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Pogromnacht-Jahrestag
Antisemitismusbeauftragter sieht Juden in Deutschland "im Ausnahmezustand"

Vor dem 85. Jahrestag der antisemitischen Pogrome in Deutschland hat sich der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Klein, bestürzt über die aktuelle Lage geäußert. Seit dem terroristischen Angriff der Hamas auf Israel bewege sich der Judenhass in Deutschland auf einem seit Jahrzehnten nicht mehr dagewesenen Niveau, sagte Klein bei einer Pressekonferenz in Berlin. Jüdinnen und Juden hierzulande befänden sich seit einem Monat "im Ausnahmezustand".

    Berlin: Beate Küpper (l-r), Sozialpsychologin und Professorin für Soziale Arbeit, Nikolas Lelle, Amadeu Antonio Stiftung, Deborah Hartmann, Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, und Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus stellen das Zivilgesellschaftliche Lagebild Antisemitismus #12 in der
    Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus (mit Brille) bei der Vorstellung des "Zivilgesellschaftliches Lagebild Antisemitismus #12" (Kay Nietfeld/dpa)
    Er fügte hinzu, im Gegensatz zum Jahr 1938 lebe man aber in einer gefestigten Demokratie mit einem Rechtsstaat, der sich schütze und verteidige. Anlass der PK war das von der Amadeu-Antonio-Stiftung erstellte "Zivilgesellschaftliche Lagebild Antisemitismus". Aufgelistet werden darin judenfeindliche Vorfälle im laufenden Jahr.
    Derweil warnte das Bundesinnenministerium vor möglichen Angriffen auf jüdische Einrichtungen. Ein Sprecher sagte dem Handelsblatt, man könne nicht ausschließen, dass es zu unangemeldeten Versammlungen in Verbindung mit Straftaten wie Beleidigung, Volksverhetzung und Sachbeschädigung vor israelischen Einrichtungen sowie Gebetshäusern komme. Mit Blick auf den Krieg in Nahost betonte er, bei pro-palästinensische Veranstaltungen könnte es auch zur Verkehrung der Täter- und Opferrollen kommen. Man habe sehr genau im Blick, welche Auswirkungen der Terror der Hamas gegen Israel für die Sicherheitslage in Deutschland habe.
    Bundesinnenministerin Faeser forderte einen stärkeren Schulterschluss gegen Antisemitismus. Man müsse Jüdinnen und Juden die absolute Gewissheit geben, dass 2023 nicht 1938 sei, sagte die SPD-Politikerin dem "Handelsblatt". Dazu müsse auch die Gesellschaft noch lauter werden und sich dem Hass entgegenstellen. Das sei mehr als eine historische Verantwortung.
    Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat in Erinnerung an die Opfer der Reichspogromnacht für Donnerstag zu einer zentralen Gedenkveranstaltung in Berlin geladen. Daran wollen auch Bundespräsident Steinmeier und Bundeskanzler Scholz teilnehmen.
    In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gingen Teile der deutschen Bevölkerung, koordiniert von den Nationalsozialisten, mit brutaler Gewalt gegen Juden vor. Sie ermordeten zahlreiche Menschen, brannten Synagogen nieder und verwüsteten tausende Geschäfte und Wohnungen.

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    Diese Nachricht wurde am 07.11.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.