Jürgen Liminski: Die Woche der Gipfel ist noch nicht zu Ende, jetzt geht es noch um Sicherheitsfragen, um Außenpolitik, aber die Begegnungen zur Finanzkrise, zur Wirtschaftskrise haben stattgefunden und man wird sich in diesen Tagen mit den Ergebnissen noch beschäftigen. Eine Frage aber bleibt uns, und die kann vielleicht zum Nachdenken auch an diesem Wochenende anregen: Wie kommen wir nachhaltig aus der Krise heraus? Welche Mittel haben wir außerhalb der engeren Instrumente des Finanzmarktes, um weiterhin führend im Konzert der Weltwirtschaft eine Geige in der ersten Reihe zu spielen? Es muss ja nicht immer die erste Geige sein. Unsere Ressource ist die Bildung, ist das Wissen, das sagen alle. Aber wird auch entsprechend etwas dafür getan? Sind die Schulen mittlerweile mit Computern ausgestattet? Wird das Know-how der Experten von der Politik abgerufen? Einen dieser Experten haben wir nun am Telefon. Es ist der Deutschland-Chef der Aastra-DeTeWe-Gruppe, Andreas Latzel. Guten Tag, Herr Latzel!
Andreas Latzel: Guten Tag, Herr Liminski!
Liminski: Herr Latzel, Sie sind im Geschäft mit Kommunikationstechnologie tätig, mit dem Wissen von morgen sozusagen. Wird dieses Wissen überhaupt von der Politik in Anspruch genommen, wird es abgerufen? Denn daran entscheidet sich ja auch zu einem großen Teil die Wettbewerbsfähigkeit dieser Republik.
Latzel: Ja, glücklicherweise wird das Wissen abgerufen, und wir haben in der Vergangenheit sehr positive Erfahrungen gemacht. Ich möchte Ihnen als Beispiel ein Projekt nennen, das das Bundesfamilienministerium initiiert hat. Dabei geht es um das Thema Altenpflege und da insbesondere darum, was Technik in der Altenpflege bewirken kann. Das Projekte hat den Namen "Das intelligente Heim" und hatte den Ansatz, einfach übergreifend zu schauen, an welchen Stellen wirklich nachhaltig auch mit dem Einsatz von Technologie die Pflege verbessert werden kann. Wir haben daran teilgenommen und haben eine Lösung vorgestellt, die das Thema Pflegedokumentationen im Schwerpunkt hat. Und ich glaube, die meisten Menschen wissen, dass Qualität in der Pflege - das ist ja auch in der Vergangenheit öfters durch die Presse gegangen - inzwischen eine ganz, ganz wichtige Rolle spielt. Dazu kommt, dass diese Qualität natürlich auch irgendwo dokumentiert werden soll, und Sie wissen, dass insbesondere im medizinischen Umfeld der Einsatz von Technologie hilft, in der Vergangenheit aber in der Regel nicht so stark ausgeprägt war. In der Pflegedokumentation speziell hat man noch ganz, ganz viel mit Papier gearbeitet. Wenn man dann weiß, dass die Personalressourcen in der Altenpflege natürlich auch knapp bemessen sind, dann ist ein Großteil der Arbeitszeit auch für das Dokumentieren von erbrachten Leistungen verwendet worden. Und hier ganz speziell hat Aastra einen Weg beschrieben, der den Einsatz von Kommunikationstechnologie, insbesondere auch das Thema Sprache, nutzbar macht, um viel Zeit zu sparen und damit letzten Endes mehr Zeit für die Pflege der Menschen zu haben.
Liminski: Das ist ein Beispiel, das Sie nennen, Herr Latzel. Das DIW hat untersucht, wo der Standort Deutschland den größten Investitionsbedarf hat, wo sich die Investitionen am meisten rentieren würden. Und dieses optimale Investitionsprogramm hat man dann mit dem Konjunkturprogramm verglichen, und heraus kam, dass doch eine große Lücke klaffe zwischen den wirklichen Bedürfnissen im Bereich der Bildung und der Internet-Infrastruktur und in geplanten Investitionen. Frage also: Wird Ihre Branche gebraucht, etwa bei der Ausstattung der Schulen mit Computern?
Latzel: Ich denke, unsere Branche wird tatsächlich gebraucht, und ich denke, der Ansatz, wirklich ganz früh anzufangen und Technologie, Kommunikationstechnologie und Internet den Menschen zu einem frühen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen, der ist ganz wichtig. Weil ich denke, das Nutzen der Technologie ist ein echter Wettbewerbsvorteil, wenn es später darum geht, auch sinnvoll Prozesse auf dieser Technologie abzubessern, die Nachhaltigkeit erzeugen.
