Als "vornehm und einsam, dabei ein der Demokratie leidenschaftlich ergebener Geist, voller Schönheitsdrang und gesellschaftlicher Vision": so hat Thomas Mann seinen älteren Bruder Heinrich beschrieben.
Dessen Weltruhm kam 1930 mit "Der blaue Engel", Josef von Sternbergs Verfilmung von Heinrich Manns 1905 erschienenem Roman "Professor Unrat" mit Marlene Dietrich in der Hauptrolle der kessen Varieté-Tänzerin und Sängerin Rosa Fröhlich.
Der Roman erzählt die Geschichte des Gymnasiallehrers Raat, der von den Schülern wegen seiner demütigenden, von zynischer Machtlust genährten Erziehungs- und Bestrafungs-Methoden "Professor Unrat" genannt wird. Als er vom Kontakt einiger Schüler zum "leichten" Varieté-Mädchen erfährt, sucht er sie in ihrem Etablissement auf, um ihr weiteren Umgang mit seinen Schülern zu verbieten; stattdessen verfällt er jedoch ihrer überbordenden Sinnlichkeit, seine bürgerliche Fassade bricht zusammen und am Ende steht, als völlige Auflösung seiner Person, der Tod. Die Geschichte spielt in Lübeck, der Geburtsstadt des Autors. Er wusste: "Die Werke folgen als Ergebnis des Lebens."
Außenseiter und Schulabbrecher
Das Rotlichtmilieu Lübecks kannte schon der junge Schüler aus eigener Anschauung. Geboren am 27. März 1871 als Sohn eines Kaufmanns und Senators, gab sich Luiz Heinrich Mann früh als Außenseiter, der die Schule vor Abschluss verließ, herumvagabundierte, Maler werden wollte und dann doch Schriftsteller wurde – und auch sofort auffiel durch italienisch angehauchte Novellen. Zu Heinrich Manns aufmerksamsten Beobachtern gehörte sein jüngerer Bruder Thomas, der ebenfalls zu schreiben begonnen hatte und 1906, nachdem er in die reiche Münchner Familie Pringsheim eingeheiratet hatte, in einem Brief die Unterschiede markierte:
"Du, (Heinrich), nennst mich gewiss einen feigen Bürger. Aber Du hast leicht reden. Du bist absolut. Ich dagegen habe geruht, mir eine Verfassung zu geben."
Abrechnung mit dem deutschen Spießertum
Während Thomas Mann in seinen Romanen ästhetisch raffinierte Kunstflüge vorführte, entwickelte sich Heinrich Mann – oft auch in teilweise heftigem Streit mit seinem Bruder – zu einem der schärfsten Kritiker der politischen Zeitläufte im Kaiserreich und der folgenden Weimarer Republik. Sein 1918 erschienener, aber schon 1914 beendeter Roman "Der Untertan" las sich zum Beispiel als gegen deutsches Spießertum gerichteter Hieb, der durch alle Paraden ging. Auch in seinen Essays wurde er sehr deutlich:
"Sittliche Tatsachen beginnen stets dort, wo Ideologien sich entwerten."
Nach dieser Einsicht führte er, politisch links stehend, anti-militaristisch, sozialkritisch und entschieden humanistisch, einen publizistischen Kampf gegen die Drohung einer heraufziehenden Diktatur faschistischer Gewalt und plädierte vielmehr für eine "Diktatur der Vernunft". Vergeblich. 1933 zogen grölende Horden zur öffentlichen Bücherverbrennung auf den Berliner Opernplatz: Und "übergaben dem Feuer die Schriften von Heinrich Mann …"
Bitteres Exil in Frankreich und den USA
Um sein Leben in Sicherheit zu bringen, ging Heinrich Mann sofort ins französische Exil und schrieb einen von vielen als sein Hauptwerk angesehenen zweibändigen Roman über die Jugend sowie die Vollendung des Königs Henri Quatre. Doch dann begann, vor den in Frankreich einrückenden deutschen Truppen nach Amerika ausgewichen, seine unglücklichste Zeit.
Verkannt und verschollen kam Heinrich Mann sich vor – als habe sein Leben und Schreiben in der Öffentlichkeit keinerlei Spuren hinterlassen. So existiert tatsächlich nicht eine einzige Tonaufnahme, die den Klang seiner Stimme festgehalten hat. Das einzige Tondokument als Erinnerung an seine Schreibarbeit ist die Musik aus dem Film "Der blaue Engel". Deutschland hat er nicht mehr wiedergesehen. Aus Ost-Berlin hatte ihn zwar die Bitte erreicht, Gründungspräsident der neuen Deutschen Akademie der Künste zu werden. Er wollte das Angebot auch annehmen, die Schiffs-Tickets waren schon hinterlegt, als Heinrich Mann im März 1950 im kalifornischen Santa Monica starb. In seinem letzten, 1949 erschienenen Roman "Der Atem" lauten seine Schlussworte:
Verkannt und verschollen kam Heinrich Mann sich vor – als habe sein Leben und Schreiben in der Öffentlichkeit keinerlei Spuren hinterlassen. So existiert tatsächlich nicht eine einzige Tonaufnahme, die den Klang seiner Stimme festgehalten hat. Das einzige Tondokument als Erinnerung an seine Schreibarbeit ist die Musik aus dem Film "Der blaue Engel". Deutschland hat er nicht mehr wiedergesehen. Aus Ost-Berlin hatte ihn zwar die Bitte erreicht, Gründungspräsident der neuen Deutschen Akademie der Künste zu werden. Er wollte das Angebot auch annehmen, die Schiffs-Tickets waren schon hinterlegt, als Heinrich Mann im März 1950 im kalifornischen Santa Monica starb. In seinem letzten, 1949 erschienenen Roman "Der Atem" lauten seine Schlussworte:
"Es war still. Die Helligkeit des Gartens war gelöscht. Die Welt schlief gelähmt wie in Nächten ihrer ausgebrochenen Katastrophen, wenn auch wir müde sind und das Wort niederlegen."