Debatte über Pflichtzeiten
Steinmeier mahnt rasche Entscheidung an - Hilfswerke äußern sich kritisch

In der Diskussion über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht oder ein verpflichtendes soziales Dienstjahr mahnt Bundespräsident Steinmeier zur Eile und betont, er wünsche sich, dass die künftige Regierung diese lebhafte Debatte aufgreife und weiterführe. Hilfswerke äußern sich hingegen kritisch.

    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Großaufnahme, rundherum verschwommen mehrere Menschen.
    Bundespräsident Steinmeier drängt zur Entscheidung über Pflichtzeit (picture alliance / dpa / Christian Lademann)
    Steinmeier sagte dem Magazin "Stern", die Pflichtzeit sei praktischer Einsatz für die Demokratie und für eine lebenswerte Zukunft. Er begrüße es, dass hier immer mehr Vorschläge über die praktische Ausgestaltung gemacht würden. Bereits zu Beginn seiner zweiten Amtszeit hatte der Bundespräsident die Idee eines verpflichtenden Dienstes an der Gesellschaft angeregt. Dabei gehe es darum, aus dem gewohnten Umfeld herauskommen und sich jenen Menschen zu widmen, die in ganz anderen Bereichen zuhause seien, erklärte Steinmeier damals.

    Hilfswerke äußern Zweifel

    Mehrere Hilfswerke wandten sich gegen einen verpflichtenden Gesellschaftsdienst, so etwa das Deutsche Rote Kreuz. Der Bereichsleiter Jugend der Organisation, Steinke, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur, es sei klar, dass man in den nächsten Jahren mehr zivilgesellschaftliches Engagement brauche. Das DRK plädiere hier aber für ein freiwilliges Gesellschaftsjahr, das allen offenstehe, sich an den bewährten Freiwilligendiensten orientiere und mit vergleichsweise geringen Kosten umsetzbar sei.
    Ähnlich äußerte sich der Deutsche Caritasverband. Er befürwortet einen allgemeinen freiwilligen Gesellschaftsdienst - als Wehrdienst, im Bevölkerungsschutz oder als Freiwilligendienst - mit verbindlicher Beratung am Ende der Schulzeit. Der Vorschlag ziele darauf ab, die Zahl der Freiwilligen in allen drei Sparten des Gesellschaftsdienstes kurzfristig zu verdoppeln, denn es gehe um die äußere, innere und soziale Sicherheit, sagte die Präsidentin der Organisation,
    Welskop-Deffaa, der KNA.

    Rückkehr zur Wehrpflicht oder "Freiheitsdienst"?

    Seit Wochen wird über verschiedene Modelle zur Stärkung der Wehrfähigkeit und für mehr gesellschaftliches Engagement diskutiert. Die bayerischen Grünen hatten am Wochenende einen verpflichtenden "Freiheitsdienst" vorgeschlagen. Dieser solle für alle Menschen zwischen 18 und 67 Jahre gelten, sechs Monate dauern und als Wehrdienst, beim Bevölkerungsschutz oder als Gesellschaftsdienst abgeleistet werden. Schon abgeleistete Dienste oder bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten könnten angerechnet werden. Die Union will ein verpflichtendes Dienstjahr für alle - Männer und Frauen - einführen.
    Diese Nachricht wurde am 31.03.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.