Welthandel
Erste neue US-Zölle in Kraft - Notenbankchef Powell warnt vor negativen Auswirkungen

In den USA sind die ersten der von US-Präsident Trump verhängten neuen Zölle in Kraft getreten. Sie gelten seit 00.01 Uhr Ortszeit in Washington. Zunächst greift der Mindestsatz von zehn Prozent für Einfuhren in die USA. Davon sind Länder wie Australien, Brasilien, Großbritannien und die Türkei betroffen.

    Der Präsident der US-Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell, spricht auf der Konferenz "Society for Advancing Business Editing and Writing" (SABEW) in Arlington, Virginia.
    Der Präsident der US-Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Manuel Balce Ceneta)
    Strategisch wichtige Waren wie Arzneimittel, Halbleiter und Holz bleiben grundsätzlich ausgenommen. Höhere Zölle für eine Reihe weiterer Staaten folgen in einem zweiten Schritt in der kommenden Woche. Dann greift unter anderem der 20-prozentige Aufschlag für Güter und Dienstleistungen aus der EU.
    Die weltweiten Aktienmärkte verzeichneten angesichts der Zölle erneut starke Verluste. An der Wall Street in New York gab der Aktienindex Dow Jones um 5,5 Prozent nach. An der Börse in Frankfurt am Main schloss der Dax mit einem Minus von rund 5 Prozent. Der Nikkei in Japan büßte 2,8 Prozent ein.

    Powell warnt vor negativen Auswirkungen

    Der Chef der US-Notenbank, Powell, warnte vor negativen Auswirkungen der Zollpolitik von Präsident Trump. Powell sagte, es sei sehr wahrscheinlich, dass die neuen Zölle zumindest zeitweise eine Erhöhung der Inflation und ein langsameres Wirtschaftswachstum nach sich ziehen würden. Powell betonte, es sei auch möglich, dass die Auswirkungen dauerhafter seien. Die Fed werde mögliche Anpassungen ihrer Geldpolitik prüfen. Noch sei es aber zu früh zu sagen, welcher Kurs der richtige sei.
    Trump hatte zuvor auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social von Powell eine Senkung der Zinsen verlangt. Zugleich forderte er den Notenbankchef auf, sich aus der Politik herauszuhalten.

    Peking kündigt Gegenzölle von 34 Prozent auf US-Waren an

    China reagiert auf die drastischen Zollerhöhungen der USA. Wie das Handelsministerium in Peking mitteilte, werden ab kommendem Donnerstag Gegenzölle in Höhe von 34 Prozent auf amerikanische Produkte erhoben. Zudem werde man Klage bei der Welthandelsorganisation einreichen, hieß es. Zuvor hatte US-Präsident Trump Importe aus China mit Abgaben in Höhe von ebenfalls 34 Prozent belegt. Darüber hinaus kündigte die Volksrepublik auch Kontrollen für den Export von Seltenen Erden in die Vereinigten Staaten an. Diese sind für viele High-Tech-Produkte wie Smartphones von großer Bedeutung und finden zudem Absatz etwa in der Rüstungsindustrie. Außerdem wurden mehrere US-Unternehmen als "unzuverlässig" eingestuft. Diese Kennzeichnung ermöglicht es der Regierung in Peking, Strafmaßnahmen gegen ausländische Firmen zu ergreifen.
    Der CDU-Außenpolitiker Beyer warnte vor einer weiteren Eskalation im Streit mit den USA. Beyer sagte im Deutschlandfunk, man müsse die Ungleichheiten in der Handelsbilanz aufgreifen - jedoch nicht in Form eines Handelskriegs.

    EU prüft Gegenmaßnahmen

    US-Präsident Trump hatte am Mittwoch Zölle zwischen zehn und 50 Prozent gegen weltweite Handelspartner angekündigt, gleichzeitig aber Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Die EU prüft derzeit Gegenmaßnahmen. Im Gespräch ist unter anderem eine Abgabe für US-Techkonzerne. EU-Handelskommissar Sefcovic telefonierte mit dem amerikanischen Handelsminister Lutnick und dem Handelsbeauftragten Greer. Sefcovic erklärte, er habe dabei deutlich gemacht, dass er die Zölle für schädlich und ungerecht halte. Die EU setze sich für sinnvolle Verhandlungen ein, sei aber zugleich bereit, ihre eigenen Interessen zu verteidigen.

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    Diese Nachricht wurde am 05.04.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.