
Acht Monate waren die Kinos in Deutschland geschlossen, die Leinwände blieben schwarz, neue Filme konnten nicht gezeigt werden. Zahlreiche Kinobetreiberinnen und Betreiber bangten um ihre Existenz. Denn zunächst flossen die finanziellen Hilfen für die Kultur und damit auch für die Kinobranche nur sehr spärlich. Mit Kurzarbeitergeld und anderen Fördergeldern retteten sich die meisten über die Zeit.
Vorschriften Wirrwarr
Jetzt endlich geht es weiter und die Lichtspielhäuser dürfen bundesweit wieder öffnen. Die Reaktionen sind allesamt begeistert und freudig. Doch in die Freude mischt sich an manchen Stellen auch Ärger. Denn wie so häufig sind die Regeln für die Öffnungen ein Flickenteppich. In einigen Bundesländern dürfen Zuschauerinnen und Zuschauer ohne Maske und mit Popcorn am Platz sitzen. In anderen Bundesländern herrschen Maskenpflicht und größere Abstände.
"Wir haben ein völlig intransparentes Auflagenwirrwarr. Überall ist es anders", sagte Christine Berg vom Hauptverband Deutscher Filmtheater, kurz HDF. Die Politik mache es den Kinobetreibern an dieser Stelle schwer, so Berg, aber dennoch schaue man zuversichtlich nach vorne. "Wir dürfen wieder öffnen. Was das für Menschen bedeutet, die leidenschaftlich gerne Kino machen, das kann man gar nicht ermessen."
Klasse statt Masse
Das einige der Probleme der Branche durch die Pandemie nur deutlicher wurden, sieht auch Christine Berg so. Doch während der Produzent Benjamin Herrmann im Deutschlandfunk sagte, dass "viele Kinos über die Jahrzehnte sich als Filmanbieter, der Popcorn verkauft, verstanden und ich glaube, diese simple Art Filme anzubieten, hat sich möglicherweise überlebt und diese Kinos werden es schwerer haben."
Auf jeden Fall wird es nun viel im Kino zu sehen geben, da sich ein großer Stau gebildet hat. Denn trotz Corona wurde viel gedreht und schon vor der Pause lagen viele Filme auf Halde und warteten auf ihre Ausstrahlung. Produzent Benjamin Henrich, dessen Film "Ich bin dein Mensch" jetzt in den Kinos startet, sieht größere Probleme für die Blockbuster als für den Arthouse Bereich, vor allen Dingen, was die Streamingauswertung betrifft. "Im Mainstream wird das aggressiver geführt als im Arthousebereich."

Nebeneinander statt Gegeneinander
Schauspieler Ulrich Matthes, der derzeit auch Präsident der deutschen Filmakademie ist, sagte im Deutschlandfunk, er freue sich sehr, dass im Kino endlich wieder das Licht ausgehe. Er sei trotz der Konkurrenz durch die Streamingdienste optimistisch, dass die Menschen wieder runter vom Sofa und rein in den Kinosaal wollen. "Ich glaube an den großen Ort des Kinos. Er ist schon so oft totgesagt worden. Mit dem Aufkommen des Fernsehens. Den Streamingdiensten. Ich glaube, dass parallel beides existieren kann."