
Hampel, der Mitautor der Trendstudie "Jugend in Deutschland" ist, sagte im Deutschlandfunk,
in Frankreich gebe es eine längere Tradition von Bildungsprotesten. Zudem richte sich der Protest dort gegen die Zentralregierung
. In Deutschland sei Bildung dagegen Ländersache, daher würden sich die Proteste stärker auf die einzelnen Bundesländer verteilen.
"Proteste spiegeln tatsächlich Sorgen vieler junger Menschen in Deutschland wider"
Der Sozialforscher von der Universität Konstanz wollte gewalttätige Ausschreitungen wie in Frankreich zwar nicht gänzlich ausschließen, er hält diese in Deutschland aber für eher unwahrscheinlich. So gebe es zwar bei jeder Protestbewegung das Risiko, dass gewaltbereite Gruppen versuchen würden, sich anzuschließen. Die Organisatoren der Gruppe "Gen Z regelt" selbst würden Gewalt jedoch klar ablehnen. Zudem sei die politische Protestkultur in Deutschland insgesamt weniger konfrontativ als in Frankreich.
Die Proteste selbst spiegeln nach Ansicht von Hampel größtenteils tatsächlich die Sorgen vieler junger Menschen in Deutschland wider, das sei auch durch die Studie "Jugend in Deutschland" belegt. So würden viele Schüler und Jugendliche bessere Schulen und Bildungseinrichtungen fordern, mehr soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und eine größere Beteiligung an politischen Entscheidungen. Negativ in Erinnerung geblieben sei vielen jungen Menschen zuletzt die Diskussion um die Wehrpflicht; viele hätten sich dabei übergangen gefühlt.
Städtetagspräsident Jung: Protest gehört zu lebendiger Demokratie
Für morgen ist in vielen deutschen Großstädten zu Demonstrationen unter dem Motto "Gen Z regelt" aufgerufen worden. Die Initiative setzt sich für Investitionen in Bildung und Klimaschutz sowie für Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und gegen die Wehrpflicht ein.
Städtetagspräsident Jung bekundete derweils seine Unterstützung für die Proteste. Die Politik müsse die Anliegen junger Menschen ernstnehmen, sagte der Leipziger Oberbürgermeister den Funke-Medien. Zudem gehöre Protest zu einer lebendigen Demokratie dazu. Der Blick auf mögliche Ausschreitungen dürfe nicht dazu führen, dass die Interessen der Jugendlichen in den Hintergrund gerieten. Wer sich Sorgen um Bildung, soziale Sicherheit, bezahlbares Wohnen oder die eigene Zukunft mache, erwarte zu Recht, dass die Politik handele, erklärte der SPD-Politiker.
Bundesschülerinnenkonferenz hat sich distanziert
Ein Teil der Schülervertreter hat sich inzwischen allerdings von den Protesten distanziert. So erklärte der Landesschülerrat in Niedersachsen, es fehle die Transparenz der Verantwortlichen und es gebe die Sorge einer politischen Vereinnahmung. Es habe sich bislang nicht nachvollziehbar klären lassen, wer etwa die Demonstration in Hannover organisiere. Auch die Bundesschülerinnenkonferenz distanzierte sich bereits von den Protesten und kündigte eigene Aktionen im November an.
Diese Nachricht wurde am 30.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
