Vor der Sächsischen Staatskanzlei rufen Rechtsextreme zum Widerstand gegen den Staat auf und fantasieren davon, die Regierung vor Gericht zu stellen. Ein Redner erklärt, warum er seine Steuern nicht mehr zahlt – um die Sorgen der Landwirtschaft geht es nur am Rand. Statt Landwirten sind Menschen in Arbeitskleidung zu sehen, Handwerker und Lkw-Fahrer, angereist mit Baumaschinen und Lieferwagen.
Die Demonstration am Montag in Dresden war vieles - aber kein Bauernprotest. Vielmehr ein orchestrierter Ermächtigungsversuch der extremen Rechten. Dass dem Aufruf dennoch mehrere tausend Menschen gefolgt sind, zeigt die politische Zerrüttung in Sachsen.
Derweil blockierten Traktoren an anderen Orten Autobahnen. Aber auch hier führt das Wort „Bauernprotest“ in die Irre. Bauern klingt nach Bauernhof, dabei werden Agrarbetriebe immer größer. Nur noch die Hälfte der Beschäftigten in der Landwirtschaft arbeiten im eigenen Familienbetrieb, die andere Hälfte sind Angestellte oder Saisonarbeiter – auf immer größer werdenden Agrarbetrieben, besonders in den östlichen Bundesländern. Und die Landwirte sind auch keine homogene Gruppe, sondern haben unterschiedliche Positionen.
Die Proteste diese Woche sind vielschichtig – und sollten auch genau so differenziert benannt werden.