Inhaftierter Istanbuler Bürgermeister
Imamoglu in der "New York Times": Erdogan hat Türkei in eine "Republik der Angst" verwandelt

Der in der Türkei inhaftierte Istanbuler Bürgermeister Imamoglu hat Präsident Erdogan vorgeworfen, das Land in eine "Republik der Angst" verwandelt zu haben. Jahrelang habe Erdogans Regime die demokratischen Kontrollmechanismen ausgehebelt, schreibt er in einem Gastbeitrag für die "New York Times". 

    Der türkische Präsident Erdogan steht an einem Rednerpult, hinter im türkische Flaggen.
    Imamoglu: "Erdogan hat die Medien zum Schweigen gebracht, gewählte Bürgermeister ersetzt, die Legislative ausgeschaltet, die Justiz kontrolliert und Wahlen manipuliert." (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Mustafa Kamaci)
    Dazu habe Erdogan die Medien zum Schweigen gebracht, gewählte Bürgermeister ersetzt, die Legislative ausgeschaltet, die Justiz kontrolliert und Wahlen manipuliert. Unzählige Verhaftungen in den vergangenen Monaten hätten die Botschaft vermittelt: Niemand sei mehr sicher.
    Dem Ausland warf Imamoglu einen Mangel an Anteilnahme vor. Das Schweigen sei ohrenbetäubend. Er fügte hinzu, das Zeitalter unkontrollierter Machthaber verlange, dass diejenigen, die an Demokratie glaubten, ebenso lautstark, energisch und unnachgiebig seien wie ihre Gegner.
    Der wichtigste türkische Oppositionspolitiker wurde wegen Korruptions- und Terrorvorwürfen verhaftet. Im Land löste das eine Protestwelle aus. Die Polizei ging teils brutal gegen sie vor. Seit Beginn der Kundgebungen wurden fast 1.900 Menschen festgenommen, darunter Journalisten und zuletzt ein Anwalt Imamoglus. Dieser wurde inzwischen wieder freigelassen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu wurde gegen ihn eine Ausreisesperre verhängt. Ein schwedischer Journalist wurde direkt bei seiner Einreise festgenommen und inzwischen inhaftiert.
    Diese Nachricht wurde am 28.03.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.