
- Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz hat in seinem Wahlkreis im Hochsauerland mit Abstand die meisten Erststimmen und zieht wieder mit einem Direktmandat in den Bundestag ein. Das geht aus einer Übersicht der Bundeswahlleiterin hervor. Der CDU-Politiker kam auf 47,7 Prozent der Erststimmen. Dirk Wiese von der SPD holte 21,4 Prozent.
Bei der Wahl 2021 hatte Merz den Wahlkreis mit 40,4 Prozent der Erststimmen gewonnen. Merz lebt in Arnsberg und will seinen Erstwohnsitz dort auch behalten, wie er im Wahlkampf angekündigt hatte. Der Hochsauerlandkreis ist eine CDU-Bastion und war bisher immer an einen Bewerber der Christdemokraten gefallen.
- CDU-Spitzenpolitiker Jens Spahn errang in seinem Wahlkreis im Münsterland mit Abstand die meisten Stimmen. Er zieht damit per Direktmandat ins Parlament ein. Der ehemalige Gesundheitsminister, der in der Corona-Pandemie deutschlandweit bekannt wurde, erreichte im Wahlkreis Steinfurt I/Borken I 41,8 Prozent der Erststimmen. Die SPD-Kandidatin Sarah Lahrkamp kam auf 22,7 Prozent.
- Mit einem Ergebnis von 50,5 Prozent ist Dorothee Bär bundesweite Erststimmenkönigin. Die CSU-Politikerin gewann damit ihren Wahlkreis Bad Kissingen in Nordbayern deutlich. Auch die bundesweit zweithöchste Zahl geht an eine CSU-Politikerin: Emmi Zeulner in Kulmbach. Bär schafft es aber als einzige über die 50 Prozent.
- Der Virologe Hendrik Streeck hat als CDU-Kandidat im Wahlkreis Bonn die meisten Erststimmen erhalten und zieht per Direktmandat in den Bundestag ein. Nach Angaben der Stadt entfielen auf ihn 33,31 Prozent. Während der Corona-Pandemie war der Mediziner durch zahlreiche Auftritte in den Medien zu einem der bekanntesten Wissenschaftler des Landes geworden. Streeck war nicht über die Landesliste der CDU NRW abgesichert.
- SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz zieht als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag ein. Das teilte die Bundeswahlleiterin mit. Scholz hatte im Wahlkreis in Potsdam die meisten Erststimmen gewonnen - wenn auch knapp. Im Wahlkreis 61 (Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II) setzte er sich mit 21,8 Prozent der Erststimmen durch. Scholz hatte angekündigt, im Fall eines gewonnenen Direktmandats die gesamte Legislaturperiode im Bundestag zu bleiben - auch wenn er nicht Kanzler bleibt. In seinem Wahlkreis landete Außenministerin Annalena Baerbock von den Grünen auf Platz vier.
- SPD-Chef Lars Klingbeil hat als Direktkandidat im Wahlkreis Rotenburg I - Heidekreis mit Abstand die meisten Stimmen erhalten. Der Parteivorsitzende bekam nach Angaben der Landeswahlleitung 42,1 Prozent der Erststimmen. Damit landete er klar vor der CDU-Kandidatin Vivian Tauschwitz mit 27,3 Prozent. Klingbeil zieht damit erneut in den Bundestag ein. Er soll SPD-Fraktionschef werden.
- Verteidigungsminister Boris Pistorius hat als SPD-Direktkandidat im Wahlkreis Hannover-Stadt II klar die meisten Stimmen erhalten. Der langjährige niedersächsische Innenminister bekam 36,2 Prozent der Erststimmen. Damit landete er deutlich vor der grünen Bundestagsabgeordneten Swantje Michaelsen mit 19,1 Prozent. Er zieht als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag ein.
- Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat im Wahlkreis Leverkusen/Köln IV die meisten Stimmen geholt und zieht damit erneut in den Bundestag ein. Auf ihn entfielen 32,7 Prozent der Erststimmen.
- Der Linken-Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi hat im Berliner Wahlkreis Treptow-Köpenick Platz eins erfolgreich verteidigt - und zieht direkt in den Bundestag ein. Der 77-Jährige erreichte nach Angaben der Bundeswahlleitung 41,8 Prozent der Erststimmen. Damit setzte er sich mit großem Abstand gegen den AfD-Kandidaten Michael Walter Gleichmann (20,5 Prozent) auf Platz zwei und Dustin Hoffmann (14,1 Prozent) von der CDU durch. Gysi hat den Wahlkreis seit 2005 durchgängig für die Linke gewonnen. Mit 77 Jahren und als dienstältester Bundestagsabgeordneter rechnet er damit, zur Eröffnung des Parlaments als Alterspräsident zu amtieren.
