Im alten China glaubte man, ein gewaltiger Drache verschluckt die Sonne. Nur mit viel Lärm am Boden ließ sich der Drache von seinem Tun abbringen. Diese Geschichte hat es bis in die moderne Astronomie geschafft. Denn der Neumond kann die Sonne nur verfinstern, wenn er gerade nahe einem der beiden Schnittpunkte seiner Bahn mit der Erdbahnebene steht. Diese Punkte heißen bis heute Drachenpunkte.
In Vietnam wähnte man eine hungrige Kröte am Werk, in Korea Hunde aus dem Jenseits. Doch die Tiere fanden die Speise jeweils zu heiß und spuckten sie wieder aus. Bei den Inuit ging einer Sonnenfinsternis ein Kampf der Sonnengöttin Malina mit ihrem Bruder voraus, dem Mondgott Anningan. Zu einer Finsternis kommt es, wenn Anningan seiner Schwester nachstellt und sie einholt.
Unsterblicher Kopf
In Indien erzählt man sich die Geschichte, dass der Dämon Rahu vom Nektar der Unsterblichkeit getrunken hat. Sonne und Mond haben den Gott Vishnu alarmiert, der Rahu blitzartig den Kopf abschlug. So wurde nur der Kopf unsterblich. Aus Zorn über den Verrat jagt Rahu seitdem Sonne und Mond. Wenn er sie erreicht, verschlingt er sie, doch die beiden Himmelskörper tauchen am offenen Hals wieder auf. So ein himmlisches Drama lässt sich in Mitteleuropa erst wieder in drei Jahren bestaunen.