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Ein Jahr Windows Phone 7

Mobilität.- Als Microsoft am 21. Oktober 2010 sein Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 7 an den Start brachte, war die Hoffnung groß. Endlich habe man ein konkurrenzfähiges System zum iPhone und zu den zahlreichen Android-Handys, hieß es. Doch ein Jahr danach herrscht Ernüchterung.

Von Po Keung Cheung |
    "Wer wirklich gute Phones auf den Markt bringt, wird eine gute Chance haben... Aus unserer Sicht hat es Potenzial, unheimlich schnell zu wachsen. Von daher bin ich wirklich sehr positiv überrascht. In meinen Augen hat Microsoft hier eines der fortschrittlichen mobilen Betriebssysteme auf den Markt gestellt."

    Ein optimistischer Microsoft-Manager, Vertreter von Handy-Herstellern, Experten aus der Telekommunikationsbranche: Auf der offiziellen Vorstellung von Windows Phone 7 vor einem Jahr in Hamburg wurden großzügig Vorschusslorbeeren für Microsofts neuen Anlauf bei den Smartphones verteilt. Benutzerfreundlich, flott, leistungsfähig, so das erste Fazit. Kein Vergleich zum altbackenen Vorgänger, der sich kaum auf modernen Touch-Screens bedienen ließ und viel zu lange in den Läden blieb. Allerdings: Der Markt honorierte das bislang nicht. Bei einer Präsentation vor einem Monat machte Microsoft-Chef Steve Ballmer kein Geheimnis um seine Unzufriedenheit: "Es wurden zu wenige Telefone mit "Windows Phone 7" verkauft". Details nannte er nicht. Auch der Chef der Microsoft-Handysparte, Achim Berg, nennt keine Zahlen und formuliert es anders.

    "Die Zahlen waren okay, manchmal gut, manchmal weniger gut, aber es ist bei so einem Start, wenn man etwas Neues macht, das dauert."

    Die renommierten Marktforscher von Gartner sind da hingegen konkreter: Knapp 430 Millionen verkaufte Smartphones weltweit im ersten Quartal dieses Jahres. Davon aber nur 3,6 Millionen mit Windows Betriebssystem - weniger als ein Prozent. Und davon wiederum nicht einmal die Hälfte mit der aktuellen Version 7. Platz drei hinter "Android" und "iPhone". Auch bei den Herstellern hält sich die Begeisterung in Grenzen. HTC beispielsweise war von Anfang an mit mehreren Modellen dabei. Firmen-Sprecher Marco Dautel:

    "Wir sind insgesamt zufrieden, haben aber etwas mehr erwartet insgesamt, aber das glaube ich, das wird sich in den nächsten Jahren, gerade jetzt auch mit dem neuen Update, doch ergeben. Wir werden weiterhin auf zwei Säulen setzen, Android und Windows Phone und wir rechnen auch damit, dass Windows Phone sich noch deutlich einen Marktanteil wieder zurückerkämpft."

    Deshalb will das taiwanesische Unternehmen weiterhin dabei bleiben: Im September präsentierte HTC auf der Funkausstellung in Berlin zwei neue Windows Phones, schob allerdings kürzlich ein neues Android-Spitzenmodell nach. Auch Samsung kämpft an mehreren Fronten, neben dem eigenen Betriebssystem Bada statten die Koreaner ihre Geräte mit Android und eben Windows Phone 7 aus. Angesichts der mageren Verkaufszahlen fällt das Bekenntnis zu Microsoft bei Samsung-Sprecherin Annika Karstadt eher spröde aus.

    "Windows Mobile ist für uns immer noch ein wichtiger strategischer Partner und auch definitiv nicht gestorben für uns, nein wir unterstützen das weiterhin."

    Und dass Nokia ebenso auf das System setzt, hilft Microsoft bei seinem Aufholversuch. Der kriselnde finnische Hersteller stieß das Betriebssystem Symbian zugunsten von Windows ab, die ersten Geräte werden in diesen Tagen erwartet. Auf solche Partner ist Microsoft angewiesen. So sieht es auch Achim Berg.

    "Wir sind angetreten, als Herausforderer von zwei etablierten Plattformen, haben was komplett Neues gebracht. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Marathon. Die Apps müssen da sein, die müssen entwickelt werden, das ist halt ein Start. Mit diesen starken Partnern im Hintergrund und mit den Entwicklungen, die wir gesehen haben, auf dem Markt, bin ich da recht zuversichtlich."

    Berg verweist dabei auch auf die neue Version Windows Phone 7.5, auch unter dem Namen Mango bekannt. Dieses wurde kürzlich als Update an die Benutzer ausgeliefert. Sie enthalte mehr als 500 neue Funktionen, so die positive Formulierung des Microsoft-Handysparten-Chefs. Nüchterner betrachtet handelt es sich zumindest bei einem Teil um längst überfällige Fähigkeiten, die bei anderen Systemen selbstverständlich sind, etwa Multitasking. Das allein wird aber sicher nicht reichen, um den Marktanteil nennenswert zu vergrößern. Noch heute leidet Microsoft an der zu späten Weiterentwicklung des eigenen Smartphone-Betriebssystems.

    "Wir haben natürlich durch den späten Start vor allen Dingen in einer ganzen Reihe Länder noch nicht starten können. Wir sind noch nicht in China, wir sind noch nicht in Indien. Das heißt, wir haben diese Flächendeckung weltweit, die ja auch sehr stark für den Marktanteil sehr wichtig ist, noch nicht erreicht. Das kommt jetzt mit der neuen Version. Wir gehen nach Russland jetzt in diesen Wochen, wir haben in Japan gelauncht. Das gehört also dazu."

    Und womöglich gelingt dann auch schon bald der große Durchbruch. Technisch hat "Windows Phone 7" Potenzial, daran hat sich im ersten Jahr nichts geändert. Nur der Markt muss das erkennen. Immerhin: Die Forscher von Gartner prophezeien eine künftig bessere Entwicklung: Im Jahre 2015 werde Windows Phone 7 am iPhone vorbeiziehen, so die Prognose.