Walter Legge hatte sich ein klug gespanntes Netz an Kontakten aufgebaut, war umtriebig und federführend, als sich im Jahr 1931 "His Master’s Voice" und andere Labels unter dem Namen "EMI" zusammenschlossen. Der vor dem Grammophon lauschende Hund wurde zum Markenzeichen einer Erfolgsgeschichte, und Legge etablierte sich als einer der führenden Produzenten der Vor- und Nachkriegszeit.
Allerdings: "Der Legge war einer, der immer alles besser wusste und der allen hineingeredet hat", kritisierte die Sängerin Martha Mödl einmal. Vielleicht hilft diese Durchsetzungsfähigkeit rückblickend, Legges Erfolg zu erklären.
Rund 3500 Aufnahmen hat er produziert, mit dem Philharmonia Orchestra London schuf er sich einen eigenen Klangkörper, der ihm half, seine Vorstellungen umzusetzen. Dabei sah er sich stets als "Hebamme der Musik", Karajan nannte ihn sein "zweites musikalisches Ich."
Aber die wichtigste Aufgabe war für Legge trotzdem immer: "Platten zu verkaufen".
2013 wurde EMI classics an die Warner Music Group verkauft. Neunzig Jahre nach der Gründung des Labels stellt sich die Frage, welche Strukturen heute den Markt prägen und ob es für Produzenten wie Walter Legge im 21. Jahrhundert überhaupt noch einen Platz gäbe.