Recherchiert hat die Geschichte unter anderem die Journalistin Marta Orosz vom Recherchebüro Correctiv, die darüber im Deutschlandfunk berichtete.
Demnach hat ein Fernsehkorrespondent des WDR 2012 einer Praktikantin in seinem Hotelzimmer einen Pornofilm gezeigt, einer anderen per E-Mail sexuelle Avancen gemacht. Später kam heraus, dass er schon 1991 während einer Dienstreise eine Kollegin dazu gebracht haben soll, gemeinsam in einem Hotelzimmer zu übernachten – angeblich aus Kostengründen.
Anfang 2017 meldete sich die ehemalige Praktikantin beim WDR. Fernseh-Chefredakteurin Sonia Mikich versuchte daraufhin nach eigenen Angaben, den Fall aufzuklären. Spiegel online sagte sie vorige Woche, sie habe alles gemacht, um rauszukriegen, was passiert sei. "Man stößt allerdings bei solchen Fällen viel auf Hörensagen, Gerüchte. Ich hatte Informationen aus zweiter und dritter Hand, Mailverkehr, den man so und so deuten konnte." Am Wochenende wurde der Mitarbeiter beurlaubt.
Abmahnung für den Hinweisgeber
Nun berichten Correctiv und auch die Bild-Zeitung von einem weiteren WDR-Journalisten, gegen den es seit 2010 Vorwürfe gegeben habe. Die Journalistin Marta Orosz findet nicht nur bemerkenswert, dass er weiter für Tagesschau und Tagesthemen arbeiten, sondern dass nicht er, sondern ausgerechnet der WDR-Mitarbeiter, der damals Hinweise auf die Vorwürfe gegeben habe, am Ende eine Abmahnung bekommen habe. Er dürfe "seitdem das Thema gar nicht ansprechen", sagte Orosz im Dlf.
Correctiv schreibt, der Fall mache deutlich, wie schwierig es im System WDR offenbar gewesen sei, Hinweise ernst zu nehmen und Frauen, die sich vertraulich beschwerten, zu schützen.
Der Deutschlandfunk bemüht sich seit Tagen um ein Interview mit Verantwortlichen beim WDR, doch sowohl Intendant Tom Buhrow als auch Fernseh-Chefredakteurin Sonia Mikich haben mit dem Hinweis auf Termine abgesagt.
Buhrow will Fälle aufklären
Buhrow gab allerdings der Deutschen Presse-Agentur ein Interview. Darin sagte er, er dulde sexuelle Nötigung und Missbrauch nicht. Veröffentlichungen in den vergangenen Tagen hätten offenbar das Bewusstsein dafür geschärft, dass sich mehr betroffene Frauen melden.
Buhrow sagte weiter, man müsse "natürlich konkrete Hinweise bekommen, um mögliche Übergriffe prüfen und im erwiesenen Fall dann auch arbeitsrechtlich ahnden zu können. Es melden sich gerade Frauen mit ihren Erlebnissen und ich nehme das als Zeichen des Vertrauens, dass solche Hinweise ernst genommen werden."