Zuerst die gute Nachricht: Im Kampf gegen Viren kommen Ärzte und Forscher ganz gut voran. Bernd Salzberger, Infektiologe an der Uniklinik Regensburg:
"Also generell ist es so, dass das, was wir über die Biologie von Viren kennengelernt haben, in den letzten 20 Jahren einen ganz enormen Schub bei der Entwicklung von neuen Virusmedikamenten gebracht hat."
Neue wichtige Medikamente gegen Hepatitis-, Herpes- und HI-Viren seien in den letzen Jahren entwickelt worden. Fortschritte gibt es auch bei Medikamenten gegen Influenza-Viren, eines steht kurz vor der Zulassung. Peramivir heißt es und ist eng verwandt mit den Grippemedikamenten Tamiflu und Relenza, die schon seit zehn Jahren auf dem Markt sind.
"Das Neue daran ist, dass man es als Infusion geben kann, das heißt, man kann es auch einem schwer kranken Patienten geben, von dem man nicht weiß, ob er ein Medikament schlucken kann, ob es dann wirklich auch im Blut ankommt."
Tamiflu wird als Saft oder Tabletten verabreicht, Relenza als Pulver inhaliert. Das neue Peramivir hat aber noch einen weiteren Vorteil: Es wirkt auch bei Grippeviren, die gegen Tamiflu bereits resistent sind. Peramivir ist an mehr als 1000 Menschen getestet worden, weitere Studien folgen in diesem Winter. Möglicherweise könnte es bereits in einem Jahr zugelassen werden. Ein weiterer potenziell wirksamer Wirkstoff gegen die Influenza – DAS 181 genannt – steht dagegen erst am Anfang.
"Das hat einen ganz anderen Ansatzpunkt, das greift ein anderes Enzym des Virus an und ist möglicherweise auch eine ganz interessante Alternative, auch in Kombination mit den anderen Medikamenten, das ist allerdings noch in der präklinischen, frühen Tierversuchsprüfung, die ersten Daten sehen da ganz gut aus, aber wir wissen alle, dass von drei Medikamenten, die in die klinische Prüfung kommen, nur eins dann wirklich rauskommt."
Was die Entwicklung von neuen antiviralen Medikamenten angeht, ist Bernd Salzberger optimistisch. Anders sieht das bei den Antibiotika aus, also bei Arzneien, die Bakterien bekämpfen. Da hätten die Pharmafirmen momentan erschreckend wenig in der Entwicklungspipeline, sagt Ivo Steinmetz, der Direktor des Friedrich-Loeffler-Instituts für medizinische Mikrobiologie an der Uniklinik Greifswald. Es fehlen vor allem Antibiotika, mit denen sich die Erreger im Krankenhausalltag bändigen lassen.
"Es sind vor allen Dingen die Erreger, die auf Intensivstationen sehr schwer kranken Patienten zu schaffen machen, insbesondere Patienten, die beatmet werden. Das sind Erreger, die normalerweise in der Bevölkerung als Erreger für Lungenentzündung keine große Rolle spielen, aber die spielen eine große Rolle auf Intensivstationen. Und da ist der Handlungsbedarf ganz besonders groß."
Die Gründe für den Innovationsstopp sind vor allem ökonomischer Natur. Pharmafirmen verdienen an Antibiotika vergleichsweise wenig. Ein neues Antibiotikum zu entwickeln dauert Jahre und verschlingt Millionen. Wenn die Ärzte das Mittel dann zu breit einsetzen, werden die Bakterien rasch resistent. Das Antibiotikum verliert seine Wirkung, manchmal sogar schon nach zwei Jahren. Ein Beispiel dafür sind die Gyrase-Hemmer.
"Das sind Medikamente, die sehr breit vermarktet worden sind für relativ banale Harnweginfekte, und da hat man sehr schnell eine Resistenzentwicklung gesehen, sodass diese Substanzen in vielen Fällen überhaupt nicht mehr eingesetzt werden können."
Man müsse den Firmen Anreize schaffen, damit sie wieder in die Antibiotika-Entwicklung einsteigen, sagt Ivo Steinmetz. Steuervorteile zum Beispiel, oder man müsse die Patente für neue Antibiotika verlängern, damit die Firmen länger an ihnen verdienen. Nur so könnten langfristig auch neue Strategien im Kampf gegen Bakterien entwickelt werden. Dass man nicht nur versucht, die Bakterien selbst abzutöten, sondern …
"… dass man ganz gezielt nach Substanzen guckt, die Toxine neutralisieren können, also Stoffe, die die Krankheitserreger produzieren, die sie überhaupt erst zu Krankheitserregern machen."
