
Unerschrockene Kabarettisten haben die längst gewagt und dafür nicht nur Missverständnisse, sondern auch Morddrohungen in Kauf genommen. Schon 1973 kämpfte Helmut Qualtinger mit seiner Parodie ausgewählter Kapitel gegen bequemes Verdrängen an. Serdar Somuncu zog um die Jahrtausendwende sechs Jahre lang mit einer kommentierten Lesung aus "Mein Kampf" durch Deutschland und demonstrierte, wie leicht besonders jene Hitlers Thesen erliegen, die glauben, dagegen immun zu sein. Immer wieder ist die Verführbarkeit durch verbrecherische Ideologie Thema auf Kabarett- und Chansonbühnen: Ob sich Martin Maier-Bode vorstellt, wie Hitler versuchen würde, sein Ermächtigungsgesetz durch den Bundesrat zu bekommen, oder Herman van Veen fragt, wie die Welt aussähe, wenn Hitler seinen Kampf gewonnen hätte. Eine Stunde, in der das Lachen und das Erschrecken dicht nebeneinander liegen.