DLF Kultur-Recherche
Einzelne Länder überrepräsentiert bei Auswahl-Jury zu Europäischer Kulturhauptstadt

Bei der Vergabe des Titels “Kulturhauptstadt Europas” bestimmt ein kleiner Kreis von Menschen mit, welche Stadt den begehrten Titel erhält. Das zeigen Recherchen von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Kultur-Initiative. Demnach arbeiten zahlreiche Mitglieder der Europäischen Expertenjury vor oder nach ihrer Tätigkeit im Auswahlgremium als Berater oder im Management von mindestens einer Bewerberstadt.

    Mit einer Lasershow am Marx-Monument wurde das Jahr als Europäische Kulturhauptstadt in Chemnitz eröffnet. Chemnitz trägt 2025 den Kulturhauptstadttitel zusammen mit Nova Gorica (Slowenien).
    Chemnitz trägt 2025 den Titel Europäische Kulturhauptstadt zusammen mit Nova Gorica in Slowenien (Archivbild). (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
    Darüber hinaus zeigen die Recherchen: In der Jury sind Personen aus einigen EU-Staaten deutlich stärker repräsentiert als aus anderen: Während Personen aus Österreich 56-mal an einer Kulturhauptstadt-Entscheidung beteiligt waren, haben Ungarinnen und Ungarn nur zweimal mit abgestimmt. Den Vorsitz der europäischen Expertenjury hatten seit 2001 zu zwei Dritteln Männer inne; nur ein Drittel war weiblich. Die bis heute meisten Entscheidungen wurden unter einem britischen Vorsitzenden getroffen.
    Für die Analyse mit datenjournalistischen Methoden hat das Rechercheteam insgesamt 44 Auswahlberichte der Jury für die Kulturhauptstädte der Jahre 2005 bis 2029 ausgewertet. Weitere Namen und Daten stammen aus über 160 Bewerbungsbüchern der Kandidatenstädte.

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    Diese Nachricht wurde am 02.04.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.