Weißes Haus
Streit vor laufender Kamera zwischen Trump und Selenskyj

Beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Selenskyj im Weißen Haus ist es vor laufenden Kameras zu einem offenen Schlagabtausch mit Präsident Trump gekommen. Trump warf Selenskyj vor, undankbar und nicht bereit zu einem Frieden unter Beteiligung der USA zu sein.

    Der ukrainische Präsident Selenskyj und US-Präsident Trump sitzen angespannt im Oval Office und gestikulieren mit den Händen.
    Der ukrainische Präsident Selenskyj und US-Präsident Trump im Wortgefecht vor laufenden Kameras. (IMAGO / ZUMA Press Wire / IMAGO / Jim LoScalzo-Pool)
    Außerdem habe er sich respektlos gegenüber den USA verhalten. Selenskyj hatte Trump zuvor aufgefordert, keine Kompromisse mit dem russischen Staatschef Putin einzugehen, um den Krieg Russlands gegen sein Land zu beenden. Zudem bat er um amerikanische Sicherheitsgarantien. Trump betonte im Laufe des Wortgefechts, der Ukraine gingen die Soldaten aus. Das Land müsse einem Abkommen zustimmen, sonst werde man sich nicht mehr engagieren. Flankiert wurde Trump von US-Vizepräsident Vance, der Selenskyj ebenfalls verbal attackierte.
    Nach dem Streit wurde das Treffen in Washington abgebrochen. Auch eine gemeinsame Pressekonferenz wurde abgesagt. Eigentliches Ziel war es, eine Vereinbarung über Rohstoffe zu unterzeichnen. Darin sieht Trump eine Gegenleistung für die bisherige US-Militärhilfe zugunsten der Ukraine. Aus US-Kreisen verlautete, es liege an der Ukraine, ob bald ein neuer Termin gefunden werden könne. Trump schließe eine Vereinbarung nicht aus. Jedoch müsse die Ukraine bereit sein, ein konstruktives Gespräch zu führen, hieß es.

    Empörung und Kritik an Trump

    Bundeskanzler Scholz erklärte nach dem Eklat, die Ukraine könne sich auf Deutschland verlassen. Man suche gemeinsam den Weg zu einem dauerhaften und gerechten Frieden. Ähnlich äußerte sich Außenministerin Baerbock. Unions-Kanzlerkandidat Merz erklärte, man dürfe Aggressor und Opfer in diesem schrecklichen Krieg niemals verwechseln. Auch Frankreichs Staatschef Macron rief zu Respekt für Selenskyj und die Ukraine auf. Der polnische Präsident Tusk sicherte Selenskyj und der Ukraine die Solidarität seines Landes zu: "Liebe ukrainische Freunde, ihr seid nicht allein", schrieb er wenige Minuten nach Selenskyjs vorzeitiger Abreise aus dem Weißen Haus. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen ermunterte Selenskyj, "stark, furchtlos und tapfer" zu sein - er werde niemals alleine sein.
    SPD-Chef Klingbeil erklärte, das Verhalten der US-Regierung zeige einmal mehr, dass Europa seine Zukunft stärker in eigene Hände nehmen müsse. Der SPD-Außenpolitiker Schmid sprach von einer unsäglichen Täter-Opfer-Umkehr durch Trump. Das lasse Schlimmes für die zukünftigen Verhandlungen befürchten. Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Wadephul, erklärte, die Szenen aus dem Weißen Haus seien schockierend. Er stelle sich die Frage, wie man dem Präsidenten eines überfallenen Landes so in den Rücken fallen könne. Die Grünen-Vorsitzende Brantner sagte, Trump lege ein imperialistisches Gebaren an den Tag und mache klar, was er unter Diplomatie verstehe: nämlich Erpressung und Ausverkauf.

    Schumer: Trump und Vance machen "Drecksarbeit" für Putin

    Der Sprecher der Demokraten im Senat, Schumer, warf Trump und seinem Vize Vance vor, die - so wörtlich - "Drecksarbeit" des russischen Präsidenten Putin zu machen. "Die Demokraten im Senat werden nie aufhören, für Freiheit und Demokratie zu kämpfen", schrieb Schumer in Online-Netzwerken.
    Lob für Trumps Auftritt kam aus Russland.
    Diese Nachricht wurde am 28.02.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.