Nach dem Vier-Augen-Gespräch mit Selenskyj teilte Scholz mit, Deutschland sei und bleibe der stärkste Unterstützer der Ukraine in Europa. "So lange wie es nötig ist." Selenskyj schrieb seinerseits, er sei dankbar dafür, dass Deutschland bei der Lieferung von Luftabwehr die Führung übernommen habe. Er habe mit Scholz auch über die Vorbereitungen für einen zweiten Friedens-Gipfel gesprochen.
Selenskyj dringt auf Langstreckenraketen
Der ukrainische Staatschef war zuvor angesichts der schwierigen Lage an der Front und verheerender russischer Luftangriffe überraschend zum US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz gereist, um erstmals am Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe teilzunehmen. Dort warb Selenskyj für mehr internationale Hilfe, unter anderem für Langstreckenraketen, um damit auch Ziele in Russland angreifen zu können. "Rote Linien" des russischen Staatschefs Putin sollten die westlichen Alliierten ignorieren, sagte Selenskyj. Er begründet seine Forderung damit, dass durch solche Angriffe etwa auf militärische Flughäfen russische Luftangriffe in der Ukraine verhindert werden könnten.
Bundesverteidigungsminister Pistorius sagte der Ukraine die Lieferung von zwölf Panzerhaubitzen vom Typ 2000 zu. Sie hätten einen Gesamtwert von 150 Millionen Euro. Zudem wolle man der ukrainischen Armee gemeinsam mit anderen europäischen Partnern so schnell wie möglich 77 Leopard-Kampfpanzer überlassen.
Deutschland und die USA liefern am meisten
Deutschland ist nach den USA der zweitgrößte Waffenlieferant der Ukraine. Die Bundesregierung hat in diesem Jahr mehr als sieben Milliarden Euro und im nächsten Jahr vier Milliarden Euro für die Ukraine im Haushalt eingeplant. Danach soll die Hilfe umgestellt werden.
US-Präsident Biden wird zusätzliche Hilfen für die Ukraine in Höhe von 250 Millionen Dollar genehmigen, wie US-Verteidigungsminister Austin in Ramstein bekanntgab. Dies werde die Fähigkeiten verstärken, um den sich wandelnden Anforderungen der Ukraine gerecht zu werden, sagte Austin. Zugleich betonte er, die Ukraine verfüge selbst über eine beträchtliche Zahl an Waffen, die russisches Gebiet erreichen könnten. Letztlich werde dieser Krieg am Verhandlungstisch beendet werden. Es sei aber fraglich, wann dies so weit sein werde.
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Diese Nachricht wurde am 06.09.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.