Politik der Trump-Regierung
1.900 Forschende warnen vor Kürzungen im Wissenschaftsbereich - Drei Yale-Professoren verlassen USA

Mehr als 1.900 Forschende warnen in einem offenen Brief vor der Politik der Trump-Regierung. Der US-Präsident hatte in den vergangenen Wochen angekündigt, Wissenschaftseinrichtungen hunderte Millionen Dollar an Fördergeldern zu kürzen und massive Entlassungen vorzunehmen.

    Historiker Timothy Snyder bei einer Diskussionsveranstaltung mit kleinem Mikrophon am Kopf
    Die Politik von US-Präsident Trump im Wissenschaftsbereich brachte Historiker Timothy Snyder dazu, die Yale University Richtung Kanada zu verlassen. (picture alliance / Ole Berg-Rusten)
    In dem Schreiben fordern die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, die Kürzungen zurückzunehmen. Sie führten dazu an, dass Forschung - auch nach neuen Behandlungsmethoden gegen Krankheiten unterbrochen werde, Lehrkräfte müssten entlassen und Doktoranden könnten nicht mehr eingestellt werden. Es könne Jahrzehnte dauern, bis der Schaden für das wissenschaftliche Unternehmen des Landes behoben sei, warnen die Wissenschaftler, von denen laut "Washington Post" etliche zu den besten des Landes gehören.
    Sie alle sind Mitglieder der National Academies of Sciences, Engineering and Medicine und betonen: "Wir haben unterschiedliche politische Überzeugungen, sind uns aber einig, dass wir unabhängige Forschungstätigkeiten schützen wollen". Mit dem Brief sende man eine Art SOS mit einer klaren Warnung: "Der wissenschaftliche Betrieb der USA wird dezimiert".

    Bekannte Forschende verlassen USA

    Erst vor wenigen Tagen gaben drei der profiliertesten Intellektuellen der Vereinigten Staaten bekannt, dass sie die USA verlassen. Der Historiker Timothy Snyder, die Osteuropa-Expertin Marci Shore und der Faschismusforscher Janson Stanley verlassen die Yale University und lehren künftig an der Universität von Toronto in Kanada.
    Snyder ist durch Werke wie "Über Tyrannei" bekannt und gibt öffentlich an, sein Weggang habe "persönliche Gründe". Seine Frau Marci Shore aber sagt: Das Private sei mit dem Politischen untrennbar verwoben. Die Universität von Toronto habe schon länger um sie geworben, die Entscheidung sei dann nach den US-Wahlen im November gefallen. Der Internetseite "Toronto Today" sagte sie, es sei ein "amerikanischer Abstieg in den Faschismus".
    Ähnlich deutlich äußerte sich Jason Stanely, dessen Großmutter 1939 vor den Nazis in die USA geflüchtet war. Er sagte der Philosophieplattform "Daily Nous", seine Entscheidung sei komplett im politischen Klima in den USA begründet. Er sei sehr glücklich in Yale gewesen, aber er wolle seine Kinder nicht in einem Land großziehen, das auf eine faschistische Diktatur zusteuere.

    Deutschland wirbt um US-Forschende

    Führende deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprachen sich dafür aus, wissenschaftliches Spitzenpersonal aus den Vereinigten Staaten anzuwerben. Die Initiative läuft unter dem Motto "Hundert kluge Köpfe für Deutschland". Die Initiatoren argumentieren: "Die amerikanische Wissenschaftspolitik, so dramatisch sie sich für die USA gestaltet, bietet für Deutschland und Europa die Chance, die eigene Forschungslandschaft dynamischer zu gestalten". Sie schlagen die Einrichtung eines Anwerbeprogramms vor, um unter dem Dach der Deutschen Forschungsgemeinschaft und finanziert vom Bundesforschungsministerium bis zu 100 Professuren einzurichten.
    Das Programm sollte sich an Wissenschaftler richten, deren Arbeit in den USA nicht oder nur eingeschränkt fortgeführt werden könne, hieß es. Zugleich sollte ein Schwerpunkt auf strategischen Zukunftsfeldern liegen, in denen der Innovationsbedarf in Deutschland besonders groß sei. Genannt werden unter anderem Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik sowie klima- und gesundheitsrelevante Forschungsgebiete.
    Zu den Autoren des Aufrufs gehören die Wirtschaftsweise Schnitzer, der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Schularick, die Präsidentin der Hertie-School-of-Governance, Woll, und die in Berkeley in den USA unterrichtende Wirtschaftswissenschaftlerin Malmendier.

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    Diese Nachricht wurde am 02.04.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.