Gabelstapler hieven rappelvolle, große Container über den staubigen Hof. Es sieht wüst aus: überall Pappe, gepresst zu großen Ballen, Papierschnipsel, Versandhauskataloge, Zeitungen. Die Papierbank-Zentrale ist kürzlich umgezogen – vom idyllischen Ufer der Spree in Berlin-Kreuzberg auf einen unwirtlichen Industriehof im Wedding. Geschäftsführer Dirk Bernhardt sieht´s pragmatisch:
"Wir brauchten einfach erstens eine größere Fläche. Zweitens haben wir in Kreuzberg das große Problem, dass dieser Standort keine Planungssicherheit bietet, weil dort auf Dauer ein Medienzentrum entstehen soll und für Investitionen einfach keine Möglichkeit mehr besteht, über einen längeren Zeitraum diese dann auch sich rechnen zu lassen."
Bereits vor sechs Jahren hatte Dirk Bernhardt die Papierbank gegründet. Damals wurde das Geschäftsmodell, altes Papier zu Geld zu machen, teilweise noch belächelt. Doch gerade im Osten Deutschlands musste der gelernte Ingenieur das Prinzip nicht lange erklären. Schließlich hatten zu DDR-Zeiten ganze Schulklassen Altpapier gesammelt. Damals hieß das System Sero, Sekundärrohstofferfassung.
Und so wundert es wenig, dass die Papierbank zum Beispiel in Ostberlin schnell Anklang fand und noch immer findet - wie hier in einer kleinen Annahmestelle im Ortsteil Alt-Biesdorf: Gerd Langbein lädt drei Packen Altpapier aus seinem Kofferraum und wirft die Zeitungen, Zeitschriften, Werbeprospekte in einen Container:
"So, das war´s. Dann haben wir 23 Kilo."
23 Kilo Altpapier, das bringt gerade einmal 1,60 Euro. So richtig gelohnt hat sich die Fahrt zur Annahmestelle nicht. Trotzdem ist der Rentner von der Idee angetan:
"Ich find's gut, wenn man wenigstens das Papier hierher bringt. Das was ich habe, sammle ich. Am Jahresende werde ich sehen, was ich kriege. Das ist nicht viel, da kommt nicht viel raus. Bloß Taschengeld, sagen wir mal so."
Es sind viele Rentner oder Arbeitslose, die sich so ein kleines Zubrot verdienen. Einige sammeln sogar die nicht benötigten Prospekte aus den Hausfluren im Wohngebiet zusammen. Mitunter fahren aber auch vollbeladene Kleintransporter vor – beispielsweise von Druckereien, die ihre Papierreste verkaufen. Um die 50 Kunden zählt Marko Knospe am Tag. Als Franchisenehmer der Papierbank lebt er von diesem Geschäft – mal besser, mal schlechter. Das Geschäft ist krisenanfällig, es schwankt wie die Papierpreise.
"Gerade letztes Jahr, wo auch die Preise sehr schlecht waren, hat man schon die Krise gemerkt. Dass auch weniger gesammelt wurde, weil es auch weniger Vergütung gab. Da waren auch die Umsätze rückläufig. Das hat man schon gemerkt."
Inzwischen hat sich die Lage wieder gebessert. Die Papierbank zahlt jetzt je nach Region wieder sechs bis elf Cent pro Kilo Altpapier. Im vergangenen Jahr waren die Preise zwischenzeitlich um die Hälfte gefallen, bilanziert Papierbank-Gründer Dirk Bernhardt. Dabei hatte er noch im Herbst 2008 im Deutschlandfunk frohlockt:
"Wir haben natürlich auch eine sehr starke Nachfrage aus den asiatischen Ländern, hier in erster Linie China, Indien und Pakistan. Dort wohnen ja bekanntlich 40 Prozent der Weltbevölkerung, also eine sehr große Menge an Menschen, die dort sozusagen Papier verbrauchen und nutzen."
Bernhardt ging damals davon aus, dass die Nachfrage in Asien weiter anzieht. Doch die globale Wirtschaftskrise hat auch diese Branche hart getroffen. Heute sagt der Chef der Berliner Papierbank:
"Man kann sagen, dass die Nachfrage aus dem asiatischen Raum immer noch sehr stark ist. Allerdings beschränkt sich die Nachfrage auf die Rohstoffe Pappe und Kunststoffe, Folien. Weniger auf Produkte wie zum Beispiel Zeitungen und Kataloge, die ja eigentlich unsere Hauptfraktion darstellen. Diese Ware wird von uns eher im Inland verkauft, so dass wir natürlich auch etwas stärker abhängig sind von der Inlandsnachfrage als von der Auslandsnachfrage."
