
Julia Klöckner (CDU)
Klöckner war von 2018 bis 2021 Bundeslandwirtschaftsministerin. In ihre Amtszeit fällt unter anderem die Einführung des Tötungsverbots männlicher Küken sowie der Nährwertampel Nutri-Score. Von 2022 bis kurz vor der konstituierenden Sitzung des Bundestags war Klöckner als Schatzmeisterin für die Finanzen der CDU zuständig. Sie war zuletzt außerdem wirtschaftspolitische Sprecherin der Unionsfraktion. Gegen Klöckner wurde von verschiedener Seite Kritik erhoben. Neben Äußerungen, die als populistisch gewertet wurden, warf man ihr unter anderem ein Video mit der Firma Nestlè vor, das als versteckte Werbung gewertet wurde. Lobbycontrol machte auf mögliche Interessenkonflikte wegen ihrer Rolle als CDU-Schatzmeisterin aufmerksam, da sie als Bundestagspräsidentin auch für die Kontrolle der Parteifinanzen zuständig ist.
Klöckner stammt aus Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. 2002 zog sie mit 29 Jahren erstmals als Abgeordnete in den Bundestag ein. 2011 kehrte sie in die rheinland-pfälzische Landespolitik zurück. Zwei Mal trat sie als Spitzenkandidatin der CDU bei Landtagswahlen an, unterlag aber jeweils der SPD.
Die 52-Jährige Klöckner ist die vierte Frau an der Spitze des Bundestags. Es ist protokollarisch das zweithöchste Staatsamt nach dem Bundespräsidenten.
Andrea Lindholz (CSU)
Die CSU-Innenpolitikerin Andrea Lindholz war in der Unionsfraktion ohne Gegenstimme für einen Vizeposten im Bundestagspräsidium nominiert worden. Auf sie entfielen 425 Ja-Stimmen. Die 54 Jahre alte Juristin war zuletzt stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Die CSU-Politikerin aus dem Wahlkreis Aschaffenburg gehörte in der zurückliegenden Wahlperiode dem Parlamentarischen Kontrollgremium an, das geheim tagt und für die Kontrolle der Nachrichtendienste verantwortlich ist. In den laufenden Koalitionsverhandlungen kümmert sich Lindholz um die Themen innere Sicherheit, Recht und Migration.
Josephine Ortleb (SPD)
Für die SPD-Fraktion übernimmt die bisherige Parlamentarische Geschäftsführerin Josephine Ortleb den Posten als Bundestagsvizepräsidentin (434 Ja-Stimmen). Die 38-jährige Saarbrückerin gehört dem Bundestag seit 2017 an. Die gelernte Fachwirtin für Gastronomie zählte bislang zu den eher weniger bekannten Abgeordneten - aber zu den erfolgreichen. Sie holte in ihrem Wahlkreis dreimal in Folge das Direktmandat, 2021 gegen die frühere Verteidigungsministerin und damalige CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer.
Omid Nouripour (Grüne)
Der frühere Parteichef Omid Nouripour übernimmt für die Grünen den Vizeposten (432 Ja-Stimmen). Es gab einen fraktionsinternen Wettbewerb: Der 49-Jährige setzte sich gegen die bisherige Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt durch, die gern weitermachen wollte. Auch Claudia Roth hatte kandidiert, die bereits von 2013 bis 2021 Vizepräsidentin gewesen war. Nouripour gehört dem Bundestag seit 2006 an und hat sich einen Namen als Außen- und Sicherheitspolitiker gemacht.
Bodo Ramelow (Linke)
Die Linke hat bereits vor zwei Wochen den früheren thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow für den Posten ausgewählt. Er übertraf das nötige Quorum für seine Wahl (316 Stimmen) nur knapp mit 318 Ja-Stimmen. Ramelow war von Dezember 2014 bis Dezember 2024 mit wenigen Wochen Unterbrechung Ministerpräsident in Thüringen. Im Bundestag saß er bereits von 2005 bis 2009. Der 69-Jährige soll die Nachfolge der Linken-Politikerin Petra Pau antreten, die fast 20 Jahre lang Vizepräsidentin des Bundestags war und auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte.
AfD bleibt weiter außen vor
Bei der AfD hatten gleich fünf Männer Interesse an einer Kandidatur bekundet: Malte Kaufmann, Michael Kaufmann, Jochen Haug, Gerold Otten und Karsten Hilse. Angetreten ist Otten. Er scheiterte in drei Wahlgängen mit 185, 190 und 184 Ja-Stimmen; die AfD-Fraktion verfügt über 152 Sitze. Der 69 Jahre alte frühere Bundeswehr-Offizier kandidierte 2023 schon einmal für den Vizepräsidentenposten. Wie damals scheiterte er aber - so wie bislang alle AfD-Bewerber für dieses Amt seit dem Einzug der Partei in den Bundestag 2017. Die anderen Parteien hatten sich mehrheitlich dafür entschieden, keinen AfD-Politiker zu wählen.
Geschäftsordnung sieht Vizepräsidenten für jede Fraktion vor
In Paragraf 1 der Geschäftsordnung des Bundestages ist festgelegt: "Jede Fraktion des Deutschen Bundestages ist durch mindestens einen Vizepräsidenten oder eine Vizepräsidentin im Präsidium vertreten." Darauf beruft sich die AfD bei ihrer Forderung, einen solchen Posten zu bekommen. In diesem Paragrafen der Geschäftsordnung steht aber auch: "Gewählt ist, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages erhält." Daran ist bislang die Wahl eines Vertreters oder einer Vertreterin der AfD immer gescheitert.
Präsidium mit wichtigen Aufgaben
Die Bundestagspräsidentin oder der Bundestagspräsident repräsentiert den Bundestag und damit die Legislative. Protokollarisch bekleidet er nach dem Bundespräsidenten das zweithöchste Amt im Staat – vor dem Bundeskanzler und dem Bundesratspräsidenten.
Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Leitung der Parlamentssitzungen. Die Bundestagspräsidentin oder der Bundestagspräsident eröffnet und schließt die Sitzungen, ruft die Tagesordnungspunkte auf und erteilt den Rednerinnen und Rednern das Wort. Dabei muss für die Einhaltung der parlamentarischen Ordnung während der Sitzungen gesorgt werden - beispielsweise durch die Ermahnung von Abgeordneten. Die Bundestagspräsidentin oder der Bundestagspräsident kann Abgeordneten das Wort entziehen und sie sogar bis zu 30 Sitzungstage von Plenar- und Ausschusssitzungen ausschließen.
Bundestagspräsidium ohne Ostdeutsche - Kritik der Grünen
Die Grünen-Politiker Piechotta kritisierte die fehlende Vertretung von Ostdeutschen im neuen Bundestagspräsidium. Einmal mehr seien Ostdeutsche in den zentralen Institutionen der Bundesrepublik unterrepräsentiert.
Das alte Bundestagspräsidium um Bärbel Bas
Im bisherigen Bundestag waren neben Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) die Politiker Aydan Özoğuz (SPD), Yvonne Magwas (CDU), Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), Wolfgang Kubicki (FDP) und Petra Pau (Die Linke) die Stellvertreter.
Diese Nachricht wurde am 25.03.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.