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Klimakrise
Potsdam-Institut: Das letzte Gefecht um unseren Planeten

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Rockström, warnt vor Populismus in Debatten über die Erderwärmung. Er macht einen Trend zu häufiger Leugnung des Klimawandels und zur Wissenschaftsfeindlichkeit aus.

    Der Wissenschaftler Johan Rockström, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, spricht während einer Digitalkonferenz.
    Johan Rockström, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (picture alliance/dpa/Soeren Stache)
    Im RBB sagte Rockström, diese Entwicklungen seien über die letzten fünf Jahre zu beobachten gewesen. In Debatten über den Klimawandel gehe es derzeit überdies "etwas ruppiger" zu, weil es "ans Eingemachte geht". Wenn in sozialen Medien Front gegen die Klimawissenschaft gemacht werde, sei das paradoxerweise auch positiv. "Es ist auch ein Beleg dafür, dass die Klimakrise langsam in der Gesellschaft ankommt und wir an einem Wendepunkt sind, an dem wir uns in eine neue Zukunft ohne Öl und Gas bewegen", sagte Rockström. "Wir führen sozusagen das letzte Gefecht, wenn es um das Klima und unseren Planeten geht."

    Verantwortung Deutschlands

    Deutschland habe als fünftgrößte Wirtschaftsnation der Welt eine besondere Rolle. Die Wirtschaft hänge maßgeblich von Exporten ab und es sei besonders abhängig von fossilen Brennstoffen, erklärt Rockström. "Wenn es ein Land wie Deutschland schafft, sich wirtschaftlich gut zu entwickeln, mit einem modernen Wohlfahrtsstaat, mit sicheren Arbeitsplätzen, während es gleichzeitig dekarbonisiert, dann sendet das sehr starke Signale an Länder wie Indien, Indonesien, Brasilien und an aufstrebende Wirtschaftsnationen dieser Welt."

    Besorgniserregende Extreme 2023

    2023 bezeichnete Rockström als erschütterndes Jahr: "Die Temperatur der Atmosphäre, Eisschmelze, Waldbrände, Dürren, Schädlingsbefall in Wäldern, Verlust an Artenvielfalt - alle Kurven zeigen in die gleiche Richtung. 2023 gingen diese Trends nicht einfach weiter nach oben, sondern die Kurven brachen regelrecht aus. Plötzlich waren wir bei 1,5 Grad Celsius Erwärmung im September und Oktober."
    Der Leiter des PIK resümiert: "Wir sprechen über Extreme, die wir aktuell aus wissenschaftlicher Perspektive noch gar nicht vollkommen nachvollziehen können - das ist besorgniserregend."
    Diese Nachricht wurde am 26.12.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.