
„Ich könnte stundenlang mich nachts in den gestirnten Himmel vertiefen, weil mir diese Unendlichkeit ferner flammender Welten wie ein Band zwischen diesem und dem künftigen Dasein erscheint.“
Dieses Zitat von Wilhelm von Humboldt leitet die Todesanzeige für Freimut Börngen ein.
Der Astronom aus Halle an der Saale starb im Juni im Alter von 90 Jahren. Zeitlebens hat er sich in den gestirnten Himmel vertieft – vor allem mit dem Zwei-Meter-Teleskop des Karl-Schwarzschild-Observatoriums nahe Tautenburg bei Jena.
Seit 1960 war Freimut Börngen dort tätig. Er beobachtete zumeist Galaxien. Immer wieder zeigten sich zufällig unbekannte Asteroiden im Vordergrund.
Freimut Börngen spürte über 500 dieser Objekte auf, musste die Bahndaten aber in seiner Freizeit ausmessen, weil das Erfassen von Asteroiden den Vorgesetzten als wissenschaftlich unsinnig erschien.
In der Tat sind astrophysikalische Fragen wie die Galaxienentwicklung bedeutender, aber Freimut Börngen konnte die Asteroiden auch nicht einfach ignorieren.
Bei der Benennung dieser Körper war er sehr kreativ. Er hat Tautenburg, Weimar und Haydn an den Himmel gesetzt. Später wählte er viele Persönlichkeiten aus dem Widerstand gegen das NS-Regime als Namenspatrone, etwa Stauffenberg, Goerdeler, Weiße Rose und Rote Kapelle.
Auch Freimut Börngen kreist um die Sonne: Das Objekt drei acht fünf neun, entdeckt in Arizona, heißt in internationaler Schreibweise Borngen – und erinnert an den großen Tautenburger Astronomen.