Wu Zhengbo lebt in einer ganz neuen Welt. Er ist 19 Jahre alt und stammt aus Anhui, einer Stadt in der chinesischen Provinz Hefei. Seit einigen Monaten ist er in Linnich zu Hause, für chinesische Verhältnisse ein Dorf in der Nähe von Jülich bei Aachen. Dort besucht er das Freshman Programm der Fachhochschule Aachen - deutschlandweit das erste Programm, das nach dem amerikanischen Vorbild des Freshman Year funktioniert.
In einem dreiviertel Jahr lernt Wu Zhengbo mit knapp 150 anderen Teilnehmern aus dem Ausland Deutsch, Englisch, Mathematik, Physik und Chemie, um danach in Aachen studieren zu können:
"Ich habe gehört, dass Maschinenbau in Deutschland sehr gut sei. Und ich habe auch gehört, dass sie in Deutschland viele ausländische Student haben. Und das finde ich sehr gut."
Auch die 20-jährige Zong Ning Feng hat deshalb den weiten Weg nach Deutschland auf sich genommen:
"Ich glaube, Deutschland ist ein gutes Land für das Studieren."
30 Lehrer vom Sprachenzentrum der Fachhochschule unterrichten in kleinen Gruppen von maximal zwölf Schülern. Studienräte und wissenschaftliche Mitarbeiter lehren die Naturwissenschaften, im Praktikum werden handwerkliche Fähigkeiten erworben. Für die Freshmänner ist die Anwendung ihres Wissens das Problem, sagt Frank Krichel, Technischer Koordinator des Programms:
"Das gute Wissen bezieht sich sehr häufig auf angelernte Methoden, auf Beweisführungen, die auswendig gelernt worden sind. Ich sprach mit einem unserer Mathelehrer. Er sagte, die Leute sind sehr gut theoretisch ausgebildet, können sehr viele der Beweise herunterbeten, können sehr gut bereits integrieren, differenzieren und alles, was an Inhalten in der Mathematik verlangt wird, aber bereits das Zeichnen eines Funktionsgrafen stellt sie dann schon an die Grenzen ihrer Möglichkeiten."
Das Freshman Institut ist ein Modellversuch des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW). Bislang müssen ausländische Studenten aus China ein Jahr in ihrem Land studieren, bevor sie ein deutsches Studienkolleg besuchen dürfen. Das Kolleg ist für Studienanfänger aus bestimmten Ländern immer noch die Voraussetzung, um in Deutschland studieren zu dürfen - in allen Bundesländern bis auf NRW, wo die Studienkollegs zum Jahresende geschlossen wurden. So dauert es im Schnitt zweieinhalb Jahre, bis ein chinesischer Studienanwärter einen deutschen Hörsaal zu sehen bekommt.
Das Freshman Programm dauert dagegen nur zehn Monate. Die potenziellen Kandidaten sucht sich Hans-Josef Ackermann, stellvertretender Leiter des Instituts, jedes Jahr direkt vor Ort aus:
"Diese Aufnahmeprüfungen finden regelmäßig ein Mal im Jahr in China statt. Das ist normalerweise so, dass wir mit mehreren Prüferteams an mehreren Orten parallel diese Prüfungen durchführen, letztes Jahr waren das, glaube ich, acht Orte, so über ganz China verteilt. Wir führen dann Prüfungen durch, die sich um Mathematik, Physik und Englisch drehen."
Für Wu Zhengbo und seine Mitschüler bedeutet das Freshman Jahr eine große Chance, aber auch eine große Verpflichtung. Denn die zehn Monate Unterricht und Unterbringung in einer ehemaligen Polizeischule in Linnich kosten 16.000 Euro. Ist das für chinesische Familien überhaupt zu stemmen? Ja, sagt Hans-Josef Ackermann.
"Man muss sagen, zum Beispiel in Shanghai ist, glaube ich, die Zahl der Millionäre größer als in Deutschland. Das heißt, es gibt in China doch schon eine gewisse Klientel, für die diese 15.000 bis 16.000 Euro nicht so das Problem sind. Es gibt natürlich auch das umgekehrte Beispiel: Dass eine Familie sozusagen bis in die Onkels und Tanten da das ganze Geld zusammen kratzen, um ihren Kindern ein Studium in Deutschland zu ermöglichen. Man muss sagen, dass die chinesischen Familien, weil sie auch diese Ein-Kind-Politik haben, im Prinzip bereit sind, alles für ihre Kinder zu tun, um die Zukunft da zu sichern."
Knapp 90 Prozent der Teilnehmer kommen aus China, nur wenige aus anderen Ländern wie Iran, Mexiko und der Türkei. Das liegt daran, dass die Bereitschaft, im Ausland zu studieren, in China deutlich höher ist als im internationalen Durchschnitt.
