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Schulabschlüsse
Senkt Berlin die Anforderungen?

"Berlin senkt Ansprüche an Schulabschluss" titelte der Tagesspiegel gleich im Aufmacher auf der ersten Seite. Auch etliche Nachprüfungen sollten jetzt dazu führen, dass die Zahl der Schuldurchfaller gesenkt werde, so der "Tagesspiegel". Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung, hält den Artikel für falsch.

Von Daniela Siebert |
    Schüler der Klasse 7c der Heinrich-Hertz-Stadtteilschule in Hamburg nehmen am 24.03.2014 am Unterricht im Fach Mathematik teil.
    Berlin will mehr Schüler aufs Gymnasium bringen. (dpa / Christian Charisius)
    Einen mittleren Schulabschluss könne man jetzt schon mit einer Vier als Durchschnittsnote auf dem Zeugnis erreichen, wo früher noch eine Drei nötig war, argumentiert die Zeitung. Außerdem sei sogar eine Sechs erlaubt, was früher an den Hauptschulen ausgeschlossen gewesen sei.
    Eine vier Jahre alte Diskussion
    Beate Stoffers kann darüber nur den Kopf schütteln. Die Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung hält den Zeitungsartikel für grundfalsch. Er wärme eine vier Jahre alte Diskussion auf. Tatsächlich gibt es heute keine neuen Entscheidungen der Bildungsverwaltung in Sachen Abschlüsse, vielmehr greifen die Regelungen der Sekundarschulreform, die vor vier Jahren angegangen wurde. Zur Schlagzeile, Berlin senke die Ansprüche an den Schulabschluss, sagt Stoffers daher klipp und klar: "Nein, das stimmt nicht."
    Für den Mittleren Schulabschluss brauche man auch heute noch einen Notendurchschnitt von 3,0, korrigiert Stoffers die Angaben des "Tagesspiegel". Es gebe viele Schulrektoren, die sich noch nicht angefreundet hätten mit dem neuen Sekundarschulsystem, das Haupt-, Real- und Gesamtschulen in Berlin durch ein zweigliedriges System aus Sekundarschule und Gymnasium ersetzt hat. Beate Stoffers: "Die Bildungsverwaltung hat vor vier Jahren ein neues Punkte- und Notensystem für die neue Schulart Sekundarschule eingeführt, die Abschlüsse Berufsbildungsreife, Erweiterte Berufsbildungsreife und der Mittlere Schulabschluss werden auf Noten von 1 bis 6 vergeben und nicht wie in den ehemaligen Gesamtschulen auf Punktebasis. Ausdrücklich stellen wir dazu fest, dass die Leistungsanforderungen dadurch keineswegs gesenkt werden."
    Tür zur gymnasialen Oberstufe öffnen
    Dass diese Diskussion ausgerechnet heute nach vier Jahren wieder hochkocht, führt Beate Stoffers auf die aktuellen Deutschprüfungen zurück und den Umstand, dass der "Tagesspiegel" bei einschlägig kritischen Schulleitern dazu nachgefragt habe. Sigrid Baumgardt, Vorsitzende vom Berliner Verband der Lehrergewerkschaft GEW, kommentiert den Zeitungsartikel zurückhaltend. Zum einen habe die GEW schon immer eine Verschärfung der Schülerselektion durch Prüfungen kritisiert und befürwortet grundsätzlich Vorkehrungen, die zu mehr Schulabschlüssen führen. Tatsächlich habe die Berliner Schulreform auch die Tür für viele Schüler hin zur gymnasialen Oberstufe geöffnet, etwa indem auch weitere Fächer als etwa Mathe und Deutsch als relevant eingestuft wurden. Dass aber die Senatsverwaltung die Ansprüche für den Schulabschluss generell gesenkt habe, wie vom Tagesspiegel behauptet, kann auch Sigrid Baumgardt nicht bestätigen.
    Ob durch die Sekundarschulreform, wie der "Tagesspiegel" prognostiziert, mehr Jugendliche einen Abschluss schaffen als früher, lässt sich jetzt noch nicht sagen, betont Beate Stoffers: "Inwiefern mehr Schülerinnen und Schüler die Prüfung schaffen, können wir nach den Prüfungen feststellen, vorher nicht."