
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN blickt zurück auf den Kurzbesuch von US-Vizepräsident Vance in Grönland: „Ist die Bedrohung, unter der Grönland stehen soll, wirklich so groß, dass die Insel von den USA unbedingt kontrolliert, gekauft oder besetzt werden muss? Was genau die USA wollen, ist unklar. Eine Militärbasis existiert bereits und auch die Erschließung von Rohstoffvorkommen ist längst möglich. Außerdem: Auch wenn Grönland eine so wichtige Rolle für die Staatssicherheit der USA spielen würde, wie Washington behauptet, darf das kein Grund für eine Besetzung sein. Ironischerweise führten die jüngsten Aktionen der USA dazu, dass sich die Grönländer von Amerikanern stärker bedroht fühlen als von Chinesen oder Russen. Die Trump-Regierung sollte sich selbst fragen, ob ihre diplomatische Herangehensweise richtig ist“, schreibt ein Gastkommentator der NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
THE OBSERVER aus London bilanziert: „Die Lehre, die die Amerikaner aus der unglücklichen Vance-Expedition ziehen sollten, ist, dass sich Grönland nicht um ihre Ambitionen und Wünsche schert. Donald Trumps Versuch, das Land in Besitz zu nehmen, ist nur eine weitere Episode seiner seltsamen Geschichte.“
„Trump hat keine Ahnung vom Geschäft“, titelt die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG und führt aus: „Donald Trump wird hierzulande gern als jemand dargestellt, der mit den Methoden eines Geschäftsmanns Politik macht. Der inflationäre Gebrauch des Wortes ‚Deal‘, wann immer es um den amerikanischen Präsidenten geht, zeigt dies – völlig unabhängig davon, ob er über die Zukunft der Ukraine spricht, sein unverhohlenes Interesse an Grönland äußert oder Zölle auf Autos ankündigt. Doch hinter Trumps Handeln steckt ein simples Grundprinzip: Der Präsident setzt seine eigenen Vorlieben und Wünsche mit denen Amerikas gleich. Politik, Privates und Geschäftliches sind bei ihm untrennbar miteinander verwoben. Seiner eigenen Zunft, den Geschäftsleuten, erweist Trump damit einen Bärendienst. Das einst in Europa entstandene Leitbild des ‚ehrbaren Kaufmanns‘ jedenfalls könnte nicht weiter weg sein von dem Bild, das Trump abgibt“, kritisiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
Nach dem Skandal um die in einer Chat-Gruppe geteilten Angriffspläne auf Ziele im Jemen gibt ein Gastkommentator der NEW YORK TIMES folgende Empfehlungen an die Sicherheitsberater von US-Präsident Trump: „Vertrauen Sie ihren Leuten. Bewahren Sie Würde und Professionalität. Nutzen Sie sichere Kommunikationswege. Geben Sie offensichtliche Fehler zu. Schließen Sie hochrangige Militärangehörige nicht aus. Erkennen Sie, dass Sie immer ein Ziel für Spione sind. Blamieren Sie den Präsidenten und das Land nicht noch einmal. Blicken Sie sich selbst im Spiegel an: Sie bekleiden Positionen mit großer Verantwortung. Sind Sie den Aufgaben gewachsen? Wenn nicht, haben Sie die Pflicht gegenüber dem amerikanischen Volk und dem Präsidenten, dies anzuerkennen und zur Seite zu treten“, verlangt die NEW YORK TIMES von den Verantwortlichen in der US-Regierung.
In einem Gastbeitrag im Berliner TAGESSPIEGEL wird die künftige Bundesregierung aufgefordert, Europa an die geopolitische Lage anzupassen: „Die heutigen Regeln der EU wurden für eine Welt konzipiert, in der europäische Unternehmen weltweit technologisch führend waren, in der die Integration der Märkte über strategischer Autonomie stand und in der multilaterale Zusammenarbeit Stabilität und freien Handel garantierte. Diese Prämissen gelten heute nicht mehr. Europa kann nicht erfolgreich sein, wenn Deutschland an überholten Freihandelsprinzipien und der Marginalisierung von Industriepolitik festhält, während Europas Gegenspieler massiv in globale und nationale Lieferketten, industrielle Kapazitäten und technologische Vorherrschaft investieren. Die neue deutsche Regierung muss sich entscheiden: führen und die europäischen Regeln auf den Stand der Zeit bringen oder riskieren, dass Europa zu einer Arena wird, in der andere die Regeln bestimmen“, ist im TAGESSPIEGEL zu lesen.
