Es gilt als das Mekka des Tauchsports weltweit - das Great Barrier Reef, nur wenige Kilometer vor der Ostküste Australiens.
"Es ist der größte zusammenhängende Organismus der Welt - eine Mischung aus vielen verschieden Korallen, Fischen und anderen Meereslebewesen. Aus dem Weltraum kann man es mit bloßem Auge sehen. So etwas gibt es wirklich nur hier, in Nord-Queensland."
Martin Johanson ist Lehrer bei der Tauchschule Island Divers. Ab morgen bekommt er Gesellschaft - im Wasser und aus der Luft. Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA will das Great Barrier Reef aus der Vogelperspektive untersuchen.
"Es ist nicht unbedingt besser, Riffe aus einem Flugzeug heraus zu untersuchen. Es ist anders. Als Taucher sehen Sie die verschiedenen Arten, Sie können Fische zählen und detaillierte Messungen anstellen. Aber Sie sind auf maximal eine Stunde Beobachtungszeit beschränkt. Dann ist nämlich Ihr Luftvorrat erschöpft. Außerdem können Sie unter Wasser nicht weit sehen. Somit können Sie stets nur einen kleinen Teil eines Riffs untersuchen."
Riff-Studien aus der Luft und vor Ort, im Wasser, würden sich also ergänzen, argumentiert Eric Hochberg vom Bermuda Institut für Ozeanwissenschaften.
Ein Überblick aus der Luft
"Uns fehlt eine Perspektive, wenn wir keine Beobachtungen aus der Luft hinzuziehen. Das ist so, als stünden Sie mitten im Wald. Sie sehen ein paar Bäume, aber nicht den ganzen Wald. Was wir wollen, ist aus der Luft den ganzen Wald sehen, in diesem Fall also: das Riff."
Eric Hochberg ist der Chefwissenschaftler von CORAL, dem Coral Reef Airborne Laboratory, einem luftbasierten Labor für Studien von Korallenriffen also. Er wird mit seinem Team die Riffe unter Wasser untersuchen, rund um die Insel Lizard Island im Norden des Great Barrier Reefs.
Parallel dazu wird die Ozeanografin Michelle Gierach vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena diesen Riffabschnitt an Bord eines Gulfstream-IV-Flugzeugs überfliegen:
"Während ein Team im Wasser ist, wird ein anderes an Bord des Flugzeugs über es hinwegfliegen. So können die Taucher vor Ort die Messungen der CORAL-Instrumente überprüfen."
Taucher untersuchen den Stoffwechsel des Riffs
Ein Spektrometer an Bord des Flugzeugs wird während des Überflugs das Licht untersuchen, das von der Wasseroberfläche und von dem, was unmittelbar darunter ist, zurückgeworfen wird. Dieses Spektrum verrät, wie viel Korallen, wie viel Algen und wie viel Sand vorhanden sind, erklärt Gierach:
"Wenn wir wissen, wie die Verteilung von Korallen, Algen und Sand ist, erhalten wir Hinweise auf den Gesundheitszustand eines Riffs. Parallel dazu untersuchen die Taucher den Stoffwechsel des Riffs, wieviel Kalk die Korallen also in welchem Zeitraum produzieren."
Vier Stunden pro Tag wird das Forschungsflugzeug das Riff überfliegen. Am Ende soll so eine Karte des Korallenwachstums und der Sandablagerungen im Great Barrier Reef entstehen. Hochberg:
"Die Frage dabei ist: Wann ist ein Riff gesund? Derzeit können Wissenschaftler das nicht genau beantworten. Ist mehr Korallenwachstum automatisch besser für ein Riff? Und welche Rolle spielt die Photosynthese eines Riffs, die vor allem die Algen betreiben? Welche Photosyntheserate ist normal?"
Nach dem Great Barrier Reef sind die Riffe rund um Hawaii die nächste Station der CORAL-Kampagne. Und am Ende, so hoffen die Forscher, könnte eine Satellitenmission stehen, die die Riffe permanent beobachtet - dann aus dem All.