
An der aktuellen Regierungsbildung könne man sehen, wie schnell man Lügen gestraft werde. Seehofer verwies auf die Grundgesetzänderung, die zur teilweisen Aussetzung der Schuldenbremse für die Verteidigungspolitik und zur Aufstellung des schuldenfinanzierten Sondervermögens für Investitionen in Infrastruktur sowie Klimaschutz nötig gewesen ist. Hierfür habe man die Grünen gebraucht, führte Seehofer, heute Ehrenvorsitzender der Christsozialen, aus. Wenn das BSW nur ein paar tausend Stimmen mehr bekommen hätte, hätte man die Grünen sogar auf Dauer in einer neuen Regierung benötigt.
Dieses widersprüchliche Verhalten gegenüber den Grünen - das nehme einem die Bevölkerung nicht ab. Seehofer: "Was sollen diese Aussagen, diese Phrasen, wenn es dann doch ganz anders gehandhabt wird? Schauen Sie, die Leute sind ja nicht blöd, sage ich jetzt mal auf Bayerisch." Insbesondere Seehofers Nachfolger als Ministerpräsident in Bayern, CSU-Chef Söder, hatte sich vor und nach der Bundestagswahl immer wieder scharf von den Grünen abgegrenzt und eine Koalition mit ihnen kategorisch ausgeschlossen.
"Das sind halt so historische Fehler. Die passieren"
In der historischen Rückschau sieht Seehofer eine Mitverantwortung der Union für den Bundestagseinzug der Grünen 1983. Die Zustimmung für die Grünen in der Bevölkerung sei darin begründet gewesen, dass die etablierten Parteien das "große Thema" Umweltschutz nicht angepackt hätten. Menschen, die innerhalb der Union für die Umwelt eingetreten seien, seien damals ausgetreten, weil sie mit ihren Argumenten nicht gehört worden seien. Das seien halt so "historische Fehler". Die passierten. Seehofer riet der Union dazu, sich dem Thema "mit eigenen Lösungen, mit eigenen Vorstellungen" wieder anzunähern.
Seehofer äußerte sich in der Dlf-Sendung "Zeitzeugen im Gespräch". Sie können die Sendung am Donnerstagabend um 19.15 Uhr in einer Kurzfassung hören, am Samstag in einer Langfassung (11.05 Uhr) - oder als Podcast.
Diese Nachricht wurde am 27.03.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.