Liminski: Aber werden denn die Schulen auch wirklich ausgestattet mit Computern?
Latzel: Das kann ich Ihnen im Detail nicht sagen. Ich erlebe es in Einzelfällen natürlich, in denen wir involviert sind, und ich erlebe es natürlich nicht in der Breite, denn ich bin zu wenig im Bereich der öffentlichen Bildungsinfrastruktur persönlich unterwegs, um da ein objektives Urteil geben zu können.
Liminski: Für wie entwickelt halten Sie denn den Hochschulbereich bei der Informations- und Kommunikationstechnik?
Latzel: Ich glaube, da könnte man noch eine ganze Menge bewegen. Wir arbeiten sehr eng mit einigen Hochschulen zusammen, wo übergreifendes Wissen dann letzten Endes auch in der Praxis abrufbar ist. Ich denke da zum Beispiel an die Hochschule der Künste in Berlin, wo auch wirklich Menschen umfassend sowohl das Thema Technologie als auch das Thema Design oder Anwendungsorientierung mitnehmen und daraus ganz neue mögliche Arbeitsgebiete entstehen.
Liminski: Der DIW-Chef Zimmermann hat in dieser Studie, die ich eben nannte, kritisiert, ganz global, dass dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung eine Konzeption fehle. Geldverschwendung sei programmiert, sagte er wörtlich. Teilen Sie denn diese globale Kritik?
Latzel: Nein, ich teile sie nicht vollumfänglich. Es gibt sicher Aspekte, wo es sinnvoll ist, diese Kritik anzuwenden, aber ich denke, dass im Konjunkturprogramm auch Aspekte enthalten sind, die auf Nachhaltigkeit, auf Kommunikationsinfrastruktur zielen, und ich glaube, da kann eine ganze Menge bewegt werden.
Liminski: Thema Bildung und Kommunikation, es wird etwas getan, es gibt aber noch viel zu tun. Was denn, Herr Latzel, ganz konkret, was würden Sie da vorschlagen?
Latzel: Also ich denke, dass zunächst es wichtig ist, dass ein Zugriff auf die Infrastruktur, die heute aktuell ist, letzten Endes auf eine Breitbandkommunikation sinnvoll, auch in Gebiete kommt, die vielleicht heute noch vernachlässigt sind. Ich glaube, ebenso wie jeder Ort mit einer Straße erschlossen wird oder schon erschlossen ist, sollte Breitbandkommunikation wirklich jedem zugänglich sein. Das ist eine Infrastrukturaufgabe. Und im gleichen Maße, denke ich, sollten Kommunikationsmittel, die heute im privaten Bereich völlig normal sind - Internetnutzung ist völlig normal - auch im Bereich Bildung Einzug halten.
Liminski: Es gibt noch viel zu tun. Das war der Deutschland-Chef von Aastra DeTeWe, Andreas Latzel, hier im Deutschlandfunk. Besten Dank fürs Gespräch, Herr Latzel!
Latzel: Sehr gerne!
Andreas Latzel: Guten Tag, Herr Liminski!
Liminski: Herr Latzel, Sie sind im Geschäft mit Kommunikationstechnologie tätig, mit dem Wissen von morgen sozusagen. Wird dieses Wissen überhaupt von der Politik in Anspruch genommen, wird es abgerufen? Denn daran entscheidet sich ja auch zu einem großen Teil die Wettbewerbsfähigkeit dieser Republik.
Latzel: Ja, glücklicherweise wird das Wissen abgerufen, und wir haben in der Vergangenheit sehr positive Erfahrungen gemacht. Ich möchte Ihnen als Beispiel ein Projekt nennen, das das Bundesfamilienministerium initiiert hat. Dabei geht es um das Thema Altenpflege und da insbesondere darum, was Technik in der Altenpflege bewirken kann. Das Projekte hat den Namen "Das intelligente Heim" und hatte den Ansatz, einfach übergreifend zu schauen, an welchen Stellen wirklich nachhaltig auch mit dem Einsatz von Technologie die Pflege verbessert werden kann. Wir haben daran teilgenommen und haben eine Lösung vorgestellt, die das Thema Pflegedokumentationen im Schwerpunkt hat. Und ich glaube, die meisten Menschen wissen, dass Qualität in der Pflege - das ist ja auch in der Vergangenheit öfters durch die Presse gegangen - inzwischen eine ganz, ganz wichtige Rolle spielt. Dazu kommt, dass diese Qualität natürlich auch irgendwo dokumentiert werden soll, und Sie wissen, dass insbesondere im medizinischen Umfeld der Einsatz von Technologie hilft, in der Vergangenheit aber in der Regel nicht so stark ausgeprägt war. In der Pflegedokumentation speziell hat man noch ganz, ganz viel mit Papier gearbeitet. Wenn man dann weiß, dass die Personalressourcen in der Altenpflege natürlich auch knapp bemessen sind, dann ist ein Großteil der Arbeitszeit auch für das Dokumentieren von erbrachten Leistungen verwendet worden. Und hier ganz speziell hat Aastra einen Weg beschrieben, der den Einsatz von Kommunikationstechnologie, insbesondere auch das Thema Sprache, nutzbar macht, um viel Zeit zu sparen und damit letzten Endes mehr Zeit für die Pflege der Menschen zu haben.
