Migration
Schlepper sind nicht immer Kriminelle

Im Kampf gegen organisierte Schleuserkriminalität wollen mehrere Staaten enger zusammenarbeiten. Das ist das Ergebnis eines Gipfels in London, an dem auch Bundesinnenministerin Faeser teilnahm. Doch eine pauschale Kriminalisierung verstelle den Blick auf die Vielfältigkeit des Schleppereiwesens, mahnen Experten.

    Migranten an der texanischen Grenze zwischen Mexiko und den USA in Eagle Pass
    Weltweit versuchen Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen, Grenzen in andere Länder zu passieren. Oft setzen sie dabei auf die Hilfe von Schleppern. (picture alliance / Anadolu / Lokman Vural Elibol)
    Der Begriff Schlepper oder Schleuser wird im Deutschen meist mit kriminellen Machenschaften skrupelloser Menschenhändler verbunden. In vielen Fällen trifft das auch zu, das zeigen nicht zuletzt Berichte über Flüchtlinge und Migranten in Libyen. Experten weisen aber darauf hin, dass nicht immer herzloses Profitstreben Menschen antreibe, anderen die Flucht zu ermöglichen oder ihnen die Routen in andere Länder und auf andere Kontinente zu zeigen. "Schlepperei ist häufig die einzige Option, die Menschen zur Verfügung steht, denen es an legalen, sicheren und würdigen Wegen mangelt, um sich in Sicherheit zu bringen", erklärt die US-Migrationsforscherin Gabriella Sanchez. Oft handele es sich bei den Schleusern auch um einheimische "marginalisierte Männer, Frauen und Kinder", die häufig selbst versuchten, zu migrieren. Sanchez wirft Medien und Politik vor, die Vielfältigkeit des Schleppereiwesens einseitig darzustellen und so zu verzerren.

    Von "Fluchthelfer zum Problem"

    Geschichtlich betrachtet, etwa mit Blick auf die DDR, wurden Menschen, die anderen ermöglichen, das Land zu verlassen, nicht immer als Problem wahrgenommen. Vielfach galten sie als Flucht-"helfer". Der Begriff fand dabei nicht nur eine moralische sondern auch eine rechtliche Anerkennung. Mit Blick auf die Zeit nach dem Fall der Berliner Mauer schreibt die Süddeutsche Zeitung: "Galten kurz zuvor noch richterliche Urteile, die Fluchthilfe als Dienstleistung begreifen, für die man entlohnt werden darf, wurde die Fluchthilfe nun pauschal zum Verbrechen erklärt." Heute werden auch Rettungsmissionen im Mittelmeer kriminalisiert. Die AfD gab 2018 eine Pressemitteilung heraus mit dem Titel: "Schlepper sind Verbrecher – die AfD stellt sie alle vor Gericht."
    Schlepper beziehungsweise Fluchthelfer gelten aus Sicht von Fachleuten oft als unumgänglich, da vielfach nicht einmal mehr Kriegsflüchtlinge legal Grenzen passieren könnten. Daher sind sie auf erfahrene Leute angewiesen, die ihnen Wege aufzeigen. Vor diesem Hintergrund führe eine restriktive Flüchtlingspolitik an den europäischen Außengrenzen letztlich auch dazu, das Geschäft der Schlepper anzukurbeln.
    Diese Nachricht wurde am 01.04.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.