Zugute kommt dem Berliner Unternehmen beispielsweise, dass im nur 100 Kilometer entfernten Eisenhüttenstadt im Frühjahr eine riesige Papierfabrik in Betrieb ging. Das ist ein wichtiger Abnehmer für die Papierbank.
Und so ist wieder viel Betrieb auf dem Hof des Unternehmens. Allerdings hat die Krise nachhaltig Spuren hinterlassen. Einige Annahmestellen haben im vergangenen Jahr aufgegeben, sagt Dirk Bernhardt. Statt 70 gibt es heute nur noch 42 Filialen. Und auch die Container, die die Papierbank an Straßenrändern aufgestellt hatte, sind wieder verschwunden.
"Wir haben einfach festgestellt, dass das auf Dauer sehr schwierig wurde, weil wir natürlich auch für die Auswertung der dort abgegebenen Mengen mehr Personal benötigt haben als wenn wir eine Stelle haben, zu der die Leute hingehen, sie sofort bedient werden und eben dann die Mengen auch gleich erfasst werden. Am Ende rechnet sich das wesentlich besser, als wenn wir das selber abholen und dann noch mal verwiegen."
Das hatte sich Bernhardt noch vor anderthalb Jahren ganz anders vorgestellt. Und auch die Expansion Richtung Westen ist inzwischen ins Stocken geraten. Gerade mal drei Annahmestellen in Hessen und Nordrhein-Westfalen sind auf der Papierbank-Internetseite aufgelistet. Doch immerhin hat das Unternehmen - anders als einige Konkurrenten - die Wirtschaftskrise überlebt, tröstet sich der 42-jährige Firmenchef.
"Es ist sicherlich auch so gewesen, dass wir dann schon froh waren, dass in 2010 die Krise irgendwann vorbei war. Ich glaube, auf Dauer kann so etwas auch keiner durchstehen. Wir haben das soweit ganz gut überstanden, haben natürlich einige Stationen verloren. Aber wir haben jetzt auch in den letzten sechs Monaten auch wieder neun Stationen neu aufgebaut. Insofern sehe ich eigentlich jetzt hier für die Zukunft eine sehr, sehr gute Prognose."
Zum Firmenporträt der "Papierbank" vom 24. Oktober 2008
"Wir brauchten einfach erstens eine größere Fläche. Zweitens haben wir in Kreuzberg das große Problem, dass dieser Standort keine Planungssicherheit bietet, weil dort auf Dauer ein Medienzentrum entstehen soll und für Investitionen einfach keine Möglichkeit mehr besteht, über einen längeren Zeitraum diese dann auch sich rechnen zu lassen."
Bereits vor sechs Jahren hatte Dirk Bernhardt die Papierbank gegründet. Damals wurde das Geschäftsmodell, altes Papier zu Geld zu machen, teilweise noch belächelt. Doch gerade im Osten Deutschlands musste der gelernte Ingenieur das Prinzip nicht lange erklären. Schließlich hatten zu DDR-Zeiten ganze Schulklassen Altpapier gesammelt. Damals hieß das System Sero, Sekundärrohstofferfassung.
Und so wundert es wenig, dass die Papierbank zum Beispiel in Ostberlin schnell Anklang fand und noch immer findet - wie hier in einer kleinen Annahmestelle im Ortsteil Alt-Biesdorf: Gerd Langbein lädt drei Packen Altpapier aus seinem Kofferraum und wirft die Zeitungen, Zeitschriften, Werbeprospekte in einen Container:
"So, das war´s. Dann haben wir 23 Kilo."
23 Kilo Altpapier, das bringt gerade einmal 1,60 Euro. So richtig gelohnt hat sich die Fahrt zur Annahmestelle nicht. Trotzdem ist der Rentner von der Idee angetan:
"Ich find's gut, wenn man wenigstens das Papier hierher bringt. Das was ich habe, sammle ich. Am Jahresende werde ich sehen, was ich kriege. Das ist nicht viel, da kommt nicht viel raus. Bloß Taschengeld, sagen wir mal so."
