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Schön praktisch

Parallel zur Internationalen Möbelmesse zeigt das Museum für Angewandte Kunst Möbelstücke namhafter Architekten. Die Sonderausstellung "Von Aalto bis Zumthor: Architektenmöbel" blickt auf 100 Jahre zurück. Zu sehen sind auch Stücke aus der aktuellen Architekturszene wie Daniel Libeskind oder dem Schweitzer Peter Zumthor.

Christiane Vielhaber im Gespräch mit Katja Lückert |
    Katja Lückert: Die ersten Designer des 20. Jahrhunderts waren Architekten, die für ihre Bauprojekte das dazu passende Mobiliar und häufig auch andere Gebrauchsgegenstände entwarfen, weil sie auf dem Markt nichts gestalterisch Passendes finden konnten. So liest man das in der Ankündigung des Museums für Angewandte Kunst in Köln, das parallel zur Internationalen Möbelmesse und den Passagen die Sonderausstellung "Von Aalto bis Zumthor: Architektenmöbel" veranstaltet. - Christiane Vielhaber, das heißt doch: Der Stuhl wurde passend zum Haus entworfen, oder? Konnten Sie die Bequemlichkeit dieser Möbelkopfgeburten, darf man das sagen, testen?

    Christiane Vielhaber: Das sind eben weniger Kopfgeburten als die von Industriedesignern, sondern Architekten waren schon immer Generalisten. Und was Sie gerade gesagt haben: Die fanden nicht das Passende auf dem Markt und sie wollten etwas aus einem Guss. Als ich eben den Anfang der Sendung gehört habe und diesen Begriff "Hineinschlüpfen" – man spricht ja heute von Cocooning, dass man sich in seinen eigenen vier Wänden einspinnt -, ich glaube, das hat diese Architekten ganz wesentlich geprägt, dass sie wollten, dass alles aus einem Guss war, dass sich die Bewohner, oder die Leute, die zum Beispiel in die Postbank nach Wien kamen, dass die sich wohlfühlten und dass das einfach ästhetisch perfekt war.

    Lückert: Geben Sie doch mal so ein paar Beispiele. Wir hören Alvar Aalto, Egon Eiermann, Mario Botta. Wie passte denn da das Haus zum Stuhl oder zur Kommode?

    Vielhaber: Ja, das ist jetzt sehr unterschiedlich. Sie haben jetzt alles Architekten erwähnt, die nach dem Zweiten Weltkrieg auch Möbel entworfen hatten. Angefangen hat das eigentlich wirklich in Wien, mit den Wiener Werkstätten, wo Josef Hoffmann zum Beispiel entworfen hat, oder es gibt diesen Postbank-Stuhl, der ist für die Post, also für die zentrale Post in Wien entworfen, und dann sieht man schon, dass die Architekten mitgedacht haben. Der hat zum Beispiel Metallfüßchen, damit wenn die Putzfrauen kommen, dass diese Holzfüße nicht irgendwie feucht werden und dann auseinandergehen. Es musste also praktisch sein und es musste schön sein, denn das war ja auch die Zeit, wo man sich gefragt hat, in welchem Stil sollen wir bauen. Alle Stile waren hinüber, hinweg, und das Ornament war ein Verbrechen, dass es dann schlichter wurde. Genauso gibt es Beispiele vom Bauhaus, Sie haben jetzt eben Rietveld erwähnt. Was Rietveld gemacht hat, diesen Zickzackstuhl, den kann sich nur eigentlich ein Architekt einfallen lassen, denn jeder Tischler hätte gesagt, hören sie mal zu, haben sie einen an der Waffel, so was kann ich überhaupt nicht zusammenkleben oder kann daraus nichts machen. Aber es sind immer die Architekten, die innovativ gewesen sind.
    In der letzten Zeit hatte ich eher den Eindruck, dass unter diesen 53 Baumeistern doch welche waren, die das Möbelstück an sich nicht wirklich ernst genommen haben, sondern die aus ihrer Architekturidee eine Skulptur gemacht haben. Nehmen Sie nur Daniel Libeskind. Das Jüdische Museum, oder alles, was er macht, ist zackig, ist eckig, sie laufen hinein, und genau so sind auch seine Möbel. Die wirken, dieser Sessel wirkt einfach wie eine Skulptur, wo sie eigentlich nicht rein mögen. Oder ein anderer Sessel von ihm aus Metall wirkt – das hat mich so erinnert an diese Papierfaltespiele, die wir gemacht haben, mit Himmel und Hölle. In so was Spitziges möchte ich mich eigentlich nicht setzen.
    Aber dann ist wieder so jemand wie Zumthor, der in Köln das Kolumba Museum gebaut hat, ganz schlicht und zurückhaltend, und dann finden sie einen Sessel, der so plump ist – ich fand den so grauenhaft plump für dieses Museum, für die Bibliothek oder den Lesesaal -, und daneben wie eine Skulptur für Graubünden für eine Therme eine hölzerne Liege, und dann können sie wirklich mit den Augen darin spazieren gehen und denken, hier kann ich entspannen, hier kann ich wirklich bei mir sein, so wie in seiner Architektur auch.

    Lückert: Wo kommen die Möbel her? Rietveld hatten Sie erwähnt. Das sind ja Möbel aus 100 Jahren. Haben die die alle im Depot bei dem Museum in Köln?

    Vielhaber: 70 Prozent davon stammen aus dem Haus.

    Lückert: Schon viel!

    Vielhaber: Da sind sie jetzt auch ganz froh, dass sie das aufzeigen können – zum Beispiel auch ganze Zimmer, die sie sonst in der ständigen Sammlung nicht haben. Und was in dieser Ausstellung auch ganz schön gemacht ist: Sie finden bei einigen Möbeln einen kleinen Hinweis, dass von diesem Architekt, von diesem Bauherrn in der ständigen Sammlung auch noch was ist, wo sie dann sehen können, dass die mehr als nur dieses eine Stück gemacht haben.

    Lückert: "Von Aalto bis Zumthor" im Kölner Museum für Angewandte Kunst – die Ausstellung hat Christiane Vielhaber für uns gesehen.

    !Weiterführende Informationen zur Ausstellung:
    Museum für Angewandte Kunst Köln