Der 77-Jährige hatte im November die "Mission Silberlocke" mit den beiden langjährigen Linken-Politikern Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch gestartet. Ziel war, dass jeder der drei ein Wahlkreismandat gewinnt und so über die sogenannte Grundmandatsklausel der Partei den Einzug in den Bundestag sichert - falls die Partei die Fünfprozenthürde nicht erreicht hätte. Bartsch verlor aber knapp in Rostock. Dafür gewannen vier weitere Linkenpolitiker Direktmandate. Die Linke zieht aber sowieso mit deutlich über 8 Prozent in den Bundestag ein und ist nicht auf die Direktmandate angewiesen.
- Thüringens langjähriger Ministerpräsident Bodo Ramelow hat für die Linke seinen Wahlkreis gewonnen. Der 69-Jährige erhielt im Wahlkreis Erfurt-Weimar-Weimarer Land II nach Auszählung aller Wahlbezirke 36,8 Prozent der Stimmen, wie aus Daten des Landeswahlleiters hervorgeht. Nach seinem Amtsverlust bei der Landtagswahl trat Ramelow für die Linke auch als Thüringer Spitzenkandidat an.
- AfD-Bundesvorsitzender Tino Chrupalla hat mit großem Vorsprung die meisten Erststimmen in seinem Wahlkreis im sächsischen Görlitz geholt. Auch nach dem neuen Wahlrecht gelingt ihm somit der Wiedereinzug ins Parlament über ein Direktmandat. Auf den 49-Jährigen entfielen 48,9 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis 156. Der Zweitplatzierte - CDU-Kandidat Florian Oest - kam auf 24,2 Prozent. Alle anderen Bewerber landeten weit abgeschlagen mit Werten von weniger als sieben Prozent.
- Der AfD-Politiker Maximilian Krah hat mit Abstand die meisten Erststimmen im Wahlkreis 162 (Chemnitzer Umland-Erzgebirgskreis I) errungen. Damit zieht er über das Direktmandat in den neuen Bundestag ein. Krah kam auf 44,2 Prozent der Erststimmen. Die Zweitplatzierte - CDU-Politikerin Katrin Sophie Pojar - erhielt 27,7 Prozent.
Krah hatte vor der Europawahl im Juni 2024 nach Berichten über mutmaßliche Russland- und China-Verbindungen sowie Ermittlungen gegen einen Ex-Mitarbeiter wegen mutmaßlicher Spionage für China in den Schlagzeilen gestanden. Der Spitzenkandidat seiner Partei für die Europawahl 2024 war später von der AfD-Delegation im Europaparlament ausgeschlossen worden.
Diese bekannten Politiker haben kein Direktmandat gewonnen:
- AfD-Chefin Alice Weidel liegt in ihrem Wahlkreis am Bodensee deutlich hinter dem CDU-Kandidaten. Die 46-Jährige kam auf 20,36 Prozent der Stimmen, wie aus dem vorläufigen Ergebnis für den Bodenseekreis hervorging. Sie bleibt aber über die Landesliste abgesichert und weiter Bundestagsabgeordnete. Die meisten Stimmen holte in dem Wahlkreis der Auswertung nach der CDU-Kandidat Volker Mayer-Lay mit rund 40 Prozent.
- Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck verpasst das Direktmandat im Wahlkreis Flensburg-Schleswig. Wahlkreissiegerin ist dort die CDU-Bewerberin Petra Nicolaisen, die dem vorläufigen Ergebnis zufolge 26,5 Prozent der Erststimmen erhielt. Habeck erreichte nur 22,6 Prozent. Er dürfte als Nummer zwei auf der Landesliste der Grünen gleichwohl erneut in den Bundestag einziehen.
- Auch Grünen-Chefin Franziska Brantner hat bei der Bundestagswahl ihr Direktmandat in Heidelberg nicht gegen die CDU verteidigen können. Sie kam auf 27,7 Prozent. Brantner zieht aber über die Landesliste in den Bundestag ein, wo sie auf Platz eins steht.
- Linken-Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek verfehlte ihr Direktmandat in Osnabrück in Niedersachsen. Reichinnek stand indes auch auf der Landesliste der niedersächsischen Linken.
- Auch Dietmar Bartsch unterlag im Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis (Rostock/Landkreis Rostock II) knapp der AfD-Kandidatin Steffi Burmeister.
- Der noch amtierende Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt von der SPD verpasst den Einzug in den Deutschen Bundestag. Er zieht nicht über die Hamburger SPD-Landesliste ins Parlament ein, wie aus einer Übersicht der Bundeswahlleiterin hervorging. Schmidt hatte den Wahlkreis Eimsbüttel gegen den Grünen-Kandidaten Till Steffen verloren.
Diese Nachricht wurde am 24.02.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.