
Der Start von Piccards Stratosphärenballon am 27. Mai 1931 war so ungewöhnlich wie sein Konstrukteur: Ohne Vorwarnung begann der Ballon plötzlich aufzusteigen, denn die Startmannschaft hatte versäumt, den in der Aluminiumkugel unter dem Ballon kauernden Stratosphärenforschern mitzuteilen, dass es jetzt losginge.
15.000 Meter in 15 Minuten
Der Versuch des Schweizer Technik- und Physikprofessors Auguste Piccard, zusammen mit seinem Copiloten Paul Kipfer in einem von Piccard entworfenen Ballon die Stratosphäre zu erreichen, gelang tatsächlich nur knapp und unter großen Gefahren. Als erstes offenbarte sich ein Leck in der Kugelwand, durch das Atemluft entwich. Piccard verstopfte es mit einem Gemisch aus Putzfäden und Vaseline. Das Bordbuch offenbarte weitere ernsthafte Schwierigkeiten, gegen die auch die mitgenommenen vierblättrigen Kleeblätter nicht helfen wollten. Der Ballon stieg so schnell auf, 15.000 Meter in nur 15 Minuten, dass die Reibungshitze der Luft seine Hülle erwärmte. Aus dem Logbuch:
"06:00 Uhr: Eine schlimme Entdeckung. Die Ventilleine hat sich verhängt. Wir werden erst abends landen können. Hoffentlich zieht das Ventil beim Abstieg nicht automatisch auf. Die Ventilleine war aus der Aufhängevorrichtung gerutscht und hatte sich verklemmt. Sie riss, als Kipfer sie zu lösen versuchte, ab."
16:30 Uhr: Wir sind jetzt 8 Stunden in der Stratosphäre und können nicht herunter.
Da waren wir also, Herr Kipfer, [der Kopilot] und ich, in der so lange ersehnten Stratosphäre, aber wir waren Gefangene der Stratosphäre und wussten, dass erst die nächtliche Abkühlung den Ballon zur Landung bringen werde.
18:35 Uhr: Wir müssen uns für die Dunkelheit einrichten. Wenn wir nur nicht ans Meer kommen.
19:30 Uhr: Durst. Wir trinken vom Kondenswasser an der Kabinenwand.
Da in der Stratosphäre die Sonne den ganzen Tag über mit unverminderter Intensität auf den Ballon strahlt, begann [dieser] erst am späten Nachmittag langsam zu sinken. Wir hatten eine Höhe von über 15.000 m erreicht. Um 21 Uhr näherten wir uns in dunkler Nacht einem mir unbekannten, zerschrundenen Gletscher. An eine Landung auf solchem Terrain war nicht zu denken."
16:30 Uhr: Wir sind jetzt 8 Stunden in der Stratosphäre und können nicht herunter.
Da waren wir also, Herr Kipfer, [der Kopilot] und ich, in der so lange ersehnten Stratosphäre, aber wir waren Gefangene der Stratosphäre und wussten, dass erst die nächtliche Abkühlung den Ballon zur Landung bringen werde.
18:35 Uhr: Wir müssen uns für die Dunkelheit einrichten. Wenn wir nur nicht ans Meer kommen.
19:30 Uhr: Durst. Wir trinken vom Kondenswasser an der Kabinenwand.
Da in der Stratosphäre die Sonne den ganzen Tag über mit unverminderter Intensität auf den Ballon strahlt, begann [dieser] erst am späten Nachmittag langsam zu sinken. Wir hatten eine Höhe von über 15.000 m erreicht. Um 21 Uhr näherten wir uns in dunkler Nacht einem mir unbekannten, zerschrundenen Gletscher. An eine Landung auf solchem Terrain war nicht zu denken."
Sanfte Landung im Ötztal
Der Ballon musste die Sache alleine richten. Piccard, der sich seinen Ballon gerne als Person vorstellte, war gerührt:
"Er wählte auf dem Gletscher das einzige schöne ebene Schneefeld der ganzen Gegend aus.
20:52 Uhr: Mannloch geöffnet. Nachtrag: Ballon sank sehr rasch wegen Hochgebirge. Zwei oder drei Sack Ballast abgeworfen. ... Glückliche Landung um 21:00 Uhr. Schönes, unbekanntes Hochgebirge."
Die Region um das Ötztal geriet - wie weite Teile der Welt - in helle Aufregung und sollte fortan als Touristenziel aufblühen.
Anderntags, zu Fuß auf dem Weg ins Tal, kam Piccard und Kipfer eine Rettungsmannschaft entgegen, die sie zuvor schon einmal unbemerkt gekreuzt hatten. Die Rettungkräfte hatten die beiden wohl schemenhaft gesehen, aber nicht erkannt und in der festen Annahme, die gesuchten Ballonfahrer seien tot, im Nebel ziehen lassen.
"Er wählte auf dem Gletscher das einzige schöne ebene Schneefeld der ganzen Gegend aus.
20:52 Uhr: Mannloch geöffnet. Nachtrag: Ballon sank sehr rasch wegen Hochgebirge. Zwei oder drei Sack Ballast abgeworfen. ... Glückliche Landung um 21:00 Uhr. Schönes, unbekanntes Hochgebirge."
Die Region um das Ötztal geriet - wie weite Teile der Welt - in helle Aufregung und sollte fortan als Touristenziel aufblühen.
Anderntags, zu Fuß auf dem Weg ins Tal, kam Piccard und Kipfer eine Rettungsmannschaft entgegen, die sie zuvor schon einmal unbemerkt gekreuzt hatten. Die Rettungkräfte hatten die beiden wohl schemenhaft gesehen, aber nicht erkannt und in der festen Annahme, die gesuchten Ballonfahrer seien tot, im Nebel ziehen lassen.
Auf sicherem Boden angekommen, versicherte Piccard, einzig für die Wissenschaft tätig gewesen zu sein. Piccards Erfolg ließ das Ballonfieber wieder steigen. Große Nationen versuchten mit ihren riesigen Mitteln an Geld und Personal Piccard zu übertreffen – vergeblich. Dann zogen die Flugzeuge alle Aufmerksamkeit auf sich.
Die Fachwelt zweifelte in Teilen den behaupteten wissenschaftlichen Charakter des Unternehmens an. Das Publikum aber hielt Piccard die Treue. Piccards Sohn Jacques erinnerte sich:
Die Fachwelt zweifelte in Teilen den behaupteten wissenschaftlichen Charakter des Unternehmens an. Das Publikum aber hielt Piccard die Treue. Piccards Sohn Jacques erinnerte sich:
"Mein Vater war ein Gelehrter, hatte viel in seinem Labor gearbeitet, aber es gibt Experimente, die sind zu groß für ein Labor. Und weil er nicht die ganze Welt in sein Labor nehmen konnte, sagte er sich, dann gehe ich halt raus. Dann wird die ganze Welt zu meinem Labor. Wie macht man das? Die Idee war eine Ballonfahrt in die Stratosphäre, dafür braucht es aber eine luftdichte Kapsel, in der man atmen kann. Die damaligen Spezialisten befürchteten, man würde ersticken. Und mein Vater sagte, nein, ich nehme den Sauerstoff aus einer Gasflasche und die Kohlensäure sauge ich ab, und so wird es bestens funktionieren."
Piccard starb am 24. März 1962 in Lausanne, nachdem er auch in der Tiefsee von sich reden gemacht hat.