Der Niederösterreicher Georg Nussbaumer verbindet seine Arbeiten für ein erweitertes musikalisches Instrumentarium mit Installationen und Aktionskunst. Für das Ganzheitliche, das da aus Fetzen der Erinnerung an den Mythos und Restmengen der Abfallwirtschaft sich fügt, erscheint ein aufgelassener Bunker kein schlechter Ort. Nussbaumer entwickelte ein Orpheus-Alphabet von A wie Kammerton a und amor bis Z wie Zungenflügel, Zinkwanne, Rinderzunge und Höllenhund Zerberus. Alte Konzertflügel wurden mit Pimmeln aufgerüstet, neben der auf Schotter gelegten Violine prangen Schweinsohr und Ochsenmaulwerkzeuge; ein Schneckenrennen erinnert an Orpheus und ein voll Brackwasser gelaufener Keller an die Flüsse der Unterwelt. Stimmgabel und Eierschneider treten ebenso als Hilfskräfte der akustischen Rauminstallation in Aktion wie die herkömmlichen Streichinstrumente. - Kunstausklänge dieser Art setzen ein höchst diszipliniertes und gutwilliges Publikum voraus.
Nicht minder die Beschallungsaktion von Manos Tsangaris in einem U-Bahn-Schacht. Großformatig geblähte, zunächst aber noch ganz dem Punktualismus der 70er Jahre verpflichtete Kammermusik setzte sich da auf dem Bahnsteig in Aktion. Dann wurde, als ginge es über den Fluss Lethe, zu einer kleinen Ausfahrt mit zwei strikt parallel geführten Stadtbahnzügen eingeladen, um wieder zu den von Tsangaris komponierten Gesängen der Orpheus-Erinnerung zurückzukehren.
Noch einmal also hat Orpheus theatralische Musik, musikalisiertes Theater animiert. Das Theater Bielefeld rückt mit seinem Projekt von Erinnerung und Vorstoß in Neuland wieder auf zu den Häusern, denen verstärkt auch überregionale Beachtung geschenkt wird.
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