29. UNO-Klimakonferenz
Deutschland drängt auf größeren Beitrag von Schwellenländern

Bei der UNO-Klimakonferenz COP29 beraten von heute an Vertreter von knapp 200 Staaten über Maßnahmen gegen den Klimawandel. Im Mittelpunkt stehen dabei neue Finanzzusagen an arme Länder. Bereits im Vorfeld des Treffens in Aserbaidschan wiesen Politiker und Wissenschaftler auf dringend erforderliche Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel hin.

    Mukhtar Babayev, COP-29-Präsident, spricht auf der Eröffnung der Weltklimakonferenz in Baku, Aserbaidschan.
    Der Leiter der Weltklimakonferenz COP 29, Babayev (AP/dpa/Peter Dejong)
    Entwicklungsstaaten und Umweltorganisationen erwarten, dass die Industrieländer jährlich mindestens eine Billion US-Dollar mobilisieren. Zur Finanzierung wird über Vermögenssteuern für Reiche oder Abgaben auf die Förderung von Kohle, Öl und Gas nachgedacht.
    Deutschland und andere Industriestaaten mahnen außerdem an, dass sich künftig auch Schwellenländer an der Finanzierung beteiligen. Die Beauftragte für internationale Klimapolitik im Auswärtigen Amt, Morgan, nannte China, Saudi-Arabien, Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Wer eine globale Führungsrolle anstrebe, könne sich auch bei der Klimafinanzierung nicht länger verstecken, sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

    Bundesregierung warnt vor Resignation

    Außenministerin Baerbock erklärte bereits vor Beginn des Treffens, alle Länder, die es sich leisten könnten, seien nun gefragt. Bundesentwicklungsministerin Schulze warnte vor Resignation im Kampf gegen den Klimawandel. Jedes vermiedene Zehntelgrad Erwärmung zähle, weil es die Dürren, Fluten und Hitzewellen der Zukunft abmildere, sagte Schulze den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
    Wissenschaftler gehen nach den Worten der Ministerin davon aus, dass das angestrebte 1,5-Grad-Ziel möglicherweise kurzfristig überschritten wird. Langfristig könne es nur eingehalten werden, wenn die Menschheit damit beginne, CO2 wieder aus der Atmosphäre zu entnehmen, betonte Schulze. Es müsse in allen Ländern sichtbare Fortschritte geben.

    Klimaforscher: "Selbst 3-Grad-Ziel gefährdet"

    Der Klimaforscher Mojib Latif Latif geht nicht davon aus, dass das ausgegebene Ziel, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 Grad, möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen, och realistisch ist. Der Professor am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel sagte der "Rhein-Neckar-Zeitung" aus Heidelberg, der Wert sei in den vergangenen Jahren immer wieder gerissen worden. Es habe daher etwas von Realitätsverweigerung, wenn man immer noch diesen Zielwert beschwöre. Selbst eine Begrenzung auf drei Grad sei gefährdet, sofern nicht schleunigst drastische Maßnahmen ergriffen würden.
    Die Erklärungen der letzten Weltklimakonferenzen vermitteln laut Latif den Willen dazu nicht. Nach 28 vorangegangenen Treffen sei immer noch kein Durchbruch erzielt worden. Auch bei der COP29 würden nur Symptome der Krise kuriert anstatt zu handeln. Dennoch sei es positiv zu sehen, dass die Konferenzen zumindest das Thema in die Öffentlichkeit rückten. Den eigentlichen Zweck erfüllten sie aber nicht.

    Taliban wollen Delegation nach Baku entsenden

    Die islamistischen Taliban kündigten erstmals seit der Machtübernahme in Afghanistan im August 2021 die Teilnahme an der Klimakonferenz an. Man werde eine Delegation nach Baku entsenden, heißt es in einer Mitteilung. Das Land am Hindukusch bekommt die Erderwärmung nach Einschätzung von Experten unter anderem in Form von Fluten, Dürren und fortschreitender Wüstenbildung zu spüren.
    Afghanistan zählt laut UNO-Entwicklungsprogramm zu den zwölf ärmsten Ländern der Welt. Die herrschenden Taliban sind insbesondere wegen ihrer Missachtung von Menschen- und vor allem Frauenrechten international isoliert.
    Diese Nachricht wurde am 11.11.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.