Steffen Augsberg ist Jurist und Mitglied des Deutschen Ethikrates. Zum Restart der Fußball Bundesliga hatte er kritisiert, dass der Fußball sehr gehätschelt werde. Im Gespräch im Dlf erklärte er, vor allem das Interesse der vielen Fans sorge dafür, dass der Fußball auch für die Politik interessant sei. Augsberg sieht aber einen weiteren wichtigen Punkt:
"Aber es kommt natürlich auch daher, dass das eine relativ gut organisierte Gruppe von Vereinen oder Unternehmen ist, die an dieser Stelle zusammensteht, die ihre Position relativ gut artikulieren können und die offensichtlich dafür auch ein ziemlich offenes Ohr in der Politik gefunden haben."
"Dann müssen wir das denen vorschreiben"
Die Vorbildrolle des Fußballs in der Corona-Pandemie schätzt Augsberg als gering ein:
"Wenn man das kritisch fassen wollte, würde man sagen: Die Vorbildfunktion der Vereine reicht typischerweise so weit, wie ihre Interessen nicht berührt sind. Also die Rassismusbekämpfung führt typischerweise nicht dazu, dass im Falle einer rassistischen Beleidigung die gesamte Mannschaft den Platz verlässt und sagt: ‘Wir nehmen es in Kauf, dass wir die Punkte verlieren.’ Sondern das wird alles soweit eingepreist, dass der normale Betrieb weiterlaufen kann."
Man könne allerdings auch nicht erwarten, dass die Vereine den Spielbetrieb und damit ihre ureigene Daseinsberechtigung von sich aus aufgäben, meint Augsberg:
"Wenn wir das tatsächlich für inakzeptabel halten, wenn wir sagen, das ist mit den jetzigen, allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen und der entsprechenden auch gesellschaftlichen Stimmung nicht zu vereinbaren, dann müssen wir das denen vorschreiben. Dann können wir nicht sagen: 'Das müssen die von sich aus entscheiden.'"
Bild vom Profisport ohne Risiko schwer aufrecht zu erhalten
Erstaunt ist Augsberg von der Anzahl an positiv getesteten Sportlern: "Einfach weil ich gedacht hätte, dass die unabhängig vom jetzt genuin sportlichen Geschehen auch in ihrem Privatleben so vorsichtig sind, dass das nahezu ausgeschlossen ist. Weil es ja auch für die ganz andere Konsequenzen noch mal hat, was die Leistungsfähigkeit angeht."
Einerseits lasse sich das möglicherweise durch die vielen Kontakten der eher jungen Sportler begründen. Andererseits werde es problematisch, der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass der Profisport ohne Risiken für die Betroffenen aufrecht erhalten bleiben könne.
Augsberg richtet sich aber ganz explizit dagegen, den Profisport aus einem Neidgedanken zu unterbinden: "Geteiltes Leid ist nicht unbedingt halbes Leid. Und wenn wir bestimmten Bevölkerungsgruppen oder eben auch bestimmten Teilen der Wirtschaft oder Teilen der Kultur oder Teilen des Sports es ermöglichen können, in sicherem oder hinreichend sicherem Ausmaß ihrer Tätigkeit nachzugehen, dann haben wir als Gesamtgesellschaft kein Interesse - dann sollten wir kein Interesse daran haben, dass denen zu untersagen."