Nun eine Stimme zur Reform der Schuldenbremse. Die WELT AM SONNTAG beschäftigt sich mit den finanziellen Belastungen von Ländern und Kommunen durch die Migration: „Die Länder werden durch ihren Anteil an den Kosten für die Flüchtlinge regelrecht erdrückt. Bayern wendete voriges Jahr 2,4 Milliarden Euro dafür auf, Hessen 1,2 Milliarden, die Hauptstadt mit ihrer Riesenunterkunft in Tegel eine Milliarde. Landräte und Bürgermeister senden seit Langem verzweifelte Hilferufe an die Bundesregierung, die unkontrollierte Migration endlich zur Chefsache zu machen und nicht mehr einfach geschehen zu lassen, als sei sie eine Naturgewalt. Sie signalisieren: Es geht nicht mehr. Nun geht es eben doch noch. Denn jetzt ist Geld da. Und so werden sich viele Länder mutmaßlich weiter durchwursteln, sich mit der wie auch immer gearteten ‚Asylwende‘ einer Regierung mit SPD-Beteiligung arrangieren und die Probleme bei Integration und innerer Sicherheit wachsen lassen. Erneut stärken dürfte diese Entwicklung die politischen Ränder“, warnt die WELT AM SONNTAG.
In Istanbul haben gestern hunderttausende Menschen für die Freilassung des inhaftierten Bürgermeisters und Oppositionspolitikers Imamoglu demonstriert. Dazu notiert die türkische CUMHURIYET: „Die Kundgebung der oppositionellen CHP hat gezeigt, dass Parteichef Özel über sich hinausgewachsen ist und dass ein neuer Akt des demokratischen Widerstands begonnen hat. Denn durch diese Aktion wurden die Grundlagen für einen friedlichen Volkswiderstand geschaffen: Gerechtigkeit und Hoffnung. Die seit 23 Jahren herrschende AKP-Regierung hat unter Erdogan den demokratischen, säkularen und sozialen Rechtsstaat zerstört. Deswegen ist Widerstand gerechtfertigt, um dieses ‚Ein-Mann-Regime‘ zu stoppen“, kommentiert CUMHURIYET aus Istanbul.
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER erläutert: „Neben Imamoglu wurden 1.900 weitere Personen ihrer Freiheit beraubt, nur weil sie mutig genug waren, dagegen zu demonstrieren oder darüber zu berichten. Darunter ist auch der schwedische Journalist Joakim Medin. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den Präsidenten beleidigt zu haben und Mitglied einer Terrororganisation zu sein. Es ist peinlich, dass Schweden bislang nicht deutlich geworden ist. Als unser NATO-Beitrittsantrag wegen Erdogan in der Luft hing, beging unsere Regierung den Fehler, sich für die Meinungsfreiheit in Schweden zu entschuldigen. Damit muss endlich Schluss sein. Ministerpräsident Kristersson muss jetzt endlich Klartext sprechen: Lasst Joakim Medin frei! Und zwar auf der Stelle“, fordert DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Zum Abschluss ein Kommentar zum Beginn des Zuckerfests, mit dem das Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan gefeiert wird. Die GULF NEWS aus Dubai erklären: „Eid Al Fitr – das Zuckerfest – erinnert die Gläubigen daran, dass sich ihr Glaube nicht nur auf Rituale beschränkt, sondern sich auch darin zeigt, wie sie andere behandeln. Der Einsatz für Einheit und Großzügigkeit innerhalb der Gemeinschaften dient als Vorbild dafür, wie Muslime jeden Tag leben sollten – indem sie sich um die Bedürftigen kümmern und ihren Segen teilen. Das Zuckerfest ist ein tiefgreifender spiritueller Meilenstein, der das Wesentliche der Lehren des Ramadan auf den Punkt bringt. Es spiegelt das Engagement eines Muslims für ein rechtschaffenes Leben wider. Das Fest ist eine Erinnerung daran, dass Selbstdisziplin, Dankbarkeit und Wohltätigkeit die Handlungen eines Gläubigen das ganze Jahr über bestimmen sollten. Eid Al Fitr bleibt ein zeitloses Leuchtfeuer des Glaubens, der Einheit und der moralischen Verantwortung in einer sich ständig verändernden Welt.“