Institut der Deutschen Wirtschaft
"Deutschland drohen 200 Milliarden Euro Kosten durch US-Zollpläne"

Die Zollpläne von US-Präsident Trump könnten für Deutschland in den nächsten vier Jahren Kosten in Höhe von 200 Milliarden Euro verursachen. Das geht aus Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln hervor.

    Das Institut der deutschen Wirtschaft IW am Konrad-Adenauer-Ufer in Köln
    Das Institut der deutschen Wirtschaft berechnet Zoll-Folgekosten von 200 Milliarden Euro für Deutschland (Archivbild). (picture alliance / Goldmann )
    Das Bruttoinlandsprodukt läge dann im Jahr 2028 um etwa anderthalb Prozent niedriger als ohne Zölle, heißt es in einer Studie. Für die Europäische Union könnte sich der Schaden auf etwa 750 Milliarden Euro summieren.

    Sorge vor weiterer Eskalationsstufe

    Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen, BGA, sieht eine große Verunsicherung bei den Unternehmen. BGA-Hauptgeschäftsführer Finkelnburg sagte im Deutschlandfunk, besonders betroffen von den angekündigten Zöllen seien die Auto-, die Chemie- und die Pharmabranche. Man rechne mit einer weiteren Eskalationsstufe, da es auf europäischer Ebene Gegenzölle geben werde. Einen Handelskrieg könne jedoch niemand gewinnen.
    Nach Ansicht der Deutschen Industrie- und Handelskammer sollte die Europäische Union nun vor allem geschlossen vorgehen und verhandlungsbereit bleiben. Der Außenwirtschaftschef der DIHK, Treier, erklärte, auf das amerikanische Vorgehen sollte man nicht impulsiv, sondern entschieden und mit Weitsicht reagieren.
    DIW-Präsident Fratzscher empfahl, nun die US-Techkonzerne ins Visier zu nehmen. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für die EU, endlich gegen den Marktmissbrauch einiger mächtiger Digitalkonzerne vorzugehen. Dies sollte mit einer fairen Besteuerung in Europa und der Einhaltung europäischer Regeln geschehen, betonte Fratzscher.
    Die Präsidentin des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie, Müller, sprach von einem fundamentalen handelspolitischen Einschnitt. Das sei kein America first, sondern ein America alone. Es gehe um eine Abkehr der USA von der regelbasierten globalen Handelsordnung. Dieser Protektionismus werde nur Verlierer produzieren. Die zu erwartenden negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum würden auch Arbeitsplätze betreffen.
    Der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, Große Entrup, sagte, es gelte nun, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die USA blieben ein zentraler Handelspartner für Deutschland. Eine Eskalationsspirale würde den Schaden nur vergrößern.

    Mögliche Produktionsverlagerung in USA

    Bereits vor der konkreten Ankündigung Trumps hatte sich der IW-Außenhandelsexperte Matthes besorgt über Auswirkungen auf Arbeitsplätze in Deutschland geäußert. Es sei zu befürchten, dass deutsche Unternehmen bei dauerhaft hohen Importabgaben Produktionen in die USA verlagerten, sagte Matthes im Deutschlandfunk.
    Besonders schädlich für Deutschlands Wirtschaft seien US-Zölle auf Autos und Pharmaprodukte, betonte der Experte des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft. Langfristig werde Trumps Zollpolitik auch negative Folgen für die Menschen in den USA haben. So würden dort etwa Autos teurer. Auch bestehe die Gefahr, dass wichtige Medikamente aus dem Ausland künftig nicht mehr in den USA zu kaufen seien.

    EU stimmt bald über Gegenmaßnahmen ab

    Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wollen am Mittwoch kommender Woche über Gegenmaßnahmen zu den US-Zöllen auf Stahl und Aluminium abstimmen. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen ranghohen EU-Vertreter. EU-Handelskommissar Sefcovic will nach eigenen Angaben morgen mit Vertretern der US-Regierung über den Zollkonflikt sprechen. Man werde ruhig und einheitlich handeln, während die Antwort unter den Mitgliedsstaaten abgestimmt werde.
    Zuvor hatte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen erklärt, man prüfe derzeit Sonderzölle auf US-Produkte. Zugleich machte sie deutlich, dass die Europäische Union weiter an einer Verhandlungslösung interessiert sei. Bundeswirtschaftsminister Habeck forderte ein konsequentes Vorgehen gegen die US-Handelspolitik. Die EU müsse Stärke und Selbstbewusstsein zeigen.

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    Diese Nachricht wurde am 03.04.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.