
"Josquin ist der Noten Meister, die habens müssen machen, wie er wollt, die andern Sangmeister müssens machen, wie es die Noten haben wöllen.": noch um 1540 bewunderte Martin Luther die außergewöhnliche Begabung des Sängers und Komponisten Josquin Desprez. Der war damals schon seit zwei Jahrzehnten tot, galt aber immer noch als der prominenteste Vertreter jener Sängerkomponisten aus dem franko-flämischen Kulturkreis, die die europäische Musikwelt des 16. Jahrhunderts maßgeblich prägten.
Geboren wurde Josquin zwischen 1450 und 1455 in der Umgebung von Saint-Quentin in Nordfrankreich. Über seine Kindheit weiß man kaum etwas. 1475 tauchte er in Südfrankreich als Sänger in der Kapelle des Herzogs von Anjou auf. Fünf Jahre später gehörte er zur Hofkapelle des französischen Königs Ludwig des Elften, die damals von Johannes Ockeghem geleitet wurde. Der flämische Kollege wurde vermutlich sein Kompositionslehrer. Als er Jahre später starb, schrieb Josquin einen berühmt gewordenen Klagegesang.
Selbstbewusster Auftritt in Rom
Nach einigen Jahren in Mailand wurde Josquin 1489 Sänger der päpstlichen Kapelle in Rom. Dort trat er bereits mit einigem Selbstbewusstsein auf, so Klaus Pietschmann von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz:
"Wir haben keinerlei Briefe oder sonstigen schriftlichen Hinterlassenschaften von ihm. Das einzige, was sehr wahrscheinlich auf ihn zurückgeht, ist ein Graffito, das sich an der Wand der Sängerkanzel der päpstlichen Kapelle erhalten hat. Er platziert seinen Namen zentral auf der Stirnwand. Das spricht schon für eine sehr ausgeprägte Persönlichkeit."
Ein charakterlich schwieriger Musiker
Schon seine Zeitgenossen nahmen Josquin als bedeutenden, aber charakterlich schwierigen Musiker wahr. Als 1503 der Herzog von Ferrara Ercole d’ Este einen neuen Hofkapellmeister suchte, brachte sein Musikagent daher neben Josquin auch den kaiserlichen Hofkomponisten Heinrich Isaac ins Spiel:
"Der Sänger Isaac ist sehr schnell in der Kunst der Komposition. Im Übrigen ist er gutmütig und umgänglich. Mir scheint er gut geeignet, Euer Gnaden zu dienen, besser als Josquin, weil er zu seinen Musikern von liebenswürdigerem Wesen ist und öfter neue Werke schreiben will. Dass Josquin besser komponiert, ist richtig, aber er komponiert, wenn er es will und nicht, wenn man es von ihm erwartet."
"Der Sänger Isaac ist sehr schnell in der Kunst der Komposition. Im Übrigen ist er gutmütig und umgänglich. Mir scheint er gut geeignet, Euer Gnaden zu dienen, besser als Josquin, weil er zu seinen Musikern von liebenswürdigerem Wesen ist und öfter neue Werke schreiben will. Dass Josquin besser komponiert, ist richtig, aber er komponiert, wenn er es will und nicht, wenn man es von ihm erwartet."
Ercole d’ Este entschied sich dennoch für den besseren Komponisten. Josquin blieb allerdings nur ein knappes Jahr in Ferrara. 1504 wurde er zum Propst der Kirche Notre Dame im flämischen Condé-sur-l’Escaut ernannt. Über die letzten 17 Jahre seines Lebens in Condé weiß man wenig. Josquin Desprez starb dort am 27. August 1521. Seine Werke waren damals in Abschriften und Drucken in ganz Europa verbreitet, so Klaus Pietschmann:
"Er verbindet eigentlich wie kein anderer seiner Zeitgenossen das, was die Musik der Franko-Flamen traditionell ausmacht, die konstruktivistische Seite des Komponierens, die vollendete Beherrschung des Kontrapunkts, komplexer Kanon Techniken mit neuartigen Techniken, Klangsinnlichkeit zu erzeugen und vor allen Dingen auch textbezogen zu komponieren."
"Er verbindet eigentlich wie kein anderer seiner Zeitgenossen das, was die Musik der Franko-Flamen traditionell ausmacht, die konstruktivistische Seite des Komponierens, die vollendete Beherrschung des Kontrapunkts, komplexer Kanon Techniken mit neuartigen Techniken, Klangsinnlichkeit zu erzeugen und vor allen Dingen auch textbezogen zu komponieren."
Bis ins 17. Jahrhundert gehörten Josquins Werke zum Repertoire kirchlicher und höfischer Kapellen. Und schon Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man ihn neu und reihte ihn als "Michelangelo der Musik" in die Galerie der bedeutenden Renaissancekünstler ein. Für Musikwissenschaftler Klaus Pietschmann ein guter Vergleich:
"weil eben diese unmittelbare Aussagekraft, diese besondere anrührende und gleichzeitig auch von enormer Kunstfertigkeit geprägte Anlage seiner Musik etwas ist, was sich über die Jahrhunderte hinweg erhält und überträgt."