"Also generell ist es so, dass das, was wir über die Biologie von Viren kennengelernt haben, in den letzten 20 Jahren einen ganz enormen Schub bei der Entwicklung von neuen Virusmedikamenten gebracht hat."
Neue wichtige Medikamente gegen Hepatitis-, Herpes- und HI-Viren seien in den letzen Jahren entwickelt worden. Fortschritte gibt es auch bei Medikamenten gegen Influenza-Viren, eines steht kurz vor der Zulassung. Peramivir heißt es und ist eng verwandt mit den Grippemedikamenten Tamiflu und Relenza, die schon seit zehn Jahren auf dem Markt sind.
"Das Neue daran ist, dass man es als Infusion geben kann, das heißt, man kann es auch einem schwer kranken Patienten geben, von dem man nicht weiß, ob er ein Medikament schlucken kann, ob es dann wirklich auch im Blut ankommt."
Tamiflu wird als Saft oder Tabletten verabreicht, Relenza als Pulver inhaliert. Das neue Peramivir hat aber noch einen weiteren Vorteil: Es wirkt auch bei Grippeviren, die gegen Tamiflu bereits resistent sind. Peramivir ist an mehr als 1000 Menschen getestet worden, weitere Studien folgen in diesem Winter. Möglicherweise könnte es bereits in einem Jahr zugelassen werden. Ein weiterer potenziell wirksamer Wirkstoff gegen die Influenza – DAS 181 genannt – steht dagegen erst am Anfang.
"Das hat einen ganz anderen Ansatzpunkt, das greift ein anderes Enzym des Virus an und ist möglicherweise auch eine ganz interessante Alternative, auch in Kombination mit den anderen Medikamenten, das ist allerdings noch in der präklinischen, frühen Tierversuchsprüfung, die ersten Daten sehen da ganz gut aus, aber wir wissen alle, dass von drei Medikamenten, die in die klinische Prüfung kommen, nur eins dann wirklich rauskommt."
Was die Entwicklung von neuen antiviralen Medikamenten angeht, ist Bernd Salzberger optimistisch. Anders sieht das bei den Antibiotika aus, also bei Arzneien, die Bakterien bekämpfen. Da hätten die Pharmafirmen momentan erschreckend wenig in der Entwicklungspipeline, sagt Ivo Steinmetz, der Direktor des Friedrich-Loeffler-Instituts für medizinische Mikrobiologie an der Uniklinik Greifswald. Es fehlen vor allem Antibiotika, mit denen sich die Erreger im Krankenhausalltag bändigen lassen.
"Es sind vor allen Dingen die Erreger, die auf Intensivstationen sehr schwer kranken Patienten zu schaffen machen, insbesondere Patienten, die beatmet werden. Das sind Erreger, die normalerweise in der Bevölkerung als Erreger für Lungenentzündung keine große Rolle spielen, aber die spielen eine große Rolle auf Intensivstationen. Und da ist der Handlungsbedarf ganz besonders groß."
Die Gründe für den Innovationsstopp sind vor allem ökonomischer Natur. Pharmafirmen verdienen an Antibiotika vergleichsweise wenig. Ein neues Antibiotikum zu entwickeln dauert Jahre und verschlingt Millionen. Wenn die Ärzte das Mittel dann zu breit einsetzen, werden die Bakterien rasch resistent. Das Antibiotikum verliert seine Wirkung, manchmal sogar schon nach zwei Jahren. Ein Beispiel dafür sind die Gyrase-Hemmer.
"Das sind Medikamente, die sehr breit vermarktet worden sind für relativ banale Harnweginfekte, und da hat man sehr schnell eine Resistenzentwicklung gesehen, sodass diese Substanzen in vielen Fällen überhaupt nicht mehr eingesetzt werden können."
Man müsse den Firmen Anreize schaffen, damit sie wieder in die Antibiotika-Entwicklung einsteigen, sagt Ivo Steinmetz. Steuervorteile zum Beispiel, oder man müsse die Patente für neue Antibiotika verlängern, damit die Firmen länger an ihnen verdienen. Nur so könnten langfristig auch neue Strategien im Kampf gegen Bakterien entwickelt werden. Dass man nicht nur versucht, die Bakterien selbst abzutöten, sondern …
"… dass man ganz gezielt nach Substanzen guckt, die Toxine neutralisieren können, also Stoffe, die die Krankheitserreger produzieren, die sie überhaupt erst zu Krankheitserregern machen."