Es sind viele Rentner oder Arbeitslose, die sich so ein kleines Zubrot verdienen. Einige sammeln sogar die nicht benötigten Prospekte aus den Hausfluren im Wohngebiet zusammen. Mitunter fahren aber auch vollbeladene Kleintransporter vor – beispielsweise von Druckereien, die ihre Papierreste verkaufen. Um die 50 Kunden zählt Marko Knospe am Tag. Als Franchisenehmer der Papierbank lebt er von diesem Geschäft – mal besser, mal schlechter. Das Geschäft ist krisenanfällig, es schwankt wie die Papierpreise.
"Gerade letztes Jahr, wo auch die Preise sehr schlecht waren, hat man schon die Krise gemerkt. Dass auch weniger gesammelt wurde, weil es auch weniger Vergütung gab. Da waren auch die Umsätze rückläufig. Das hat man schon gemerkt."
Inzwischen hat sich die Lage wieder gebessert. Die Papierbank zahlt jetzt je nach Region wieder sechs bis elf Cent pro Kilo Altpapier. Im vergangenen Jahr waren die Preise zwischenzeitlich um die Hälfte gefallen, bilanziert Papierbank-Gründer Dirk Bernhardt. Dabei hatte er noch im Herbst 2008 im Deutschlandfunk frohlockt:
"Wir haben natürlich auch eine sehr starke Nachfrage aus den asiatischen Ländern, hier in erster Linie China, Indien und Pakistan. Dort wohnen ja bekanntlich 40 Prozent der Weltbevölkerung, also eine sehr große Menge an Menschen, die dort sozusagen Papier verbrauchen und nutzen."
Bernhardt ging damals davon aus, dass die Nachfrage in Asien weiter anzieht. Doch die globale Wirtschaftskrise hat auch diese Branche hart getroffen. Heute sagt der Chef der Berliner Papierbank:
"Man kann sagen, dass die Nachfrage aus dem asiatischen Raum immer noch sehr stark ist. Allerdings beschränkt sich die Nachfrage auf die Rohstoffe Pappe und Kunststoffe, Folien. Weniger auf Produkte wie zum Beispiel Zeitungen und Kataloge, die ja eigentlich unsere Hauptfraktion darstellen. Diese Ware wird von uns eher im Inland verkauft, so dass wir natürlich auch etwas stärker abhängig sind von der Inlandsnachfrage als von der Auslandsnachfrage."
Zugute kommt dem Berliner Unternehmen beispielsweise, dass im nur 100 Kilometer entfernten Eisenhüttenstadt im Frühjahr eine riesige Papierfabrik in Betrieb ging. Das ist ein wichtiger Abnehmer für die Papierbank.
Und so ist wieder viel Betrieb auf dem Hof des Unternehmens. Allerdings hat die Krise nachhaltig Spuren hinterlassen. Einige Annahmestellen haben im vergangenen Jahr aufgegeben, sagt Dirk Bernhardt. Statt 70 gibt es heute nur noch 42 Filialen. Und auch die Container, die die Papierbank an Straßenrändern aufgestellt hatte, sind wieder verschwunden.
"Wir haben einfach festgestellt, dass das auf Dauer sehr schwierig wurde, weil wir natürlich auch für die Auswertung der dort abgegebenen Mengen mehr Personal benötigt haben als wenn wir eine Stelle haben, zu der die Leute hingehen, sie sofort bedient werden und eben dann die Mengen auch gleich erfasst werden. Am Ende rechnet sich das wesentlich besser, als wenn wir das selber abholen und dann noch mal verwiegen."
Das hatte sich Bernhardt noch vor anderthalb Jahren ganz anders vorgestellt. Und auch die Expansion Richtung Westen ist inzwischen ins Stocken geraten. Gerade mal drei Annahmestellen in Hessen und Nordrhein-Westfalen sind auf der Papierbank-Internetseite aufgelistet. Doch immerhin hat das Unternehmen - anders als einige Konkurrenten - die Wirtschaftskrise überlebt, tröstet sich der 42-jährige Firmenchef.
"Es ist sicherlich auch so gewesen, dass wir dann schon froh waren, dass in 2010 die Krise irgendwann vorbei war. Ich glaube, auf Dauer kann so etwas auch keiner durchstehen. Wir haben das soweit ganz gut überstanden, haben natürlich einige Stationen verloren. Aber wir haben jetzt auch in den letzten sechs Monaten auch wieder neun Stationen neu aufgebaut. Insofern sehe ich eigentlich jetzt hier für die Zukunft eine sehr, sehr gute Prognose."
Zum Firmenporträt der "Papierbank" vom 24. Oktober 2008