
"Auch wenn die Mehrheit bislang friedlich demonstriert hat - wütend sind viele junge Menschen. Auch in Deutschland. Wütend, dass ihre Chancen - auf eine gute Bildung, einen erträglichen Arbeitsplatz - kleiner werden. Dass sie nicht den Wohlstand ihrer Eltern erreichen werden. Und dass ihre Anliegen kaum gehört werden. Höchste Zeit, mehr miteinander zu sprechen."
Die NEUE PRESSE aus Coburg gibt zu bedenken:
"Die Perspektivlosigkeit in vielen Banlieues, die Stigmatisierung durch die Polizei oder Arbeitgeber, die Bewerber mit arabisch klingenden Namen oder aus bestimmten Wohnorten vorab aussortieren, wird seit Jahrzehnten hingenommen. Nirgendwo wird das Versprechen der Gleichheit aller häufiger gebrochen."
Die TAZ weitet angesichts der Proteste den Blick:
"Der polnische Regierungschef Tusk und Ungarns Ministerpräsident Magyar nutzen die Unruhen in Frankreich, um Stimmung gegen Einwanderer und Migranten im eigenen Land zu machen. Die Gefahr ist groß, dass die berechtigen Anliegen der Schüler, Studenten und Gewerkschaften in dieser gefährlich aufgeheizten Gemengelage untergehen."
Der CICERO ist ganz anderer Meinung:
"Diese Gewaltausbrüche sind ein Vorgeschmack auf das, was auf ganz Europa und den Westen wartet, wenn die Schwächung und Auflösung der Bindekräfte westlicher Gesellschaften voranschreitet, an der tonangebende Teile der Eliten innerhalb des Westens mit postkolonialem Eifer arbeiten."
Der TAGESSPIEGEL aus Berlin kommentiert das Sondierungspapier von Linken, SPD und Grünen in Berlin und eine mögliche Vergesellschaftung von Wohnungen:
"Vorsicht mit Superlativen – an dieser Stelle ist jedoch einer angebracht: Der Linkspartei in Berlin ist etwas Historisches gelungen. Erstmals seit Gründung der Bundesrepublik haben sich Parteien, die eine Landesregierung bilden wollen, darauf verständigt, den Artikel 15 im Grundgesetz anzuwenden. Doch so groß der Erfolg ist, so groß ist jetzt auch die Fallhöhe für die Partei. Nicht wenige Berlinerinnen und Berliner dürften mit der Vergesellschaftung die Erwartung verbinden, dass nun schnell ihre eigene Miete sinkt. Richtig ist, dass sie im besten Fall weniger stark ansteigen würde."
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER bemerkt:
"Berlin bräuchte eine Regierung, die pragmatisch, unideologisch und konsequent die vielen Probleme der Hauptstadt anpackt. Ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD wäre das Gegenteil davon. Trotz aller Beteuerungen bleiben Teile der Linkspartei in Berlin antisemitisch. Trotz aller symbolischen Distanzierung bleiben Verbindungen ins Clan-Milieu bestehen. Berlin hat Besseres verdient."
