
Von der Leyen sagte, die EU werde Sanktionen gegen Moskau erst dann aufheben, wenn Russland den Krieg beende. Das 22. Sanktionspaket sei in Arbeit. Sie betonte, Russland versuche, die Energie- und Wasserinfrastruktur in der Ukraine zu zerstören. Bundeskanzler Merz forderte, dass die EU ihre finanzielle Unterstützung aufstocken müsse, um der Ukraine dauerhaft zu helfen. Es gehe darum, dass die Ukraine den Winter überstehe. Die russischen Angriffe würden immer rücksichtsloser.
Selenskyj: Benötigen allein 70 Milliarden Euro für 2027
Selenskyj bedankte sich für die bisher geleistete Hilfe der Europäer. Man müsse dennoch unbedingt über die Unterstützung für das kommende Jahr sprechen. Sein Land brauche allein 70 Milliarden Euro für die Verteidigung gegen Russland. Er erklärte, sollte die Ukraine im Krieg gegen Russland unterliegen, könnten bis zu 20 Millionen Ukrainer nach Westen fliehen. Russlands Staatschef Putin werde sich nicht mit dem besetzten Donbass zufrieden geben, sondern die ganze Ukraine beanspruchen und danach weitere Länder angreifen, warnte Selenskyj. Zudem betonte er, dass die Gesprächskanäle in die USA weiter offen seien.
US-Präsident Trump kritisierte Selenskyj erneut. Er bezeichnete ihn als Hindernis für einen Friedensschluss mit Russland. Im US-Sender Newsmax warf Trump Selenskyj zudem abermals vor, durch Angriffe auf russische Raffinerien für steigende Ölpreise auf dem Weltmarkt zu sorgen.
Streitpunkt: Migrationspolitik
Auch das Thema Migration steht auf der Agenda des EU-Gipfels in Brüssel. Nachdem im Juli innerhalb kurzer Zeit Zehntausende Menschen aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta gelangen konnten, sprechen die Gipfelteilnehmer über einen Krisenmechanismus für ähnliche Fälle. Beispielsweise könnte dann das reguläre Asylverfahren ausgesetzt werden.
Vor diesem Hintergrund hatten 38 Organisationen die Bundesregierung aufgefordert, sich am Verhandlungstisch für das Grundrecht auf Asyl einzusetzen. Es drohe eine Regelung, durch die Menschen an den Grenzen zurückgewiesen würden, "bevor sie überhaupt sagen dürfen, warum sie Schutz brauchen". Zu den Unterzeichnern des Appells gehören unter anderem Amnesty International, Pro Asyl, das katholische Hilfswerk Misereor, die Diakonie Deutschland und Ärzte ohne Grenzen.
Costa kündigt neuen Vorschlag für EU-Haushalt an
Bei dem Treffen ging es gestern auch um Etatfragen. Ratspräsident Costa kündigte an, in den kommenden Wochen einen neuen Vorschlag für den EU-Haushalt zu präsentieren. Damit soll verhindert werden, dass die nationalen Beiträge die Mitgliedsstaaten überfordern. Außerdem wolle man den Haushalt so flexibel gestalten, dass die EU auf Krisen angemessen reagieren könne. Deutschland und weitere Länder fordern deutliche Kürzungen am bisherigen Entwurf für die Jahre 2028 bis 2034. Merz hatte vor Beginn des EU-Gipfels erklärt, von einer Einstimmigkeit seien die Staaten weit entfernt. Der bisherige Entwurf sieht eine erhebliche Aufstockung des Budgets vor.
Kampf gegen unfaire Handelspraktiken
Die Staats- und Regierungschefs berieten auch über die Handelsbeziehungen zu China. Sie forderten die Europäische Kommission auf, dringend neue Instrumente gegen Ungleichgewichte zu entwickeln. Vor allem Bundeskanzler Merz und Frankreichs Präsident Macron machen sich für eine entschlossene Reaktion stark, wenn Drittstaaten durch politische oder wirtschaftliche Mittel schwere und systematische Verzerrungen des EU-Binnenmarkts verursachen. Im äußersten Fall soll sogar ein sofortiger Ausschluss des entsprechenden Landes vom Binnenmarkt möglich sein. Beide Politiker wollen darüber hinaus sichergestellt wissen, dass Unternehmen sich nicht zu stark an Lieferanten aus einzelnen Staaten binden. Namentlich wurde China in der Erklärung der Gipfelteilnehmer nicht erwähnt.
Chinesische Unternehmen verkaufen deutlich mehr Waren in die EU als sie importieren. Der Handelsüberschuss der Volksrepublik erreichte 2025 einen Wert von fast 361 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um 15 Prozent gegenüber 2024. Als Ursache gilt unter anderem Preisdumping in Verbindung mit hohen staatlichen Subventionen.
Weiterführende Informationen
Diese Nachricht wurde am 16.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.






