01. April 2025
Die Wirtschaftspresseschau

Kommentiert wird die Handelspolitik der US-Regierung und deren Konsequenzen für die europäische Wirtschaft.

US-Präsident Donald Trump im Anzug mit roter Krawatte im Weißen Haus am Schreibtisch. Hinter ihm eine US-Flagge. Er gestikuliert gut gelaunt mit einer Hand.
Am Mittwoch steht der 'Tag der Befreiung' in Amerika an, von dem Präsident Trump seit Wochen spricht und an dem er ein großangelegtes Zollpaket verkünden will. (picture alliance / Sipa USA)
Der MÜNCHNER MERKUR konstatiert:
"Donald Trump geht all in: Diesen Mittwoch hat er zum 'Befreiungstag' ausgerufen. Dann will der US-Präsident den Zollhammer auf alle Handelspartner niedersausen lassen, die sich ihm widersetzen. Es ist ein Poker mit höchstem Einsatz. Durchschauen die anderen seien Bluff, lenken sie also nicht ein, könnte aus dem 'Befreiungstag' ein Tag der Katastrophe für ihn persönlich und alle Amerikaner werden. Denn die USA stehen nur noch Zentimeter vor dem Abgrund einer schweren Rezession. Und die anderen Pokerspieler am Tisch haben einen Verbündeten: die Wall Street. Seit in Washington das Chaos und die Handelskrieger regieren, sind an Amerikas Aktienbörse Billionenwerte in Rauch aufgegangen. Wenn die Mittelschicht aus Angst zwanghaft zu sparen beginnt, ist die Rezession da und das Spiel der großmäuligen Republikaner vorbei."
Das HANDELSBLATT aus Düsseldorf fragt sich:
"Wie soll Europa auf den handelspolitischen Rundumschlag eines US-Präsidenten reagieren, der sich nicht von ökonomischer Vernunft, sondern von einem selbstzerstörerischen Protektionismus leiten lässt? Die EU ist gut beraten, an ihrer bisherigen Doppelstrategie festzuhalten und gezielte Vergeltungssanktionen gegen Produkte aus den Trump-Hochburgen in den USA mit Konzessionen zu kombinieren. Das reicht jedoch nicht. Europa muss gegenüber Trump in die Offensive gehen und sollte den Handelskrieger im Weißen Haus mit dem entwaffnenden Vorschlag in Verlegenheit bringen, alle transatlantischen Zölle auf Industriegüter abzuschaffen. Die Autozölle auf null zu senken, wäre ein guter Anfang, um eine Eskalation zu vermeiden, bei der beide Seiten nur verlieren würden."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt:
"De-Risking ist das wirtschaftspolitische Modewort in einer unsicherer werdenden Welt. Es bezeichnet die Strategie, mit der sich Volkswirtschaften unabhängig von mächtigen, aber unberechenbaren Partnern machen sollen. Das klingt gut, ist aber nicht mehr als ein verbaler Baldriantropfen, der nicht wirkt, sobald sich die Welt schlagartig ändert. Offene Volkswirtschaften wie Deutschland sind keine auf Knopfdruck steuerbaren Einheiten, in denen Handelsbeziehungen auf politischen Zuruf ausgerichtet werden. Sie bestehen aus Millionen unternehmerischen Entscheidungen, die auf betriebswirtschaftlichen Chancen- und Risikoabwägungen beruhen. Der Staat kann und sollte den Managern nicht die Entscheidung abnehmen, ob sie in Amerika, China oder anderswo investieren. Es ist im Eigeninteresse der Betriebe, erfolgreich und nachhaltig zu agieren - davon profitiert am Ende die gesamte Volkswirtschaft."