Liminski: Das ist ein Beispiel, das Sie nennen, Herr Latzel. Das DIW hat untersucht, wo der Standort Deutschland den größten Investitionsbedarf hat, wo sich die Investitionen am meisten rentieren würden. Und dieses optimale Investitionsprogramm hat man dann mit dem Konjunkturprogramm verglichen, und heraus kam, dass doch eine große Lücke klaffe zwischen den wirklichen Bedürfnissen im Bereich der Bildung und der Internet-Infrastruktur und in geplanten Investitionen. Frage also: Wird Ihre Branche gebraucht, etwa bei der Ausstattung der Schulen mit Computern?
Latzel: Ich denke, unsere Branche wird tatsächlich gebraucht, und ich denke, der Ansatz, wirklich ganz früh anzufangen und Technologie, Kommunikationstechnologie und Internet den Menschen zu einem frühen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen, der ist ganz wichtig. Weil ich denke, das Nutzen der Technologie ist ein echter Wettbewerbsvorteil, wenn es später darum geht, auch sinnvoll Prozesse auf dieser Technologie abzubessern, die Nachhaltigkeit erzeugen.
Liminski: Aber werden denn die Schulen auch wirklich ausgestattet mit Computern?
Latzel: Das kann ich Ihnen im Detail nicht sagen. Ich erlebe es in Einzelfällen natürlich, in denen wir involviert sind, und ich erlebe es natürlich nicht in der Breite, denn ich bin zu wenig im Bereich der öffentlichen Bildungsinfrastruktur persönlich unterwegs, um da ein objektives Urteil geben zu können.
Liminski: Für wie entwickelt halten Sie denn den Hochschulbereich bei der Informations- und Kommunikationstechnik?
Latzel: Ich glaube, da könnte man noch eine ganze Menge bewegen. Wir arbeiten sehr eng mit einigen Hochschulen zusammen, wo übergreifendes Wissen dann letzten Endes auch in der Praxis abrufbar ist. Ich denke da zum Beispiel an die Hochschule der Künste in Berlin, wo auch wirklich Menschen umfassend sowohl das Thema Technologie als auch das Thema Design oder Anwendungsorientierung mitnehmen und daraus ganz neue mögliche Arbeitsgebiete entstehen.
Liminski: Der DIW-Chef Zimmermann hat in dieser Studie, die ich eben nannte, kritisiert, ganz global, dass dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung eine Konzeption fehle. Geldverschwendung sei programmiert, sagte er wörtlich. Teilen Sie denn diese globale Kritik?
Latzel: Nein, ich teile sie nicht vollumfänglich. Es gibt sicher Aspekte, wo es sinnvoll ist, diese Kritik anzuwenden, aber ich denke, dass im Konjunkturprogramm auch Aspekte enthalten sind, die auf Nachhaltigkeit, auf Kommunikationsinfrastruktur zielen, und ich glaube, da kann eine ganze Menge bewegt werden.
Liminski: Thema Bildung und Kommunikation, es wird etwas getan, es gibt aber noch viel zu tun. Was denn, Herr Latzel, ganz konkret, was würden Sie da vorschlagen?
Latzel: Also ich denke, dass zunächst es wichtig ist, dass ein Zugriff auf die Infrastruktur, die heute aktuell ist, letzten Endes auf eine Breitbandkommunikation sinnvoll, auch in Gebiete kommt, die vielleicht heute noch vernachlässigt sind. Ich glaube, ebenso wie jeder Ort mit einer Straße erschlossen wird oder schon erschlossen ist, sollte Breitbandkommunikation wirklich jedem zugänglich sein. Das ist eine Infrastrukturaufgabe. Und im gleichen Maße, denke ich, sollten Kommunikationsmittel, die heute im privaten Bereich völlig normal sind - Internetnutzung ist völlig normal - auch im Bereich Bildung Einzug halten.
Liminski: Es gibt noch viel zu tun. Das war der Deutschland-Chef von Aastra DeTeWe, Andreas Latzel, hier im Deutschlandfunk. Besten Dank fürs Gespräch, Herr Latzel!
Latzel: Sehr gerne!