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UNO-Klimakonferenz
Scholz gibt Startschuss für Klimaklub

Auf Initiative Deutschlands haben mehrere Staaten mit ehrgeizigen Klimaschutzzielen während der UNO-Konferenz in Dubai einen sogenannten Klimaklub gegründet. Bundeskanzler Scholz sagte bei der Auftaktveranstaltung, es gehe darum, gemeinsam die richtigen Strategien und Standards für eine kohlenstofffreie Industrie zu entwickeln.

    Mehrere Personen sitzen in einem Konferenzraum an Tischen.
    Bundeskanzler Scholz hat bei der Weltklimakonferenz mit anderen Staaten einen sogenannten Klimaklub gegründet. (Soeren Stache / dpa / Soeren Stache)
    Die Vereinigung solle es ermöglichen, Leitmärkte für klimaneutrale Industrieprodukte auszubauen, erklärte Scholz. Dabei wollten die Mitglieder einen gegenseitigen Austausch von Gütern, Know-how und Technologien erreichen. Scholz betonte, die Gruppe wolle keine Konkurrenz zum UNO-Klimaprozess und zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens sein.
    Zu den aktuell 36 Mitgliedern zählen Entwicklungsländer, Schwellenländer sowie neue und alte Industrieländer. Den Vorsitz haben Deutschland und Chile.
    Morgen wird die Rede von Scholz im Plenum der Klimakonferenz erwartet. Während seiner Reise in den Ölstaat trifft der Kanzler auf rund 170 andere Staats- und Regierungschefs aus aller Welt.

    Lula: Brasilien soll zum Vorreiter beim Klimaschutz werden

    134 Staaten verständigten sich heute darauf, in den nationalen Plänen zum Klimaschutz den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft eine zentrale Rolle zu geben. Unter den Ländern sind unter anderem die EU-Staaten sowie die USA, China und Brasilien. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, man werde Landwirte und Nahrungsmittelproduzenten mit Finanzmitteln, dem Ausbau der Infrastruktur und Frühwarnsystemen unterstützen.
    Brasiliens Präsident Lula kündigte an, sein Land zum Vorreiter beim Klimaschutz zu machen. Die Entwaldung im Amazonas sei bereits deutlich reduziert worden, sagte er. Bis 2030 wolle man die Treibhausgas-Emissionen um 53 Prozent verringern. Um dies zu erreichen, seien gewaltige Anstrengungen nötig, sagte Lula. Man habe jedoch keine Alternative. Es gebe nur eine Erde.
    Ähnlich hatte sich Indiens Premierminister Modi vor dem Plenum geäußert. Er betonte, man müsse bei der Konferenz erfolgreich sein. Die Verantwortung für die Erderwärmung sieht Modi allerdings vor allem bei westlichen Industriestaaten. Die Krise sei von einem kleinen Teil der Menschheit verursacht worden, aber alle müssten darunter leiden - besonders die Menschen im globalen Süden, betonte Modi. Indien will bis zum Jahr 2070 klimaneutral werden, setzt aber laut der Regierung noch lange auf Kohle bei der Energieversorgung.
    Frankreichs Präsident Macron rief die G7-Länder dazu auf, beim Kohleausstieg voranzugehen. Sie sollten sich dazu verpflichten, bis 2030 auf Kohle zu verzichten, sagte er.

    "Noch nicht zu spät"

    UNO-Generalsekretär Guterres rief alle Staats- und Regierungschefs auf, mehr gegen den Klimawandel zu tun. Polareis und Gletscher verschwänden, die Folgen seien Erdrutsche und Überschwemmungen bis hin zu steigenden Meeresspiegeln, sagte Guterres in Dubai. Es sei noch nicht zu spät, diesen Entwicklungen Einhalt zu gebieten. Dazu müsse weltweit die Wirtschaft auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Die COP28 müsse ein "Gamechanger" werden, forderte der UNO-Generalsekretär.
    EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen appellierte an die Staats- und Regierungschefs, den Ausstoß von Kohlendioxid finanziell konsequent zu belasten. Dies sei eines der mächtigsten Werkzeuge, um klimaschädliche Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig Innovation und Wachstum zu fördern, sagte von der Leyen in Dubai. Starke Umweltverschmutzer müssten einen fairen Preis zahlen. Die Einnahmen könnten in den Kampf gegen den Klimawandel reinvestiert werden. Von der Leyen verwies auf den Mechanismus in der EU, wodurch die Emissionen in bestimmten Bereichen um fast 40 Prozent gesunken seien.
    Auch der britische König Charles III. mahnte die Teilnehmenden der Weltklimakonferenz zum raschen Handeln. Trotz einiger Fortschritte würden Warnzeichen des Klimawandels noch immer ignoriert, kritisierte der 75-Jährige. Der Anteil von CO2 und Methan in der Atmosphäre habe enorm zugenommen. Die Folgen für die Lebensgrundlagen in der ganzen Welt seien verheerend.

    Beschluss am ersten Tag

    Bundesentwicklungsministerin Schulze forderte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass sich weitere Golfstaaten sowie China an dem auf der Weltklimakonferenz beschlossenen Fonds für ärmere Länder beteiligen sollten. Diese Länder stießen viel CO2 aus und könnten es sich leisten, ärmere Staaten bei der Bewältigung von Klimaschäden zu unterstützen. Die SPD-Politikerin lobte die Entscheidung der Vereinigten Arabischen Emirate, als erster Golfstaat in einen offiziellen UNO-Klimafonds einzuzahlen. Dies sei ein Türöffner, so Schulze.
    Die Emirate und Deutschland hatten gestern am ersten Tag der Konferenz in Dubai jeweils 100 Millionen Dollar zugesagt. Auch die USA, Großbritannien und Japan wollen sich an dem Fonds beteiligen. Bundeskanzler Scholz erklärte am Freitag, mittlerweile seien Zusagen im Wert von rund einer halben Milliarde Dollar getroffen worden.
    Der Präsident der Konferenz, al-Dschaber, bezeichnete es als historisch, dass dieser Beschluss bereits zu Beginn der zweiwöchigen Tagung getroffen worden sei.
    Am ersten Tag des Treffens hatte die Weltwetterorganisation auch einen Bericht vorgelegt. Danach wird 2023 wohl das wärmste Jahr seit der Industrialisierung. Das zweiwöchige Treffen endet am 12. Dezember.
    Hintergründe zur COP28 finden Sie hier.
    Diese Nachricht wurde am 01.12.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.