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John Ward - 'Upon a Bank with Roses'

Die zweite CD, die ich Ihnen heute vorstellen möchte, beschäftigt sich mit englischer Consort Music. "Upon a Bank with Roses", so hat das Rose Consort of Viols seine neueste CD mit 2- bis 6 -stimmigen Kompositionen für Violen-Ensemble von John Ward genannt.

Dr. Christiane Lehnigk |
    Das Consort of Viols nennt sich nach den berühmten Violenbauern, deren Familienunternehmen die Geschichte des englischen Consort-Repertoires von Anfang an begleitet hat. Der Repertoire-Schwerpunkt liegt auf Kompositionen von Taverner und Byrd bis hin zu Lawes, Locke und Purcell, es gibt aber auch Projekte mit Sängern und anderen Instrumentengruppen. Das Rose Consort, das für seine Forschungsarbeit wie auch für das Bemühen um zeitgenössische Musik ausgezeichnet wurde, gehört zu den besten Violen-Consorts der Szene und zeichnet sich durch besondere Klarheit, Klangschönheit und "Eleganz" in der Phrasierungskunst aus.

    Mit Consorts werden im 16. und 17. Jahrhundert in England instrumentale Kammermusik-Ensembles aus 4-6 Musikern bezeichnet. Dabei wird zwischen "Whole Consorts" mit Instrumenten nur einer Familie und den Broken Consorts von unterschiedlichen Instrumenten unterschieden.

    Es gibt wenige zeitgenössische Kommentare zu den spezifischen Consort-Stücken des 17. Jahrhunderts. Eine Ausnahme bildet das Schreiben des Amateurviolisten Lord Dudley North 1658 an den Organisten des King's College, in dem er die altmodischen "Fantasien" gegen die "modernen Airs" verteidigte:

    "Darinnen ist was von einer frischen, rüstigen und doch einschmeichelnden Art, ... wo das Blut aufgeführt und unser Geist erhoben wird, mit Lebhaftigkeit und Tatkraft, um zugleich der Geschwindigkeit des Herzens und der Hand zu genügen". North bezieht sich hier auf die vier-stimmige Fantasie Nr. 6 von John Ward. * Musikbeispiel: John Ward - Fantasia Nr. 6 in C zu vier Violen John Ward, dessen Consort Music das Rose Consort of Viols auf ihrer jüngsten CD vorstellt, war kein eigentlicher Berufsmusiker. Geboren 1589 in Canterbury ist er zunächst als Chorist an der dortigen Kathedrale nachweisbar, später trat er in den Dienst von Sir Henry Fanshawe, der als Eintreiber des königlichen Schatzamtes in London und Ware Park lebte. Fanshawe war ein großer Musik-Liebhaber und "hielt viele Gentlemen, die sich gleichermaßen wohl auf dieselbe wie auch auf die italienische Zunge verstanden". Bei ihm war Ward wahrscheinlich als eine Art Sekretär angestellt.

    Ward hatte jedoch offensichtlich nebenher Zeit, Madrigale, viele Werke für Violen sowie geistliche Musik zu komponieren. Seine Violen-Kompositionen, von kurzen "ayres" für 2 Violen bis zu ausgedehnten 6-stimmigen Fantasien waren zu seinen Lebzeiten weit verbreitet und überlebten in einer Vielzahl von Sammlungen. Ward muss mit der instrumentalen Technik der verschiedenen Violen sehr vertraut gewesen sein und er vermochte die tonalen und stilistischen Kontraste zwischen den individuellen Abschnitten vor allem in seinen Fantasien oft unter der Verwendung von Dissonanzen dramatisch auszugestalten. Die Stücke in moll gehören dabei zu den gelungensten.

    Hören Sie hier noch die Fantasia Nr.5 in g-moll für 6 Violen. * Musikbeispiel: John Ward - Fantasia Nr. 5 in g