Wu Zhengbo will nach dem Freshman Year in jedem Fall in Aachen bleiben. Zong Ning Feng dagegen weiß noch nicht genau, wo sie studieren will. Vielleicht kann sie sich im Sommer schon an allen Hochschulen das Landes bewerben, nicht nur in Aachen. Das könnte möglich sein, weil der Modellversuch endet und das Freshman Year zu einer regulären, anerkannten Einrichtung werden soll.
In einem dreiviertel Jahr lernt Wu Zhengbo mit knapp 150 anderen Teilnehmern aus dem Ausland Deutsch, Englisch, Mathematik, Physik und Chemie, um danach in Aachen studieren zu können:
"Ich habe gehört, dass Maschinenbau in Deutschland sehr gut sei. Und ich habe auch gehört, dass sie in Deutschland viele ausländische Student haben. Und das finde ich sehr gut."
Auch die 20-jährige Zong Ning Feng hat deshalb den weiten Weg nach Deutschland auf sich genommen:
"Ich glaube, Deutschland ist ein gutes Land für das Studieren."
30 Lehrer vom Sprachenzentrum der Fachhochschule unterrichten in kleinen Gruppen von maximal zwölf Schülern. Studienräte und wissenschaftliche Mitarbeiter lehren die Naturwissenschaften, im Praktikum werden handwerkliche Fähigkeiten erworben. Für die Freshmänner ist die Anwendung ihres Wissens das Problem, sagt Frank Krichel, Technischer Koordinator des Programms:
"Das gute Wissen bezieht sich sehr häufig auf angelernte Methoden, auf Beweisführungen, die auswendig gelernt worden sind. Ich sprach mit einem unserer Mathelehrer. Er sagte, die Leute sind sehr gut theoretisch ausgebildet, können sehr viele der Beweise herunterbeten, können sehr gut bereits integrieren, differenzieren und alles, was an Inhalten in der Mathematik verlangt wird, aber bereits das Zeichnen eines Funktionsgrafen stellt sie dann schon an die Grenzen ihrer Möglichkeiten."
Das Freshman Institut ist ein Modellversuch des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW). Bislang müssen ausländische Studenten aus China ein Jahr in ihrem Land studieren, bevor sie ein deutsches Studienkolleg besuchen dürfen. Das Kolleg ist für Studienanfänger aus bestimmten Ländern immer noch die Voraussetzung, um in Deutschland studieren zu dürfen - in allen Bundesländern bis auf NRW, wo die Studienkollegs zum Jahresende geschlossen wurden. So dauert es im Schnitt zweieinhalb Jahre, bis ein chinesischer Studienanwärter einen deutschen Hörsaal zu sehen bekommt.
Das Freshman Programm dauert dagegen nur zehn Monate. Die potenziellen Kandidaten sucht sich Hans-Josef Ackermann, stellvertretender Leiter des Instituts, jedes Jahr direkt vor Ort aus:
"Diese Aufnahmeprüfungen finden regelmäßig ein Mal im Jahr in China statt. Das ist normalerweise so, dass wir mit mehreren Prüferteams an mehreren Orten parallel diese Prüfungen durchführen, letztes Jahr waren das, glaube ich, acht Orte, so über ganz China verteilt. Wir führen dann Prüfungen durch, die sich um Mathematik, Physik und Englisch drehen."
Für Wu Zhengbo und seine Mitschüler bedeutet das Freshman Jahr eine große Chance, aber auch eine große Verpflichtung. Denn die zehn Monate Unterricht und Unterbringung in einer ehemaligen Polizeischule in Linnich kosten 16.000 Euro. Ist das für chinesische Familien überhaupt zu stemmen? Ja, sagt Hans-Josef Ackermann.
"Man muss sagen, zum Beispiel in Shanghai ist, glaube ich, die Zahl der Millionäre größer als in Deutschland. Das heißt, es gibt in China doch schon eine gewisse Klientel, für die diese 15.000 bis 16.000 Euro nicht so das Problem sind. Es gibt natürlich auch das umgekehrte Beispiel: Dass eine Familie sozusagen bis in die Onkels und Tanten da das ganze Geld zusammen kratzen, um ihren Kindern ein Studium in Deutschland zu ermöglichen. Man muss sagen, dass die chinesischen Familien, weil sie auch diese Ein-Kind-Politik haben, im Prinzip bereit sind, alles für ihre Kinder zu tun, um die Zukunft da zu sichern."
Knapp 90 Prozent der Teilnehmer kommen aus China, nur wenige aus anderen Ländern wie Iran, Mexiko und der Türkei. Das liegt daran, dass die Bereitschaft, im Ausland zu studieren, in China deutlich höher ist als im internationalen Durchschnitt.
Wu Zhengbo will nach dem Freshman Year in jedem Fall in Aachen bleiben. Zong Ning Feng dagegen weiß noch nicht genau, wo sie studieren will. Vielleicht kann sie sich im Sommer schon an allen Hochschulen das Landes bewerben, nicht nur in Aachen. Das könnte möglich sein, weil der Modellversuch endet und das Freshman Year zu einer regulären, anerkannten Einrichtung werden soll.