. Deswegen benötige er Moral, damit er eine Anleitung habe, sagte Detlef Horster im DLF. Der Sozialphilosoph hat ein Buch über das Böse herausgegeben.
    Im Falle der grauenvollen Hinrichtungen ausgehend von IS-Kämpfern spiele weniger die Lust am Bösen eine Rolle. "Sondern da tun welche ihre Pflicht - und zwar muss man das vor dem Hintergrund der Ideologie sehen."
    Bei Hitler und der SS sei dies früher ähnlich gewesen, sagte Horster. Hitler habe die Negation der Moral als solcher angestrebt: "Er wollte die Umkehrung der Zehn Gebote (...) Er wollte die Schöpfer der Moral, nämlich der Zehn Gebote, die Juden, ausrotten und vernichten. Das war seine Absicht."
    Im Falle der radikalislamistischen IS spiele zudem der Gruppendruck eine große Rolle. Horster: "Man ist in dieser Gruppe und kann sich dann als IS-Kämpfer dieser Gruppe nicht entziehen." Wenn man sich doch entziehe, werde man selber hingerichtet. "Man muss eben das tun, was die Gruppe von einem fordert."
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