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E-Sport bei Asian Games
Medaillen fürs Zocken

Bei den Asian Games im chinesischen Hangzhou sind erstmals Medaillen im E-Sport vergeben worden. Der Schritt könnte ein Vorbote für eine Eingliederung in die Olympischen Spiele sein. Immerhin ist Gaming unter jungen Menschen weltweit beliebt.

Von Felix Lill |
Vietnam tritt beim E-Sport-Wettbewerb der Asienspielen in Hangzhou gegen Usbekistan an. Vietnam (rot) entscheidet das Spiel in der zweiten Runde der Gruppe C mit 1:0 für sich.
E-Sport-Wettbewerb bei den Asienspielen (IMAGO / NurPhoto / IMAGO / CFOTO)
Auf den ersten Blick ist das Bild kaum ungewöhnlich: Fünf junge Männer stehen auf dem Podium, Medaille um den Hals, Hand auf dem Herz, die Hymne von Südkorea im Ohr. Bei den Asian Games im chinesischen Hangzhou – eine Art Olympischer Spiele für Asien – haben sie für Südkorea Gold gewonnen.
Ungewöhnlich aber ist die Aktivität, für die diese Männer in ihren weiß-blau-roten Trainingsanzügen ausgezeichnet wurden: Fürs Computerspielen, genauer gesagt: E-Sports.

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E-Sports eines der beliebtesten Events bei Asian Games

Die fünfköpfige Truppe hatte das Turnier im Online-Fantasy-Spiel „League of Legends“ für sich entschieden – und steht damit in gleicher Reihe wie andere Athleten aus Sportarten wie Taekwondo, Fechten, Modernem Fünfkampf oder Schwimmen, die ebenfalls Gold für Südkorea gewonnen haben.
Denn die Frage, ob E-Sports wirklich ein Sport ist oder eher ein kompetitiv betriebenes Hobby am Bildschirm, ist zumindest im Rahmen der Asian Games klar beantwortet worden: Hier hat E-Sports erstmals zu jenen offiziellen Disziplinen gezählt, in denen am Ende Medaillen vergeben werden.
Und das Feedback ist positiv. E-Sports hat sogar zu den beliebtesten Events gehört, wie der Sender Al Jazeera diese Tage berichtet hat: "Hangzhous 5.000-Plätze Arena für E-Sports ist an jedem Tag ausverkauft gewesen. Online haben außerdem zig Millionen Menschen zugeschaut."
Neben League of Legends sind dies Arena of Valor, Dota 2, Dream Three Kingdoms 2, EA Sports FC Online, Peacekeeper Elite und Street Fighter V. Die meisten Goldmedaillen hat Gastgeber China gewonnen, gefolgt von Südkorea und Thailand.

Computerspiele bald im Olympia-Programm?

Und das große Interesse an E-Sports bei den Asian Games stellt auch das Internationale Olympische Komitee vor die Frage, ob es die Computerspiele nicht ins Olympiaprogramm aufnehmen sollte.
„Wir können nicht weiter darauf warten, dass die jungen Menschen zu uns kommen. Wir müssen da ansetzen, wo sie sind. In der realen und in der digitalen Welt". sagt zum Beispiel IOC-Präsident Thomas Bach gegenüber dem Fernsehsender CNBC.
Seit Jahren bemüht sich das IOC, durch sein Angebot an Sportarten möglichst attraktiv für den Nachwuchs zu bleiben. Zuletzt hat das IOC daher Skateboarding und Surfen für olympisch erklärt; nächstes Jahr in Paris zählt Breakdance dazu.

"Killerspiele" widersprechen für Bach den Olympischen Werten

Gegen E-Sports spricht bisher nicht nur, dass man es sitzend vorm Bildschirm betreibt. Hinzu kommt der große Einfluss der Spieleindustrie auf die Szene und dass die Spielinhalte häufig von Gewalt handeln.
"Wir müssen das Aufkommen von E-Sports annehmen, gleichzeitig aber unsere Werte beibehalten", sagte Bach. "Wir können uns nicht mit Spielen identifizieren, die gegen unsere Werte gehen. Olympische Werte und Killerspiele – da ist eine rote Linie."

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Andererseits: Gerade in mehreren asiatischen Ländern ist E-Sports höchst populär. Die besten Gamer sind so bekannt wie Popstars, allen voran der südkoreanische League of Legends-Spieler Faker.
Bei seiner Ankunft in Hangzhou schirmen ihn Security Guards ab – dann wird er interviewt wie jeder andere Superstar eines Sports; zum Beispiel dazu, wie es ihm vor dem Wettkampf so gehe. Faker antwortet souverän, fast gelangweilt: "Ich fühle mich im Moment richtig gut, daher muss ich mich nicht weiter medizinisch behandeln lassen. Mein Gefühl ist auch deshalb hervorragend, weil ich so viel Unterstützung von meinen Fans erhalte."

Faker "heißeste Ware" des Events

Der hohe Status, den vor allem Faker von Anfang an in Hangzhou genossen hat, wird in der E-Sportszene generell bemerkt. Kurz vor Fakers Goldmedaillengewinn kommentiert Mark Horner, der den Youtube-Channel „League on Lock” moderiert:
"Das ist irgendwie das Krasse aus der Perspektive von League of Legends-Fans: zu sehen, wie darüber berichtet wird. Wenn man die Olympischen Spiele sieht, stürzen sich alle auf LeBron James oder Usain Bolt. Und hier bei den Asian Games? Da wollen alle mit dem unbesiegbaren Faker in Kontakt bleiben, dem König, der heißesten Ware bei diesem Event. Es ist toll zu sehen, wie er jetzt diesen Celebritystatus auch im Rest der Welt genießt."
Und das Ganze könnte in den nächsten Jahren noch zunehmen. In Südkorea – das als Mekka des E-Sports gilt – hat eine Umfrage des Bildungsministeriums im Jahr 2020 ergeben, dass unter Schülerinnen und Schülern Profigamer der fünftbeliebteste Berufswunsch ist.
Die E-Sportsbranche – unterstützt von großen Unternehmen – ist auch ein florierender Wirtschaftszweig. Zwischen 2015 und 2019 wuchs das nationale Geschäft um 18 Prozent pro Jahr, setzt mittlerweile weit mehr als 100 Millionen US-Dollar um.
Davon will auch das IOC profitieren.

E-Sportszene kritisiert IOC-Format

Seit diesem Jahr organisiert das IOC jährlich eine E-Sports-Woche. Mit Wettkämpfen, aber ohne olympische Medaillen. Nicht nur deswegen gibt es aus der organisierten E-Sportszene Kritik am IOC-Format. Gespielt werden beim IOC nämlich vor allem Sport-Games, darunter auch unbekannte Spiele im Bogenschießen oder Tanzen.
Die wirklich populären Videospiele konnte man hingegen bei den Asian Games sehen.