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Der Tiger im Chip

Seit vergangenen Freitag ist der Tiger ist los, rührt Apple für sein neues Betriebssystem Mac OS X 10.4 die Werbetrommel. Dank seiner Unix-Wurzeln gilt "Tiger" als sehr stabil und viele nützliche Details machen die Bedienung des Desktop-Betriebssystems zum Genuss.

Von Wolfgang Nitschke |
    Natürlich hört man nur Superlative aus dem Hause Apple und die ein oder andere ironische Bemerkung, wie viel mehr Arbeit die armen Menschen sich machen, die mit Windows-Betriebssystemen arbeiten. Tiger – so beschreibt der Hersteller seine jüngsten Spross – sei das wohl innovativste und sicherste Desktop-Betriebssystem, Bahn brechend dank neuer Features, die die Art und Weise verändern würden, wie man mit Computern umgehen werde. Auch wenn Tiger sicher nicht ganz so revolutionär und toll ist, wie Apple verkündet – ein Betriebssystem der Extraklasse ist er aber sicher doch. Wie bei Apple üblich sehr einfach zu bedienen und sehr stabil, dank seiner Wurzeln. Rainer Oberbeckmann von Apple.

    "Die Grundlage von Mac OS 10 Tiger ist Unix. Wir haben ein sehr modernes Unix als Fundament. Und Unix-Anwender fühlen sich mit Mac OS 10 Tiger gleich Zuhause. Ich habe die Terminal-Umgebung und ich habe verschiedene Unix-Shells, auch die Einbindung in heterogene Netzwerke. Ich kann auf Server verschiedenster Arten - Unix Server, Windows-Server – sofort zugreifen, einmal direkt aus der Unix-Umgebung heraus, aber natürlich auch aus der gewohnten Mac OS 10 Benutzeroberfläche."

    Und auf der befinden sich einige Neuheiten. Die meisten der 200 neuen Features sind zwar Kleinigkeiten im Detail, die viele Anwender gar nicht bemerken werden – aber beispielsweise Spotlight, welches rechts oben in der Ecke angeordnet ist, fällt auf.

    "Spotlight ist eine integrierte Suche auf Systemebene, wo ich meine Dokumente und meine Dateien auf dem System blitzschnell finden kann, nach Kriterien sortiert bekomme. Ich habe also sofort ein ganz übersichtlich dargestelltes Ergebnis. Und Spotlight hat auch den Vorteil, dadurch dass es im System integriert ist, dass es die Suchergebnisse sofort an andere Applikationen weitergeben kann."

    Man sucht beispielsweise mit Spotlight nach dem Begriff "München". Neben Texten und E-Mails findet die Suchmaschine unter den Daten auf dem Rechner selbst eine Landkarte oder ein Foto, auf dem der Suchbegriff auftaucht. Nach dem Öffnen des Dokumentes wird dieser deutlich markiert angezeigt. Schön ist bei Spotlight auch, dass man sich die Suchergebnisse nach den unterschiedlichsten Kriterien sortieren lassen kann, weil die Metadaten aller Dokumente gespeichert werden. Ist man sich sicher, dass man das gesuchte Dokument von einer bestimmten Person bekommen hat, sortiert man nach Namen, weiß man den Monat, sortiert man nach Datum und wenn man den Dateityp kennt, lässt man sich halt die "pdf" oder "mp3"-Dateien anzeigen. Ebenfalls praktisch, aber auch ein wenig Spielerei ist Dashboard – das zweite ganz auffällige Tool im Tiger.

    "Dashboard ist eine neue Ebene, die sich über den Bildschirm legt, über all das, was sich an Fenstern auf dem Bildschirm geöffnet habe. Ich habe dort so genannte Widgets. Widgets sind kleine Helferlein, die mir Informationen geben. Z. B. über Börsenkurse, über das aktuelle Wetter in einem Reiseort, wo ich hinfahren möchte, ich habe einen Taschenrechner dort, ich habe Notizzettel, ich habe Flugdaten, alle Arten von Informationen, auf die ich mal eben ganz schnell und kurz zugreifen möchte indem ich einen einzigen Tastendruck tätige. Dann kommen diese Widgets auf meinen Schirm, ich schaue meine Informationen nach, und mit dem gleichen Tastendruck verschwinden Sie auch wieder und ich bin exakt an der Stelle wo ich weiterarbeiten kann."

    14 Widgets werden mitgeliefert – man kann sich Gallonen in Liter umrechnen lassen oder Dollar in Euro, Meilen in Kilometer. Wer will, kann sich die Uhrzeit in Tokio anzeigen lassen oder das Wetter in Australien, die Börsenkurs aus Moskau. Apple ist sich sicher, dass es nicht lange dauern wird, bis hunderte oder tausende solcher Widgets im Internet zum Download bereitstehen, denn solche Helfer zu programmieren soll auch ein wenig der Fun-Faktor am neuen Betriebssystem sein. Eine dritte wirklich gute Sache ist der Automator, mit dem man immer wiederkehrende Schritte vereinfachen kann. Man speichert die Fotos von der Digitalkamera auf dem Rechner, muss sie komprimieren, mit Wasserzeichen versehen und per Mail versenden. Unter Windows Handarbeit. Beim Tiger macht man das einmal mit Automator und zukünftig reicht ein Mausklick. Eigentlich schade, dass man all diese Funktionen mit 95 Prozent aller PCs nicht haben kann – denn man braucht einen MAC, um sie zu nutzen und das soll auch in Zukunft so bleiben. Ein Betriebssystem, welches man auf jedem Rechner installieren kann, ist bei Apple nicht geplant.