
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Schweitzer sagte, die Erfahrung zeige, dass Trump eher auf eine robuste Antwort als auf freundliche Entgegnungen reagiere. Daher brauche es Gegenzölle als gemeinsame Antwort der EU, sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk. Schweitzer zeigte sich besorgt darüber, dass US-Sonderabgaben bald alle Branchen und Produktgruppen betreffen könnten. Mittelfristig brauche es ein Freihandelsabkommen mit den USA statt aggressiver Handelspolitik, erklärte der Ministerpräsident.
Nach Einschätzung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) befinden sich die transatlantischen Handelsbeziehungen an einem äußerst kritischen Punkt. Daher sollte die EU auf die drohenden US-Zölle nicht impulsiv, sondern entschieden und mit Weitsicht reagieren, sagte DIHK-Außenhandelschef Treier der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf.
Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Lange, sieht vorerst keine Lösung. Es gebe derzeit keinen Ansatz für konkrete Verhandlungen, sagte der SPD-Politiker im ZDF. Lange wies dabei Vorwürfe zurück, die Europäische Union habe mit der Androhung von Gegenzöllen Druck auf die USA ausgeübt.
Trump will heute umfassende Zollbestimmungen bekanntgeben. Der Republikaner hat vorab von einem "Tag der Befreiung" gesprochen. Die Rede war von der Verhängung wechselseitiger Zölle. Das bedeutet im Prinzip, dass die USA überall dort ihre Zölle auf ein entsprechendes Niveau anheben, wo sie derzeit weniger verlangen als ihre Handelspartner.
Europa im Visier
Vor allem die Europäische Union ist dem US-Präsidenten ein Dorn im Auge. Trump moniert, dass europäische Unternehmen insgesamt deutlich mehr Waren in den USA verkaufen als amerikanische Firmen in der EU.
Der Vermögensverwalter Schickentanz nannte im Deutschlandfunk mehrere Szenarien. Möglich wäre ein universeller Tarif in Höhe von zehn Prozent für alle Waren aus der EU. "Denkbar sind auch Sonderzölle auf bestimmte Warengruppen - insbesondere Automobile, Arzneimittel und Halbleiterprodukte - in Höhe von bis zu 25 Prozent." Für europäische Unternehmen, die direkt in den USA produzieren, sieht der Vermögensverwalter ebenfalls eine Gefahr: Sollte Trump die Zölle für Nachbarländer Mexiko und Kanada anhebt, habe das Auswirkungen auf die Lieferkette. Viele Waren würden dann teurer.
Nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen werden die USA neue Sonderzölle auf die Einfuhr von Halbleitern, Pharmazeutika und Holz erheben. Zudem erwarte man eine weitere Ankündigung zu reziproken (wechselseitigen) Zöllen, mit denen auf angebliche unfaire Zölle anderer Länder reagiert werden soll, sagte von der Leyen. Die EU hat bereits Gegenmaßnahmen angekündigt.
Das Wirtschaftsgespräch: US-Präsident Trump will neue Strafzölle anordnen
"Tag der Willkür" - EU will entschlossen auf neue US-Zölle reagieren
Diese Nachricht wurde am 02.04.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.