
Eine abschließende Beurteilung des neuen Konzertraums dürfe aber noch nicht vorgenommen werden, betonte Schmitz. Es gebe Schwächen, mit denen man arbeiten müsste. "Wenn die Musiker richtig positioniert sind, dann klingt es sehr trocken, sehr transparent. Es ist sicherlich nicht leicht, für die Musiker hier den Klang zu entwickeln."
Die Idee bei heutigen Konzertsälen - wie auch bei der Elbphilharmonie - sei oft, die eines demokratischen Forums, in dem von allen Seiten auf die Mitte geschaut werden kann. "Das ist akustisch wohl nicht zu lösen", sagte Schmitz. Das Gute am Pierre-Boulez-Saal sei allerdings, dass dieser zu einem Amphitheater umgebaut werden könne: "Das heißt, die Ränge unten im Parkett kann man vertiefen, sodass man von einer Seite spielt und im 180-Grad-Winkel von vorne säße dann das Publikum. Dann wäre man fast wieder bei der klassischen Konzertsaal-Anordnung."
Eine ellipsenförmige Halle für Musik
Der Konzertsaal, der 680 Besuchern Platz bietet, sei ein Salle Modulable, wie ihn Pierre Boulez gefordert habe. "Eingebaut wurde das ganze in eine Art Schuhkarton, einem Quader. Frank Gehry [der Architekt] hat in diesen Schukarton eine ellipsenfrömige Halle für Musik eingebaut. Aus sehr hellem Zedernholz. Es gibt ein Parket, das arenaartig aufgebaut ist. In der Mitte ein ovales Parkett zum Spielen und darüber gelagert auch oval: zwei Ränge übereinander." Das habe etwas Schwungvolles, wie die Musik oder wie eine Art Welle.
Das Gesamtprojekt aus Akademie und neuer Konzertsaal hat laut DLF-Redakteur Schmitz "eine gewaltige gesellschaftliche Dimension". Es sei nicht nur eine private Musikhochschule und ein Konzertsaal entstanden. Es gehe, so Schmitz, bei diesem Projekt um Völkerverständigung, den jüdisch-arabischen Konflikt, um Weltfrieden, um internationale Verständigung - "und das mitten in Berlin".

Mehr als ein Konzertsaal
Neben dem Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Daniel Barenboim und dem Architekten Frank Gehry hat Akustiker Yasuhisa Toyota mitgewirkt. Letzterer ist auch verantwortlich für den Klang der am 11. Januar 2017 eröffneten Elbphilharmonie in Hamburg. Der Konzertsaal in Berlin, der den Namen des verstorbenen französischen Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez trägt, ist Teil einer Musikakademie. Diese hat Daniel Barenboim gegründet, um Musikstudenten aus der arabischen Welt und Israel zusammenzubringen. An der Barenboim-Said-Akademie sollen bis zu 90 Studenten ausgebildet werden.