
Schon lange hatte man auf den "Erlöser der Welt" gewartet. Und damit ist nicht die theologische Tragweite des Bildmotivs gemeint, das Christus als Heiland der Welt zeigt. Die rechte Hand zu einer Geste erhoben, in der linken eine Kristallkugel.
Schon lange hatte man das Gemälde nicht mehr gesehen. Jetzt, zur bereits angelaufenen großen Leonardo da Vinci-Ausstellung im Pariser Louvre, sollte es kommen. Es wäre nach seiner Versteigerung an einen saudischen Prinzen vor zwei Jahren für den Weltrekordpreis von 450,3 Millionen Dollar der erste Auftritt der Holztafel mit Jesuskopf gewesen. Der Louvre hatte dem Bild sogar einen eigenen Platz in der Ausstellung frei gehalten. Doch der ist noch immer leer. Der Kunsthistoriker und Leonardo-Experte Frank Zöllner weiß, dass das Museum bis zum Schluss darauf hoffte, den "Salvator Mundi", doch noch ausstellen zu können:
"Wir wissen, dass seit dem Sommer zwei Katalogvarianten produziert worden sind, mit Salvator und ohne. Es muss da zwischen den Vertragspartnern, also dem Louvre und dem Leihgeber Saudi-Arabien, Probleme gegeben haben. Man kann das natürlich politisch so deuten, dass es ein Düpieren Saudi-Arabiens ist, aber es kann auch sein, dass Saudi-Arabien aus einem bestimmten Grund gesagt hat, wir leihen es nicht aus, weil man sich nicht auf die Zuschreibung einigen konnte. Die ganze Sache ist wirklich sehr ungünstig für den Besitzer gelaufen."
Zöllner hatte das Bild als "aus der Werkstatt Leonardos und mit dessen Beteiligung entstanden" klassifiziert. In Ländern wie Saudi-Arabien sei eine offene Beurteilung von Bildern oft nicht möglich. Er vermutet, dass die Kuratoren Vincent Delieuvin und Louis Frank sich nicht darauf einlassen wollten, das Bild ohne vorherige dezidierte Untersuchung und Bewertung in der Leonardo da Vinci-Ausstellung des Louvre auszustellen.