
Der Kölner Sportrechtler und Prozessbeobachter Jan F. Orth erwartet ein Urteil zu Gunsten des SV Wilhemshaven. Der Senat habe bei der Anhörung schon angedeutet, dass die momentane Pyramide im Sport problematisch sei. Internationale Verbände können Entscheidungen und Regeln bis in die untersten nationalen Ebenen durchsetzen. Aber die Satzungen verstießen teilweise gegen nationales Recht.
"Wenn diese Regelungen, wie sie im Moment vorgesehen sind, in den Satzungen aller Sportverbände, nicht nur im Fußball, so nicht mehr für anwendbar erklärt werden, müsste der deutsche Sport sich rechtlich grundsätzlich neu organisieren."
Der DFB könnte in Schwierigkeiten kommen
Weiter müsste die Rolle des Internationalen Sportgerichtshofs neu definiert werden. Der CAS hatte den Zwangsabstieg bestätigt, den deutsche Verbandsgerichte verhängt hatten. Die Entscheidung des CAS hat zwar laut Orth keinen direkten Einfluss auf das BGH-Urteil, aber der Sportrechtler erwartet eine Stellungnahme zur Rechtmäßigkeit des CAS.
Ein Urteil zugunsten von Wilhelmshaven würde auch den Deutschen Fußball-Bund in Schwierigkeiten bringen. Denn wenn der DFB die Anordnungen der FIFA nicht mehr umsetzen kann, würde der DFB gegenüber der FIFA seine Mitgliedsrechte verletzen. Jan F. Orth: "Die FIFA würde das dann nicht tolerieren und ihr Mitglied, den DFB, dafür bestrafen. Das kann im Extremfall bis zu einer Suspendierung des Nationalverbandes, des DFB, der Nationalmannschaften oder ähnlichen Sanktionen führen."
Da muss der DFB hoffen, dass der Weltverband seine Zwickmühle anerkennt, dass nationales Recht über Verbandsatzungen steht. International steht der Sport dann vor einer großen Herausforderung.